Ziemlich grün: New York war's, Stockholm ist's, London wird's

16. März 2010, 16:55
57 Postings

Drei Metropolen der Welt und wie sich jede auf ihre eigene Art als "grün" präsentiert - Eine Reise in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Was sah Henry Hudson, als er im Jahr 1609 in den heutigen New Yorker Hafen einfuhr und sich eine Insel vor ihm aufbaute? Hoch aufragende Kastanienbäume, riesige Eichen, Sumpfgebiete und Wiesen, auf denen sich Truthühner, Elche und Braunbären tummelten. Lange Sandstrände zogen sich entlang der Inselküsten, jeder der unzähligen Bäche beherbergte mindestens einen Biber. Heute heißt diese Insel Manhattan, ist ein Borough von New York, 87 Quadratkilometer groß, bis an die Ufer mit Straßen und Hochhäusern zugepflastert und beherbergt mehr als 1,6 Millionen Menschen.

"Insel der vielen Hügel"

Warum man heute so genau weiß, wie Manhattan vor 400 Jahren ausgesehen hat? Erich Sanderson, Mitarbeiter der Wildlife Conservation Society hat zehn Jahre lang an dem gearbeitet, was heute das "Mannahatta Project" ist. Es wurde nach der von den UreinwohnerInnen verwendeten Bezeichnung für Manhattan benannt und bedeutet "Insel der vielen Hügel". Das Projekt fing mit einer alten Landkarte an, ging mit einer Datenbank zur wissenschaftlichen Konstruktion der Landschaft weiter und endete mit einer 3-D-Realisierung. Ziel war es zu zeigen, wie das heutige Manhattan vor 400 Jahren ausgesehen hat - wo heute etwa der berühmte Times Square liegt, befand sich früher ein Sumpf mit Rotahorn-Bäumen. "Es war ein unglaublich vielfältiger Ort, wäre die Insel so geblieben wie sie damals war, hätte sie zu einem Nationalpark wie Yosemite oder Yellowstone werden können", sagt Sanderson in einem Artikel des National Geographic Magazins.

"Grüne Hauptstadt Europas"

New York war also einmal ziemlich "grün". Der Sprung über den Atlantik geht in die schwedische Hauptstadt Stockholm: Sie wurde für das Jahr 2010 als erste Metropole mit dem Preis der Europäischen Kommission "Grüne Hauptstadt Europas" ausgezeichnet. Die 800.000-EinwohnerInnen-Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 keine fossilen Brennstoffe mehr zu verwenden. Umweltanliegen werden im städtischen Haushalt berücksichtigt, das System der Abfallwirtschaft führt zu hohen Recyclingraten, der Einsatz von Autos wurde reduziert, der Ausstoß von Treibhausgasen verringert.

Urbaner Nationalpark

Aber allein das Stadtbild präsentiert sich als ein grünes: Stockholm, das auf 14 Inseln gebaut ist, besteht zu zwei Dritteln aus Grünflächen und Wasserwegen. 95 Prozent der Bevölkerung leben in weniger als 300 Meter Entfernung einer Grünfläche. Das führt zu einer verbesserten Lebensqualität, reinigt die Gewässer, sorgt für Lärmdämmung und trägt zum Erhalt von Artenvielfalt und Ökologie bei. Mit dem 27 Quadratkilometer großen "Ekoparken" gibt es in Stockholm außerdem den ersten gesetzlich geschützten urbanen Nationalpark.

Mehr Bäume, schönere Parks

Eine andere europäische Hauptstadt, London, mag die Gedanken zu allererst auf Lärm, Smog und den lange Zeit verschmutzten Fluss Themse lenken. Die Acht-Millionen-EinwohnerInnen-Stadt gelobt aber Besserung. Um ein grüneres Stadtbild zu bekommen, wurden etwa Aktionen wie "Help a London Park" gestartet, bei der die BewohnerInnen per SMS oder Internet abstimmen konnten, welche Parks verbesserungswürdig sind. Bürgermeister Boris Johnson verspricht bis 2012 außerdem 10.000 zusätzliche Bäume an den Straßen, mehr als 2.000 Extra-Flächen zum Gemüseanbau und das Forcieren von Dachbegrünungen.

Grüne Freiwilligenarbeit

Neben zahlreichen Organisationen, die Freiwilligen-Arbeit zu Gunsten des Umweltschutzes anbieten, offeriert die Stadtregierung ein Programm, bei dem ArbeitgeberInnen ihren MitarbeiterInnen freie, bezahlte Tage gewähren, um Freiwilligenarbeit zu leisten. Ein weiterer Schritt in die "grüne" Richtung ist die "Climate Change Adaption Strategy" des Bürgermeisters. Sie wurde entwickelt, um künftig Überflutungen, Dürren und Hitzeperioden zu entgehen beziehungsweise deren Auswirkungen besser in den Griff zu bekommen. Auf einer eigens eingerichteten Website kann jedeR von Februar bis Mai 2010 seine Vorschläge einbringen und andere bewerten. Die besten Ideen sollen am Ende in die Strategie miteinfließen. (mak, derStandard.at)

  • Natur pur: "The Mannahatta Project" rekonstruiert, wie New Yorks Insel Manhattan vor 400 Jahren ausgesehen hat.
    foto: markley boyer/wildlife conservation society

    Natur pur: "The Mannahatta Project" rekonstruiert, wie New Yorks Insel Manhattan vor 400 Jahren ausgesehen hat.

  • Ein Blick auf Stockholm, "Grüne Hauptstadt Europas", vom Fernsehturm aus. 95 Prozent der BewohnerInnen wohnen weniger als 300 Meter von einer Grünfläche entfernt.
    foto: derstandard.at

    Ein Blick auf Stockholm, "Grüne Hauptstadt Europas", vom Fernsehturm aus. 95 Prozent der BewohnerInnen wohnen weniger als 300 Meter von einer Grünfläche entfernt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der St. James Park in London: Sobald die ersten Sonnenstrahlen locken, schwirren die Londoner in ihre Parks und machen es sich auf Decken und Liegestühlen gemütlich. Um noch "grüner" zu werden, plant die Stadtregierung mehr Bäume und Grünflächen.

Share if you care.