Premierminister soll Druck ausgeübt haben, um regierungskritische Talk Shows abzusetzen
Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die gegen ihn laufenden Ermittlungen wegen angeblicher Einflussnahme auf regierungskritische Fernsehprogramme als lächerlich bezeichnet. "Ich kümmere mich um seriöse, nicht um lächerliche oder sogar absurde Dinge", sagte Berlusconi in einem am Samstag gesendeten Interview mit seinem eigenen TV-Kanal Rete 4.
Nach Angaben der italienischen Tageszeitung "Il Fatto" sind Ermittlungen gegen Berlusconi, den Chefredakteur der von RAI 1 gesendeten Tagesschau TG1, Augusto Minzolini, und den Präsidenten der Kommunikationsbehörde Giancarlo Innocenzi in die Wege geleitet worden. Berlusconi wird beschuldigt, Druck auf die RAI und auf die Kommunikationsbehörde zur Schließung der regierungskritischen Talk Show "Annozero" ausgeübt zu haben, die RAI 2 jeden Donnerstagabend sendet. Berlusconi habe Innocenzi gedrängt, die Sendung abzusetzen, weil sie sich mit dem Fall der Korruptionsprozesse gegen den Regierungschef und seinen Ex-Rechtsanwalt David Mills befassen wollte.
"Ich finde es absurd, und so denken alle vernünftige Personen, dass man im Fernsehen einen Prozess gegen Personen führt, die sich ohnehin schon vor Gericht verantworten müssen. Diesen Personen wird im Fernsehen mit Aggressivität alles Mögliche vorgeworfen, ohne dass sie sich verteidigen können", erklärte Berlusconi. Der Premierminister kritisierte, dass die Staatsanwälte seine Telefongespräche abgehört hätten. "Es ist offenkundig, dass man mir und meiner Partei zwei Wochen vor den Regionalwahlen schaden will", betonte der Premierminister und Medienzar. (APA)