Thaksin-Anhänger schütteten ihr Blut auf die Straße - Ministerpräsident Abhisit will dem Aktionismus der Rothemden nicht nachgeben und im Amt bleiben
Am Dienstag ebbten die Proteste der Anhänger des im Exil lebenden Ex-Premiers Thaksin bereits etwas ab.
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Kanisterweise wurde das Blut herangetragen. Unter Gejohle wurde es dann verschüttet, dem Premierminister Thailands quasi vor die Füße. "Für unser Land, für die Demokratie" dröhnte es aus den Kehlen tausender Demonstranten. Langsam breitete sich eine große rote Lache vor dem Regierungsgebäude in der Bangkoker Rachdamnoen-Straße aus. Dass das Blut in der warmen Abendsonne nicht sofort gerann, dafür sorgten chemische Zusätze.
Veera Musikapong, einer der Anführer der "Rothemden", hatte sich bereits am frühen Morgen die Kanüle anlegen lassen für die Blutabnahme. Hunderte Frauen und Männer, in rotes Gewand gehüllt und mit roten Binden um den Kopf, taten es ihm gleich. Sie alle waren gestern überzeugt, ihre Sache - die Regierung zu Neuwahlen zu zwingen - einen Schritt weit vorangetrieben zu haben. Einige hundert Liter sollen gesammelt worden sein.
Auch vor dem Hauptquartier der Demokratischen Partei wurde Blut aus Plastikkanistern verschüttet. Es war dies eine direkte Antwort auf den Demokraten Abhisit, der wiederholt den Ruf nach einem Machtwechsel im Land zurückgewiesen hatte. Abhisit tat den Demonstranten allerdings nicht den Gefallen, durch ihr Blut zu waten.
Mit diesem Akt haben die jüngsten Demonstrationen in Bangkok einen makabren Höhepunkt erreicht. Begonnen hatte alles am Sonntag mit einer Sternfahrt Richtung Hauptstadt. Seither belagern die Anhänger der "Union für Demokratie und gegen Diktatur" (UDD), besser bekannt als in Rot gekleidete Gegner der Regierung Thailands, das Regierungsviertel.
Es sind Bauern, Handwerker, Tagelöhner, die aus dem Norden des Landes hierhergekommen sind, um für ein wenig Taggeld hier auszuharren. Michael Nelson, der als Gastdozent an der Chulalongkorn-Universität forscht, bezeichnet sie "als normale Bürger, die Wut im Bauch haben" . Sie hätten es satt, als "die Dummen" zu gelten, deren Anliegen so oft übergangen werden.
Die Blutaktion hält Nelson aber für kontraproduktiv. Sie erscheine vielen Bürgern als unangemessen. Das könne die Stimmung selbst unter den Demonstranten kippen lassen. Er sieht die UDD isoliert, weil sie keine nennenswerte Unterstützung auf hoher politischer Ebene hätte.
Premier Abhisit Vejjajivas Regierungskoalition ist ein fragiles Bündnis; es ist aber einig darin, den Einfluss der UDD gering zu halten. Es wird den Konflikt aussitzen können. Die Hälfte der rund 100.000 Demonstranten soll bereits wieder in ihre Heimatdörfer unterwegs sein.
Das Königreich in Südostasien leidet seit Jahren unter den zerstrittenen Lagern. Einerseits fühlt sich das intellektuelle Establishment Bangkoks berufen, die Geschicke des Landes zu steuern. Die Rothemden wollen ihren Anteil und haben in Thaksin Shinawatra, dem ins Exil geflüchteten Ex-Premier, ihren Helden. (Andrea Waldbrunner aus Bangkok/DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2010)