Reisepass-Skandal

Der faire Händler als Drogendealer

Maria Sterkl, 16. März 2010, 06:51

Einem Innsbrucker Unternehmer wurde der Reisepass verweigert - Er sei "ein gesuchter Drogendealer", hieß es

Christian Mitterlehner hatte nichts Übles im Sinn, als er einen neuen Pass beantragen wollte. Die kommende Arbeitswoche würde den Unternehmer nach München und Köln führen, also sorgte er vor. Doch vorsorglich war auch die Dame am Schalter: "Zur Sicherheit", warne sie ihn schon jetzt, dass das mit dem neuen Pass nicht klappen könnte. Denn bei "verurteilten Drogendealern" gebe es ja kein Recht auf einen neuen Pass. Letztgültiges werde aber "der Chef" entscheiden.

Aus Mitterlehners Staunen wurde Entrüstung, als er nach weiterem Nachfragen erfuhr: Tatsächlich seien unter seinem Namen mit dazugehörigem Geburtsdatum mehrere Drogendelikte eingetragen. Auch eine Haftstrafe in Linz habe er bereits hinter sich, verriet die Datenbank.

Daten nicht gelöscht

Ein Anruf im Innenministerium bestätigte: Ein Drogendealer sei "mit meinem Namen in der Datenbank verknüpft", erfuhr Mitterlehner. Er sei jedoch berechtigt, diese EKIS-Daten löschen zu lassen. Das versuchte er auch - doch in einem Schreiben, das derStandard.at vorliegt, erklärt das Innenministerium lapidar, es würden "keine der Auskunftspflicht unterliegenden Daten verwendet".

"Als Dealer punziert"

Einen Reisepass hat der Fairtrade-Unternehmer nun zwar. Dennoch fühlt er sich "als Drogendealer punziert" und macht sich Sorgen: "Die Innsbrucker Beamtin kann Deutsch. Aber was ist, wenn ich in Spanien zwischenlande und nicht weiterfliegen darf, weil sie dort in die Datenbank schauen und nur ' Drogen' verstehen?"

Schlampereien

"Dass Namen verwechselt werden, passiert immer wieder", sagt Hans Zeger von der Arge Daten. Es gebe in Österreich rund 200 "echte Doppelgänger", also Menschen mit gleichen Vor- und Nachnamen sowie identem Geburtsdatum. Hinzu komme, dass Verwechslungen wegen falscher Eintragungen passieren. "Dreißig Prozent aller Einträge sind fehlerhaft", schätzt Zeger, der - trotz mehrmaliger Aufforderungen zur Richtigstellung - selbst mit einem falschen zweiten Vornamen in der Ekis-Datei geführt werde. In der Regel bleibe die Verwechslung ohne Folgen - da in den allermeisten Fällen keine Kriminellen mit dem eigenen Namen verknüpft werden. Umso dringlicher sei es, in Mitterlehners Fall rasch zu handeln, meint Zeger: "Wenn man einem Bürger nichts vorwerfen kann, dann muss man alles, was auf Vorwürfe hindeutet, löschen. Es kann nicht sein, dass man grundlos verdächtigt wird."

Warum wurden die Ekis-Daten nicht gelöscht? Laut dem Schreiben des Ministeriums sind gar keine Daten vorhanden. Hinter vorgehaltener Hand erfuhr Mitterlehner jedoch, dass "es Daten gibt, die man mir aber nicht verraten kann." Das Innenministerium habe in gewissen Fällen "das Recht zur amtlichen Lüge", erklärt Zeger - etwa, wenn eine Datenweitergabe polizeiliche Ermittlungen gefährden würde. In Mitterlehners Fall sei das besonders problematisch: "Man versucht, Schlampigkeitsfehler der Behörden auf den Bürger abzuwälzen."

"Ziemlich übler Bursche"

Mitterlehner erwägt nun eine förmliche Beschwerde bei der Datenschutzkommission. "Eigentlich hätte ich auch sonst genügend Arbeit", stöhnt er. Die inoffizielle Auskunft vom Innenministerium, dass es sich bei seinem Doppelgänger um "einen ziemlich üblen Burschen" handeln soll, hat ihn jedoch nicht gerade beruhigt. Er wird nicht so bald Ruhe finden: Bis die Kommission entschieden hat, vergeht laut Arge Daten im Schnitt ein halbes Jahr. (derStandard.at, 16.3.2010)

 

Kommentar posten
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Irgendein Jürgen
01
17.3.2010, 01:50

§ 111. (1) Wer einen anderen in einer für einen Dritten wahrnehmbaren Weise einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung zeiht oder eines unehrenhaften Verhaltens oder eines gegen die guten
Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt, das geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung berächtlich zu machen oder herabzusetzen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

Kann man auch den Staat wegen Verleumdung anzeigen?

Ich schäme mich oft für meine Postings
01
16.3.2010, 22:16

So was Ähnliches ist mir 2003 auch passiert. Anscheinend hatte jemand mit meinem Namen in Deutschland etwas Kriminelles gemacht. Jedenfals fragte mich die Bürostute, ob ich 2002 in Deutschland gewesen wäre und schickte mich zu Ihrer Chefin, als ich Näheres wissen wollte.
Hatte aber damals nur zur Folge, dass ich eine Stunde länger auf den Pass warten musste.
Genaues weiß ich nicht, vielleicht sollte ich mal nachfragen.

Die perverse Logik der Rechten
07
16.3.2010, 22:04
Abgesehen davon ...

... Wieso bekommen verurteilte Drogendealer keinen Pass ? Hat man dann das moralische Recht verloren sich als Österreicher auszuweisen ?

bad_lieutenant
00
17.3.2010, 07:05
Teil der Strafe...

Als Teil der Strafe wird für einen Zeitraum die Mobilität eingeschränkt. Kein Reisepass und kein Führerschein. Dies gilt übrigens auch für verurteilte Einbrecher und Vergewaltiger.
Also nichts zum Geifern und Sabern !

Nachtsonne
00
21.3.2010, 16:34

Die Strafe spricht ein Gericht aus.

Über Passentzug entscheidet eine Beamte bei der Bezirksverwaltungsbehörde.

Jan Sommer
00
17.3.2010, 08:45
Teilweise wertlos, denn einen Personalausweis bekommt man doch.


..und der gilt in ziemlich vielen Ländern...
js

ExBeamter
00
23.3.2010, 12:08
Äh aber ach die Daten von einem Personalausweis

können überprüft werden. und bei manchen Fluglinien ist ein gülltiger Pass bei Beförderung pflicht.

Nachtsonne
00
21.3.2010, 16:32
Identitätsausweis ist kein Personaausweis

"Der Identitätsausweis gilt als Ausweisdokument innerhalb des Landes, stellt jedoch keinen Passersatz dar, wie der Personalausweis."

http://www.help.gv.at/Content.N... 40600.html


jMor
 
114
16.3.2010, 22:45

Vielleicht ist man damit automatisch ein Schwazafrikaner ....

Der Lindwurm und der Schmetterling
00
16.3.2010, 23:50

Hammerkommentar !!! ganz ganz dicker grüner strich !!!

siliconvalley
05
16.3.2010, 22:03
"Dreißig Prozent aller Einträge sind fehlerhaft", schätzt Zeger,

und wer weiss wie viele Menschen aufgrund falscher Einträge in irgendeiner Form benachteiligt wurden und werden ohne zu wissen warum.....

Cr Mx
50
17.3.2010, 03:46
wohlgemerkt 30% von den vorher erwähnten

200 Fällen wo Name und Geburtsdatum übereinstimmen.
Lesen macht frei!

evamacon
02
16.3.2010, 19:38
Vielleicht

... kann ja Reinhold Mitterlehner helfen?

Ich, der sch... Gutmensch
00
17.3.2010, 07:44
Reinhold Mitterlehner ???

Ist das nicht der "üble Bursche"? :-)

paßt eh
01
16.3.2010, 22:22
Fair Trade?

konrath
05
16.3.2010, 18:16
sv d. gewerbl. wirtschaft

bekomme eine aufforderung, einige daten meines mannes bekannt zu geben, damit ich von den zusatzbeitraegen meines ehepartners freigestellt werde.
1. bin ich seit jahren geschieden
2. habe ich nie eine freistellung beantragt.
anruf bei dieser institution: ich muss die scheidungsvereinbarung in kopie schicken, worauf ich eine mail geschrieben habe, dass ich das sicher nicht tun werde, und ich nicht fuer deren "sauhaufen" (hab natuerlich eine anderes wort verwendet) verantwortlich bin! nun bin ich gespannt, ob ich mit zusatzbeitraegen fuer meinen vermeintlichen mann belastet werde, weil dieser angeblich bei mir mitversichert werden muss....wahnsinn, wie einfach sich die das immer machen! das sollte sich mal ein privatunternehmen erlauben!

das poppende lottchen
12
16.3.2010, 21:42
ja, diese versicherung ist ein skandal.

gut sind die nur beim abkassieren.
aber so ist österreich: die sozialversicherten werden geschröpft, damit genug geld da ist für bürokratische monster und büropflanzen.
leider unternimmt niemand etwas, diesen sozialversicherungspopanz auf das nötige mindestmaß zurechtzustutzen.

Lapislazuli
00
21.3.2010, 23:13
Aber schnell ist so ein Großmaul froh,

wenn er sie hat, wenn er sie braucht, die Sozialversicherung...

Mirstetta Toni
70
16.3.2010, 17:38
Ja Wahnsinn!

und das dem braven fairtradehändler. also wirklich; pfui!

pipi pipifax
07
16.3.2010, 20:38

wo ang'rennt. egal wem das passiert, ist es eine frechheit.

Mirstetta Toni
00
17.3.2010, 10:33

gefällt ihnen die konnotation meiner zeilen schon wieder nicht?

Edward the Great
00
17.3.2010, 02:13

Das so etwas oft vorkommt, finde ich jetzt nicht so erschreckend, das fällt halt unter unvermeidlichen "human error". Besorgniserregend ist allerdings schon die Häufigkeit solcher Fälle. Eine wirkliche Frechheit ist aber der Umgang der Behörden mit dem Verwechslungsopfer im geschilderten Fall.

Name d. Redaktion bekannt
16
16.3.2010, 17:32
warum?


Beim Fall F. von Amstetten haben sie seine begangene und bestrafte Vergewaltigung nach ein paar Jahren aus der polizeilichen Akte gelöscht.

Wenn man mit 14 einen Kaugummi geklaut hat, steht das ein Leben lang in der Akte.

Warum?

Lapislazuli
00
21.3.2010, 23:14
Weils net wahr ist.

Jan Sommer
00
17.3.2010, 08:55
Dem Hörensagen nach war das komplette Verschwindenlassen


einer unangenehmen Akte nur eine Frage der richtigen "Kontakte" und der aufzuwendenden Geldmenge - was da alles, besonders in Wien, verschwunden ist, glaubt man gar nicht.

Wenns da nicht die Erzählungen ehemaliger Zellengenossen und nicht vernichtete Zeitungsartikel über manche hoch geehrter (Pseudo)Persönlichkeiten gäbe ........
js

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