Sky probt die dritte Dimension: Übertragung eines Bundesligaspiels erstmals live 3D
Die Gäste in München erinnerten Sonntagabend stark an "Men in black", die Blues Brothers oder an die letzte Sonnenfinsternis. 240 Augenpaare waren mit obligatorischen schwarzen Brillen bestückt und blickten gebannt auf fünf Bildschirme, auf denen eine Übertragung eines Bundesligaspiels live erstmals in 3D zu sehen war. Veranstalter war der Pay-TV-Sender Sky, produziert wurde in Kooperation mit der Deutschen Fußball Liga und Sportcast. Bayer Leverkusen kickte gegen Hamburg, die Mannschaften waren aber beinahe nebensächlich, beeindruckte doch die Darstellung des Spiels viel mehr. Grasfetzen regneten auf die Zuseher hinab, nach dem runden Leder konnte man beinahe greifen, die Vereinswappen flogen plastisch herein.
Für den Event war viel Aufwand betrieben worden, neun Kameras waren zusätzlich am Spielfeld montiert, Regisseur Volker Weicker koordinierte die Aufnahmen vor Ort. Unter den Gästen waren Brian Sullivan, der neue Vorstandsvorsitzende von Sky Deutschland, und Franz Beckenbauer, die sich äußerst enthusiastisch über die neue HDTV-Erfindung zeigten und von deren vielversprechender Zukunft überzeugt waren.
3D-Fernsehen für jedermann soll in Zukunft möglich werden, in den USA sind 3D-fähige Geräte bereits erhältlich. Panasonic kündete ihren Verkauf am deutschen Markt für kommende Woche an, jedenfalls aber Frühjahr 2010. Sony soll folgen. Die Geräte, die das Fernseherlebnis dieser Art möglich machen, lassen aber auch viel Geld in die Kassen klimpern, mit 1500 Euro muss der Käufer auf jeden Fall rechnen.
Tücken
Spaßig war die Angelegenheit auf jeden Fall, der Rasen schien ein bisschen grüner, die Fouls ein bisschen gemeiner und die Fußballmannen auf dem Felde noch ein bisschen muskulöser als in 2D. Dennoch hatte auch hier die Technik ihre Tücken, besonders die in Zeitlupe gezeigten Spielszenen und zu schnelle Kamerabewegungen überforderten Kopf und Augen der Zuseher und verschwammen vor deren Blicken. Die Gäste der Veranstaltung wagten immer wieder auch den brillenlosen Blick, der beinahe ebenso amüsierte wie der bebrillte, sah man doch die Spieler in doppelter Ausführung über das Feld flitzen, ein Blickwinkel, der sonst eher aus langen weinseligen Abenden bekannt ist.
Nach 90 Minuten war das gemeinschaftliche Fernseherlebnis wieder vorbei, Bayer Leverkusen siegte 4:2, die Gäste naschten - nun wieder brillenlos - vom Buffet.
Weitere Entdeckung des Abends: 3D-Brillen haben eine herrliche Rückspiegelfunktion und sind perfekt für das unauffällige Beobachten geeignet. Wenn der Durchbruch des 3D-Fernsehens in Privathaushalten oder beim Public Viewing in der Öffentlichkeit also nicht gelingt, vielleicht finden die Brillen ja bei schlauen Detektiven Verwendung? (Sarah Pallauf, DER STANDARD; Printausgabe, 16.3.2010/Langfassung)