Barcelona

Kunst als "Gegensatz zum Fernsehen"

15. März 2010 17:27
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    Foto: fundació tapiès / l. dinse

    1990, bei ihrer Konzeption, sollte die Socke 18 Meter hoch und begehbar sein. Ihre Aufstellung im Nationalmuseum scheiterte. Jetzt misst sie drei Meter und steht auf der Terrasse der Fondació Tapiès.

Fundació Tàpies, das Haus für den katalanischen Weltkünstler, wurde in Barcelona wiedereröffnet

Unten ein großer massiger Bauernkopf. Bandagiert. Sowie ganz oben, auf der Terrasse, eine Socke. Etwa drei Meter hoch, begehbar geplant. Jetzt zu. Mit dieser Platzierung hat Antoni Tàpies die Hierarchie im Menschen auf den Kopf gestellt. Dazwischen entfaltet sich die nach zweijährigem Umbau vor wenigen Tagen in der Innenstadt von Barcelona wiedereröffnete Fundació Tàpies in schlichter Eleganz und mit mehreren neuen Werken des 87-jährigen Katalanen.

"Heute verstehe ich meine Bilder auch als Gegensatz zum farblich überladenen Fernsehen" , sagt Tàpies in einem der gezeigten Filme und liefert damit eine unter Intellektuellen durchaus populäre Erklärung für das Konzept dieses Museums (Sammlung des Künstlers), Kunsthauses (Ausstellungen) und Studieninstituts (in der Bibliothek des früheren Verlags- und Druckereigebäudes).

Inaki Ábalos, der Anfang der 90er-Jahre das denkmalgeschützte Haus renoviert und neu konzipiert hatte, setzte nun den Prozess der Reduktion fort: Weiß dominiert bis hin zu den gusseisernen Säulen, die es ähnlich auch im Wiener Semperdepot und im alten eisernen Haus gibt, das dem Grazer Kunsthaus vorgeschaltet ist.

Dem dunklen Holz der 120-jährigen Bibliothek entsprechen die Holzziegel der Böden und Treppen. Milchglasplafonds verstärken die bescheidene Eleganz, lenken die Aufmerksamkeit auf die Kunst, vor allem jene von Tapiès, an den weißen Wandflächen. Die jüngsten, großformatigen Werke aus dem Jahre 2009 erinnern an jene, die wir aus der Sammlung Essl kennen: Farben von Weiß über Grau, Erd- und Honigtöne bis Schwarz, aber mit einer für einen gebrechlichen Mann enormen künstlerischen Kraft.

Am eindruckvollsten: Dues cadires, zwei graue (Militär-)Decken auf schwarzer Platte, die "Kotzen" mit weißen Zeichen versehen. Ist der Krieg noch immer nicht aus der Welt? Das will Tàpies uns vielleicht sagen - mit seinen zu Kunst verwandelten Alltagsgegenständen.

John Baldessaris Fotocollagen, die im Museu d'Art Contemporani de Barcelona (Macba) ausgestellt sind, wirken im Gegensatz dazu ziemlich banal. (Gerfried Sperl aus Barcelona, DER STANDARD/Printausgabe, 16.03.2010)

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