Diözesen

Weit mehr als 100 Fälle gemeldet

15. März 2010, 14:42

Oft fehlen noch konkrete Zahlen

Wien - Obwohl die Diözesen immer mehr an Überblick über die ihnen gemeldeten Fälle sexuellen Missbrauchs verlieren, steht fest: Weit mehr als 100 Personen haben sich seit Jahresbeginn bei den diözesanen Ombudsstellen gemeldet. Großteils mangelt es allerdings noch an konkreten Zahlen. Argumentiert wird etwa damit, dass sich die Fälle überschneiden würden oder auch, dass noch konkreten Definitionen für die Zählung der Missbrauchsfälle fehlten.

Genaue Zahlen zu gemeldeten Missbrauchsfällen zu eruieren, dies sei derzeit schwer, beschied ein Sprecher der Wiener Erzdiözese. Man wolle zunächst die Ergebnisse der Projektgruppe unter dem Wiener Generalvikar Franz Schuster abwarten, welche im Auftrag der Bischofskonferenz die Voraussetzungen für eine hieb- und stichfeste gesamtösterreichische Missbrauchsstatistik schaffen soll. Dann erst könne man dezidiert klären, wie man einen Verdachtsfall, wie einen bestätigten Verdacht definiere. Und diese Ergebnisse sollten "ehebaldigst" vorliegen, so der Erzdiözesensprecher.

In der Diözese St. Pölten werden seit Jahresbeginn "sieben bis acht" Missbrauchsfälle geprüft. Es handle sich dabei aber nicht rein um sexuellen Missbrauch, sondern auch um gewalttätige Übergriffe und Fälle, wo Nichtbetroffene einen Verdacht gemeldet hatten, teilte Dechant Johann Zarl von der Ombudsstelle am Montag mit. "In den zwei Jahren davor war es sehr ruhig, da war fast nichts", sagte er. Welche kirchlichen Einrichtungen aktuell betroffen sind, wollte der Dechant nicht bekanntgeben: Vor allem die Fälle sexuellen Missbrauchs seien teilweise schon sehr alt, so dass die Beschuldigten mittlerweile bereits verstorben seien, hieß es.

Gegründet wurde die Ombudsstelle in der St. Pöltener Diözese im Jahr 2005, nachdem der Wechsel von Bischof Kurt Krenn zu Klaus Küng vollzogen war. Seither gab es 18 Verdachtsfälle, einige davon seien auch schon abgeurteilt. Nicht immer handle es sich aber um Vorwürfe in Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch, betonte Zarl. Auch Übergriffe mit Gewalt und unwahre Anschuldigungen habe es gegeben.

In Oberösterreich sind die Eingaben an die diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt zuletzt deutlich in die Höhe geschnellt: Von den insgesamt 25 Fällen, die an das Gremium in den vergangenen zweieinhalb Jahren herangetragen wurden, kamen 21 allein im März herein. Zwei waren es im Februar, zwei weitere sind älter.

Von den aktuellen Eingaben beziehen sich acht auf sexuellen Missbrauch und fünf auf Gewaltanwendung sowie acht weitere auf beide Vorwürfe. Wie viele Einrichtungen betroffen seien, könne man derzeit nicht sagen, hieß es bei der Diözese Linz. Denn viele Opfer würden zunächst beispielsweise nur von "einem Internat" berichten und erst später sagen, wo der mutmaßliche Missbrauch passiert sei. Zuletzt waren Vorwürfe gegen das Stift Kremsmünster (Bezirk Kirchdorf) aufgetaucht, wo fünf Patres ihrer Ämter enthoben wurden, und gegen das Stiftsinternat in Wilhering (Bezirk Linz-Land), die allerdings weiter zurückliegen. (APA)

countdawn
02
15.3.2010, 16:34
die Ergebnisse der Projektgruppe ???

Die Ergebnisse der Projektgruppe soll eine gesamtösterreichische Missbrauchsstatistik erstellen?
Welch ein Hohn!
Hier wollen sich wieder einmal die Böcke selbst zum Gärtner machen.
Die Kirche mit ihren Ombudsstellen breitet ihre Hände möglichst weit aus, um damit alle Fälle selbst beurteilen und mit Schweigegeldzahlungen vertuschen und verschleiern zu können.
Was jetzt nötig ist, ist eine ausserkirchliches "Aktionsbündnis gegen sexuelle Misshandlung".
Ich bin höchst interessiert Gleichgesinnte und HelferInnen zu finden, die außerkirchlich mitarbeiten wollen, Fälle zu dokumentieren und eine Anlaufstelle für Opfer und Täter zu gründen, damit endlich Gerechtigkeit und Wiedergutmachung Platz greifen kann. Bitte melden bei: calendersign@gmx.at

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