Mindestsicherung ab September wackelt

16. März 2010, 06:50
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    apa-foto: georg hochmuth

    "Wir lassen uns nicht auf eine Sozialschmarotzerdebatte ein. Ich bin nicht der Hängematten-Konstruierer, ich bin der Sprungbrett-Konstruierer."

Bundesländer zweifeln an rechtzeitiger Einführung - Hunds­torfer schlägt rückwirkende Zahlungen vor - Heute Beschluss im Ministerrat

Die Einführung der bedarfsorientierten Mindestsicherung wurde schon ein paar Mal verschoben, vor knapp zwei Wochen hat die Bundesregierung bei ihrer Klausur aber den 1. September als fixen Starttermin genannt. Heute, Dienstag, soll die Mindestsicherung auch im Ministerrat offiziell beschlossen werden.

Zweifel in den Bundesländern

Geht es nach Politikern aus einzelnen Bundesländern, wackelt aber der aktuell geplante Starttermin. Im Ö1-Mittagsjournal am Montag bezweifelten Ländesräte aus Salzburg, Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark, dass sie die Mindestsicherung mit 1. September einführen können. Niederösterreich, Wien, Burgenland und Vorarlberg hingegen haben laut eigenen Angaben keine Probleme damit. Sozialminister Rudolf Hundstorfer beruhigte bei einem Hintergrundgespräch am Montagnachmittag umgehend. Wenn es nicht alle Länder rechtzeitig schaffen, die Richtlinien umzusetzen, werde es in einzelnen Bundesländern eben rückwirkende Zahlungen geben müssen.

Eines der Länder, wo man zuversichtlich ist, bis September alles unter Dach und Fach zu bringen ist Vorarlberg: "Wir schaffen das auf jeden Fall", kündigte ÖVP-Landesrätin Greti Schmid im Ö1-Journal an. In Oberösterreich sieht die Situation anders aus. Der zuständige oberösterreichische Landesrat Josef Ackerl (SPÖ) glaubt nicht daran, den Termin einhalten zu können. Er hält es für realistischer, dass Personen mit Anspruch auf Mindestsicherung diese dann rückwirkend - erst im Jänner 2011 - erhalten. Dasselbe kann man sich auch in der Steiermark vorstellen.

Rückwirkende Zahlungen

Und das ist genau jener Weg, den sich auch Sozialminister Hundstorfer vorstellen kann. In allen Bundesländern, in denen es sich ausgeht, soll die Mindestsicherung ab 1. September schlagend werden. Dort, wo es sich aufgrund der Gesetzesanpassungen nicht ausgeht, müsse man rückwirkende Zahlungen an die Betroffenen vereinbaren. 

Hundstorfer sagte, dass sich die Einführung bis September dann ausgehen würde, "wenn alle wollen". Der Termin sei mit allen Bundesländern vereinbart. Der 1. September sei kein "Termin mit Fragezeichen", sondern eine "sportliche Herausforderung".

Nicht Hängematten-, sondern Sprungbrett-Konstruierer

Von ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger war kürzlich in Zusammenhang mit der Mindestsicherung und der geplanten Transparenzdatenbank eine "Sozialschmarotzerdebatte" losgetreten worden. Hundstorfer versuchte der ÖVP den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Mindestsicherung sei keine "Hängemattenkonstruktion, wo man sich ausruhen kann". Es handle sich vielmehr um eine Vereinheitlichung des Sozialhilfesystems vom Bodensee bis zum Neusiedlersee. "Wir lassen uns nicht auf eine Sozialschmarotzerdebatte ein. Ich bin nicht der Hängematten-Konstruierer, ich bin der Sprungbrett-Konstruierer", sagte Hundstorfer.

Er will Menschen in bestimmten Phasen helfen, die Betroffenen sollen möglichst rasch wieder ihre Arbeitsfähigkeit erhalten. Es sei nur eine kleine Gruppe, die ewig von der Mindestsicherung leben werde. Hundstorfer nannte rund 13.000 Personen, die kein anderes Einkommen zur Verfügung haben.

Kürzungen bei Schwänzen von Schulungen

Außerdem soll es auch Sanktionsmaßnahmen geben. Wenn Schulungen nicht besucht werden, soll es zu Kürzungen kommen.

Der Sozialminister geht davon aus, dass es maximal einen zweiprozentigen Anteil an Missbrauchsfällen geben wird. Nicht 20 Prozent, wie es Kaltenegger in Anlehung an den deutschen Vizekanzler Guido Westerwelle gemeint hatte.

"Kein politisches oder bürokratisches Projekt"

Kritik an den Ländern kam am Montag von den Grünen. "Die zur Minisicherung reduzierte Mindestsicherung steht seit 2006 im Regierungsprogramm. Wer davon überrascht ist und nicht vorgesorgt hat, agiert unseriös", meinte Sozialsprecher Karl Öllinger in einer Aussendung. "Vielleicht können sich das die Länderbürokraten nicht vorstellen, aber für jemanden, der 500 Euro im Monat zur Verfügung hat, ist die Mindestsicherung kein politisches oder bürokratisches Projekt, sondern eine Existenzfrage". (rwh, derStandard.at, 15.3.2010)

Wissen:

Die Höhe der Mindestsicherung soll 744 Euro betragen. Den Großteil der Kosten (rund 160 Millionen Euro) trägt der Bund, die Länder zahlen maximal 50 Mio. Euro. Von der Neuregelung profitieren werden etwa 270.000 Menschen, darunter 165.000 Sozialhilfebezieher, 90.000 Notstandshilfeempfänger und 15.000 Kinder von Ausgleichszulagebeziehern. Ein wesentlicher Vorteil der Mindestsicherung ist, dass bisher Nicht-Versicherte in die Krankenversicherung aufgenommen werden.

Gemeinsam mit der Mindestsicherung werden heute im Ministerrat Änderungen bei der Berechnung der Notstandshilfe beschlossen, die vor allem Frauen zugute kommen. Konkret wird das bisher nur beim Arbeitslosengeld bestehende System des Ergänzungsbetrages bei niedrigen Versicherungsleistungen auf die Notstandshilfe ausgedehnt werden.

Kommentar posten
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Franz Gruber3
01
16.3.2010, 14:15
Grundbuch?

Grundbucheintrag

bedeutet Eintrag ins Grundbuch nun etwa das wenn die bezogene Sozialleistung über dem Wert der Wohnung ist das ich dann dem Staat Miete zahlen muss? oder wozu ein Grundbucheintrag - damit die Erben vorher mein Konto beim Ams ausgleichen müssen damit sie das Erbe antreten können?

Zwangsenteignung !?!?

Herr und Frau Österreicher
 
03
16.3.2010, 14:43

Na, da gehts darum, dass Arme auch schön brav arm bleiben! Über generationen am besten! Irgedwann wird man die "Industrielle reservearmee" dann wieder brauchen, in der Fabrik oder an der Front. Bis dahin so tun, als wäre man so nett, ihnene Almosen zu gewähren, hetze, verleumdung inklusive, schließlich müssen auch die Rechten von was leben!

B(edingungsloses)G(rund)E(inkommen)
01
16.3.2010, 14:32
Zwangsenteignung

Ja, Zwangsenteignung! Toller Wurf die Minimalsicherung!

Schöne Bananenrepublik!

BGE

Ein Mahner
04
16.3.2010, 12:57
Es ist abzuwarten bis von gewissen Wirtschafts- und Bankenkreisen

die Forderung erhoben wird, daß jeder, der nichts zum Aufschwung der Wirtschaft beitragen kann (geringes Einkommen, Mindestsicherung, Alter, Krankheit) durch Beschluß seiner Lebensrechte verlustig geht und der kostengünstigen Eliminierung zuzuführen ist.

nofretete69
 
04
16.3.2010, 12:56

gewinne werden privatisiert , verluste verstaatlicht !
das ist fakt , aber das wahlvieh spielt ja mit !

diese debatte zeigt nur wieder mal , dass diejenigen , die eh schon eine lobby haben und im gemachten netz sitzen , mit einer kaltschnäuzigkeit über alle , die nicht zum establishment gehören , drüberfahren und ihnen die lange nase zeigen !

aber nein , wir zahlen keine löhne , die diesen namen auch verdienen , wir setzen 1oooe auf die strasse , weil die aktien nicht genug gewinn abwerfen , natürlich sparen wir bei denen , die ohnehin nicht viel haben , sonst müsste man ja selber auf ein bisschen vermögen verzichten !

aber ihr habt recht , wenn die leute da mitspielen , warum nicht .....


Sternchen100
16
16.3.2010, 12:24

Ja, noch was - wer länger als 4 Monate arbeitslos ist, und bei hunderttausenden Arbeitslosen wird das wohl die Regel sein, fällt schon in diese "Sozialhilfe" und darf alles weit unterm Wert verkaufen, was er sich jahrelang aufgebaut hat. Die meisten Arbeitslosen sind dabei schuldlos und würden ja arbeiten - wenn sie Arbeit fänden.

Die internationalen Gauner richten es sich mit politischer Hilfe, die kleinen Hilflosen aber vernichtet man ohne jede Skrupel.

25 Mrd. will die EU z.B. Griechenland bezahlen - weil dt., frz. und engl. Banken Millardenkredite gegeben haben. Griechenland, in denen keiner Steuern zahlt und wo man nicht mal Rechungen oder Registrierkassen hat, siehe 'Ganze Woche'.

Dormouse
01
16.3.2010, 13:56

also wenn das wirklich so mit einer 4 monatigen frist laufen sollte, kann man wirklich nur beten, dass die verantwortlichen bald zwangsenteignet werden!

mfg

Dr.in Luitpold Bäringer
00
16.3.2010, 13:37
Bitte wie? Wo steht das?

Ich hoffe, dass dies nicht stimmt.

Herr und Frau Österreicher
 
02
16.3.2010, 13:25
Richtig!

Der/die KapitalistIn rationalisiert/entlässt, heimst die Profite ein, ohne, dass der Arbeiter davon etwas hätte, und sagt zum Staat: “Nun speise mir den Erwerbslos gewordenen mal ab!” Und die Erwerbslosen müssen sich dann noch anpissen lassen!!!

B(edingungsloses)G(rund)E(inkommen)
01
16.3.2010, 13:13
Bereicherung

Ja, ja unsere Politiker bereichern sich auf Kosten der
Armen, Ärmsten und unfreiwillig gewordenen Arbeitslosen!

Schöne Bananenrepublik!

BGE

Sternchen100
03
16.3.2010, 12:18

Die Wohnbeihilfe wird - egal wie hoch die Mieten in einem Ort sind - abgeschafft und die Mindestsicherung liegt weit, weit unter der Armutsgrenze von derzeit 951.- /Monat. Eine ausgesprochene Schande, genauso wie die Mindestpensionen und die Dumping-Schandlöhne, die vor allem Frauen treffen. Und das alles, um 100 Mio. Euro oder weniger einzusparen, die anderswo durch politische Korruption den Reichen in den Hintern geblasen werden.

das 7te geislein
01
16.3.2010, 12:18
man sollte endlich die unternehmen zwingen,

gerechte löhne zu bezahlen und nicht darauf zu warten, daß der staat mit mindestsicherung u/od. soz.hilfe etc... einspringt. die menschen sollen endlich wieder von ihrer arbeit leben können.
wer des weiteren glaubt, daß man von 700 € große sprünge machen kann, der ist gut beraten, dies mal auszuprobieren.
für jeden furz ist geld da, nur nicht für die dinge, die die soziale gesellschaft aufrecht erhalten.
ein anderer punkt, den es zu diskutieren gilt sind jene unternehmen, die subventionen und erleichterungen aller art kassieren, um dann ihre produktionen ins ausland zu verlegen, weil ja die lohnkosten etc... hier ja zu teuer wären ( und damit die eigene gewinnspanne zu klein).

Herr und Frau Österreicher
 
01
16.3.2010, 12:21

Ganz richtig und nebenbei wäre eine drastische arbeitszeitverkürzung angesagt! Aber geschenkt wird uns nix, da müssma schon kämpfen...

Ludmilla von Country de la Musica
00
16.3.2010, 12:35
wenn das die aufklärungsabteilung ist, schließe ich mich an - und poste was zum hören:

"Arbeit gegen Geld – das Kommando des Kapitals über die Arbeitskraft, seine gewerkschaftliche Mitgestaltung und seine sozialstaatliche Regelung und Beaufsichtigung"

http://tiny.cc/s8D6P

Ludmilla von Country de la Musica
00
16.3.2010, 12:38
und noch was zum hier oft geforderten grundeinkommen

""Bedingungsloses Grundeinkommen" - Kapitalismus mit menschlichem Antlitz?"

http://tiny.cc/4zCRj

Dark_Bishop
31
16.3.2010, 11:59
Um diesen Schwachsinn zu finanzieren,

wird den Arbeitnehmern wieder tief in die Taschen gegriffen und die Steuern und Abgaben noch einmal saftig erhöht werden und das obwohl die Abgabenbelastung sowieso schon einer faktischen Enteignung entspricht. Leistung darf sich einfach nicht auszahlen in diesem Land. Faulheit jedoch wird belohnt. Jeder kann einmal in eine Notlage schlittern aber diese Mindestsicherung ist aus dem Wunsch nach einer leistungslosen Gesellschaft entwachsen. Dass die ÖVP, die angeblich die Interessen der Leistungsträger vertritt, dieses dunkelrot gefärbte Geschenk mitbeschlossen hat, ist unverzeihlich.

Herr und Frau Österreicher
 
22
16.3.2010, 12:29
da sind sie falsch informiert!

Die "Mindestsicherung" ist für jene da, die keinen einen zu niedrigen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Bei Arbeitsfähigkeit ist auch eine Arbeitswilligkeit vonnöten. Oder glaubens erntshaft, im kapitalismus wird irgendjemanden was gschenkt???

Dark_Bishop
20
16.3.2010, 13:04
Ihr Posting sagt mir zwei interessante Dinge über Sie.

1. Sie glauben ernsthaft, Österreich, das ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung in den Sozialstaat investiert und soviel umverteilt wie kaum ein anderer Staat auf dieser Welt, wäre auch nur irgendwo in der Nähe von "kapitalistisch".

2. Da Sie wissen, bei uns im "Kapitalismus" !!! wird einem nichts geschenkt, gehen Sie doch bestimmt davon aus, dass es nicht kapitalistische Länder gibt, die im Gegensatz zu unserem kalten System, offenbar tatsächlich etwas zu verschenken haben. Wo finde ich dieses heilige Utopia, das so furchtbar gönnerhaft ist?

Herr und Frau Österreicher
 
02
16.3.2010, 13:29

1. auch die soziale Marktwirtschaft ist eine Marktwirtschaft! Mir gehören keine produktionsmittel und so gehts mind. 80% der österreicherInnen auch.

2. Nein, es gibt keine Nichtkapitalistischen Länder. Der Kapitalismus ist ein Weltsystem. Und ja, Utopia nannte man auch die demokratische Republik bis in den britischen Kolonien und später in frankreich die leute auf die Barrikaden gingen.

Dark_Bishop
30
16.3.2010, 14:18
Na Gott sei Dank verfügst du über keine Produktionsmittel.

Man gibt ja einem Affen auch keine wertvolle Vase in die Hand!

Herr und Frau Österreicher
 
02
16.3.2010, 14:45

wieso? Sie haben ja auch eine Tastatur bekommen...

Ludmilla von Country de la Musica
00
16.3.2010, 13:17
"dass es nicht kapitalistische Länder gibt"

nein, gibt es nicht. das ändert nichts daran, dass hier der kapitalismus vorherrscht und dass kapitalismus nichts natürliches ist - sondern was künstliches vom staat mithilfe des gewaltmonopols aufrechterhaltenes, was die meisten massiv schädigt.

Dark_Bishop
20
16.3.2010, 14:22
Aso ist das.

Die Marktwirtschaft in der zwei Vertragspartner frei über Preis und Leistung entscheiden ist unnatürlich, wohingegen die staatlich gelenkte Planwirtschft, in der festgelegt wird, wieviel meine Arbeitskraft bzw. meine Arbeit wert ist, unserem Wesen entspricht. Sehr aufschlussreich.

Herr und Frau Österreicher
 
01
16.3.2010, 14:45
unnatürlich?

Wow, klingt fast so gut, wie gotteslästerlich!

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