"G’scheit sein allein ist zu wenig"

15. März 2010, 18:09
16 Postings

Der Ex-Rote Emil Schabl bescherte der SPÖ in Hirtenberg (NÖ) eine historische Wahlschlappe - Schabl über rote Kritikresistenz und seine Konsenspolitik mit den Schwarzen

Standard: Sie haben Ihren ehemaligen Genossen 30 Prozent weggenommen. Eine Genugtuung?

Schabl: Die SPÖ hat in Hirtenberg erstmals in der Zweiten Republik die Absolute verloren. Mir wäre natürlich ein anderer Weg lieber gewesen, aber es ist, wie es ist. Grundsätzlich kann man nicht nur von der Vergangenheit leben. Das Problem der Sozialdemokratie ist, dass sie derzeit nicht in der Lage ist, Lösungen anzubieten. G'scheit sein allein ist zu wenig.

Standard: Warum haben Sie sich als früherer Landesrat wieder in die Gemeindepolitik eingeklinkt?

Schabl: Die Bürgermeisterpartei hatte nicht mehr die Mehrheit der Bürger hinter sich. Es gibt da ein akutes Problem. Das wird entweder ignoriert, oder es hat nicht den entsprechenden Stellenwert. Die Hirtenberger SPÖ feiert den Verlust von sieben Mandaten immer noch als Sieg.

Standard: Die Landespartei hat sehr empfindlich auf Ihr Antreten reagiert. Hat Sie das enttäuscht?

Schabl: Damit muss man rechnen. Interessant ist aber, dass sie sich nicht fragen, warum das Wahlergebnis so ist, wie es ist. Diejenigen, die das tun, werden sofort als Verräter und Nestbeschmutzer gesehen. Sich in der Parteizentrale einzubunkern und die Realität des täglichen Lebens zu ignorieren, das ist der falsche Weg. Wenn Überheblichkeit und Ignoranz Inhalt der Politik werden, dann haben wir ja zum Glück die Möglichkeit, die Politiker abzuwählen.

Standard: Glauben Sie, dass der recht aggressive Kurs von SP-Chef Josef Leitner gegenüber der Volkspartei auf Landesebene richtig ist?

Schabl: Für die Bürgermeister war das sicher nicht hilfreich.

Standard: Wie tut man sich grundsätzlich als SPÖ-Bürgermeister mit dem schwarzen Niederösterreich?

Schabl: Wenn ich vom Landeshauptmann etwas gebraucht habe, bin ich immer korrekt behandelt worden. Landeshauptmann Erwin Pröll geht damit absolut professionell um. Er behandelt alle Bürgermeister gleich. Ich bin grundsätzlich ein Konsenspolitiker, und auf Landesebene stand immer die Sachpolitik im Vordergrund. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2010)

Zur Person:

Emil Schabl (47) war von 1990 bis 2003 Bürgermeister von Hirtenberg (Bezirk Baden) und von 2003 bis 2008 Landesrat der SP. Nach den Landtagswahlen 2008 ging er als Manager zu Magna. Mit seiner Liste holte er bei den Gemeinderatswahlen 2010 30 Prozent, während die SP von 73 auf 40 Prozent absackte.

  • Schabl trat aus der SPÖ aus und mit einer neuen Liste an. Er nahm seiner ehemaligen Partei 30 Prozent der Stimmen weg.
    foto: standard/newald

    Schabl trat aus der SPÖ aus und mit einer neuen Liste an. Er nahm seiner ehemaligen Partei 30 Prozent der Stimmen weg.

Share if you care.