Bregenz

Neuauflage von Schwarz-Grün möglich

14. März 2010, 18:10

Fortsetzung der Koalition offen, aber von beiden Seiten Gesprächsbereitschaft vorhanden - Markus Linhart (ÖVP) mit 56,8 Prozent wieder zum Bürgermeister gewählt

Bregenz - In der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz ist nach der Gemeindewahl eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition möglich. ÖVP-Bürgermeister Markus Linhart erreichte zwar in der Direktwahl mit einem Ergebnis von 56,8 Prozent die absolute Mehrheit, in der Stadtvertretung schrammte die Volkspartei mit 18 von 36 Mandaten aber knapp daran vorbei. Linhart signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft, auch die Grünen zeigten sich nicht abgeneigt.

Der neue und alte Bürgermeister konnte in der Direktwahl 16,2 Prozentpunkte zulegen. Vor einer Stichwahl muss Linhart damit anders als 2005 nicht zittern. Sein damaliger SPÖ-Herausforderer Michael Ritsch erreichte diesmal nur mehr 26,1 Prozent (minus 11,2). In der Stadtvertretung erzielte die ÖVP 48,8 Prozent (2005: 38,2). Die SPÖ verlor auch hier deutlich und verbuchte 26,3 Prozent (35,5) der Stimmen für sich. Damit büßten die Sozialdemokraten drei ihrer bisher 13 Mandate ein. Die Grünen unter dem bisherigen Vize-Bürgermeister Gernot Kiermayr verloren bei einem Stimmenanteil von 10,4 Prozent (13,4) ein Mandat und halten nun bei 4 Sitzen.

FPÖ legte zu

Die FPÖ mit Spitzenkandidat Harald Stifter legte von 7,3 auf 8,5 Prozent zu, blieb aber hinter den Grünen, die damit eines ihrer Wahlziele erfüllt sahen. Die Freiheitlichen konnten ihre Mandate von zwei auf drei ausbauen. Die Liste "Bregenz denkt" erlangte ein Mandat, eines weniger als 2005, und 4,4 Prozent (5,3) der Stimmen. Die Piratenpartei - die erstmals bei einer Wahl in Österreich antrat - verpasste mit einem Ergebnis von 1,6 Prozent den Einzug in die Stadtvertretung.

ÖVP: "Restlos überwältigt"

Markus Linhart zeigte sich vom Ergebnis "vollkommen, restlos überwältigt". Er sei "unendlich dankbar", dass ihm die Bregenzer ihr Vertrauen in dem Maße ausgesprochen hätten. Er sei angetreten für ein Miteinander. Das zu vermitteln, sei gelungen, "auch mit den Grünen". Einer der ersten Schritte werde sein, das Gespräch mit den Grünen zu suchen. Grünen-Spitzenkandidat Kiermayr erklärte in einer ersten Reaktion, hinsichtlich einer Wiederaufnahme der Koalition mit der ÖVP sei nun alles offen. "Wir werden verhandeln", kündigte er an. "Ergebnisabhängig sind wir zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit bereit", so Kiermayr.

SPÖ: Ergebnis "annehmbar"

SPÖ-Spitzenkandidat Michael Ritsch, zugleich Landespartei-Vorsitzender, sah das Abschneiden seiner Partei in Bregenz noch als "annehmbar", wenn man bedenke, dass die FPÖ die Sozialdemokraten überholen wollte. Die Bregenzer ÖVP habe ihre Klientel zudem besser mobilisieren können. (APA)

Kommentar posten
22 Postings
bacchus1at
30
15.3.2010, 10:17

nachdem die überwiegende mehrheit in vorarlberg schwarz ist. bzw. schwarz wählt, stelle ich mir die frage...kann man die überhaupt noch aufhellen?
entschlacken, entrußen, entrosten, anmalen, versiegeln....was für ein aufwand.....

schofseckl
00
15.3.2010, 16:40

Perfekt abgeschirmt von VN und ORF gegenüber Bedrohungen aus dem anderen Lager hat die ÖVP in Vorarlberg wiederum einen ansehnlichen Erfolg für ihre „Oberen Zehntausend“ eingefahren.
Zwar sind die Verantwortlichen für die gegenwärtige Wirtschaftslage und für Finanz- oder Gesellschaftsskandale sonder Zahl fast ausnahmslos in diesen Kreisen zu finden, doch dank einer umfassenden Vernetzung macht der überwiegend desinteressierte Wähler aus seiner sozial abgesicherten Position heraus den Bock zum Gärtner.
Die Auswirkungen konservativer Strategie bekommen wir gerade in Griechenland vorgeführt, eine Situation die wohl oder übel im Staatsbankrott enden wird. Sobald sich eben diese Kreise ihre Taschen dann gefüllt haben.
Die Prügel für Gier und

schofseckl
00
15.3.2010, 16:44

Abzockerei verteilt der Wähler dann den Linken. Respekt! Respekt!

Gerhard Schwarz
 
23
14.3.2010, 23:01

Ob Bregenz, OÖ oder Graz: die Grünen sind auf dem schwarzen Holzweg.

Michael Jack Dundee
 
00
15.3.2010, 10:20

So lange aber die ÖVP aus taktischen Gründen auf die Grünen zurückgreift braucht die ÖVP die Grünen. Etwas mehr Erkennungsprofil im Regierungsabkommen würde gut tun.

Benedikt W.
 
02
15.3.2010, 15:51

Ich finde die Konstellation Schwarz-Grün die Beste, die es zur Zeit gibt. Etwas Kapitalismus von den Schwarzen und etwas Kommunismus von den Grünen.

Solange die Grünen schwächer sind als die ÖVP wähl ich Grün, wenn die ÖVP schwächer sein sollte (was ich nicht glaube) wähl ich die.

Das ist nur meine Meinung und nun gebt mir Rot :D

Michael Jack Dundee
 
00
17.3.2010, 11:32

Ich sehe die Grünen nicht als kommunistisch an; die Konstellation Schwarz-Grün ist aber derzeit die einzige Vernünftige Alternative zur derzeitigem Rot-Schwarz.

byron sully
24
14.3.2010, 18:29

angesichts der doch deutlichen verluste würd ich mir die neuauflage von schwarzgrün doch sehr durch den kopf gehen lassen. die bregenzer grünen dürfen nicht einfach so zur tagesordnung übergehen.

Juvenal
00
14.3.2010, 21:21

Ich kenne diesen Kiermayr geb. Egger noch aus Schulzeiten. Mir ist es absolut rätselhaft, wie die Bregenzer Grünen mit diesem Spitzenkandidaten mehr als eine (=sein eigene) Stimme erreichen können.

nachtschatten
00
14.3.2010, 22:45
ich fand ihn eigentlich ganz gut als lehrer

die themen war stets interessant und tagespolitischer natur; charakterlich sicherlich ein etwas schwieriger mensch, aber dennoch mMn eigentlich ein guter lehrer.

Juvenal
00
14.3.2010, 22:51

mit Schulzeit meinte ich unsere gemeinsame Schulzeit

nachtschatten
01
14.3.2010, 22:58
das liegt aber dann doch schon ein paar jahrzehnte zurück,

ohne ihnen ihre erfahrung absprechen zu wollen, soll es ja auch menschen geben, die sich im laufe der zeit ändern.

andererseits können ja auch unsympathische menschen vernünftige politik machen.

ewald berkmann1
01
15.3.2010, 09:02
zumindest lasse er sich für den . . .

. . . vizebürgermeistersessel am nasenring durch bregenz schleifen (zit. eines grünwählers).

rorschach
00
14.3.2010, 18:51
da haben

sie vollkommen recht - vorallem was hat es gebracht? die grünen haben ein mandat verloren die vp hat gewonnen

schofseckl
00
15.3.2010, 16:42

und an jeder Ecke in Bregenz die Handschrift der Grünen klar erkennbar.

byron sully
01
14.3.2010, 18:54
in oö.

haben es in der gleichen situation die grünen geschafft, sogar leicht dazuzugewinnen. also haben die grünen in oö. irgendwas besser gemacht als die in bregenz.

champagne
00
14.3.2010, 19:11

muss Ihnen zustimmen, die bregenzer grünen sollten genau überlegen, wass sie jz tun wollen.
zu oö: die grünen haben nichts verloren, aber auch nur ganz wenig dazugewonnen. da war der gewinn für die schwarzen schon mehr. (glaub es warn so 3%?)

unterm strich bleibt für mich also: schwarzgrün nützt eher schwarz. (oder vl allgemein: großpartei profitiert mehr als kleinpartei)

bin schon gespannt auf die wahl in graz in ein paar jahren.

byron sully
00
14.3.2010, 21:30
kann man nicht verallgemeinern,

siehe z.b. deutsche bundestagswahl 2002 (also das mit den groß- und kleinparteien). jedenfalls: im unterschied zu oö (wo die övp primär von der spö stimmen dazugewonnen hat) dürften in bregenz grün-wählerInnen vom letzten mal zur övp gewandert sein. das ist eben der unterschied zwischen den beiden wahlen.

Franz Klug
02
14.3.2010, 22:26
Auch in OÖ verloren die Grünen an die ÖVP: leider:-(

Laut Sora Analyse verloren auch in OÖ die Grünen 7000 Stimmen an die ÖVP: da Sie jedoch insgesamt 20 000 Stimmen von den NichtwählerInnen dazubekamen hatten sie im Endergebnis ein leichtes plus, gegenüber den letzten Wahlen.
Die Grünen müssen in der Regierungsarbeit etwas falsch machen. Es gelingt nicht die eigene gute Arbeit sichtbar zu machen und die Wahlkämpfe sind dann zu lauwarm um Stimmen dazuzugewinnen. Schade. Hier fehlt der Kampfgeist und auch die grossen "Grünen Projekte" für die man dann begeistert wirbt. Vielleicht klappts in der Steiermark besser :-)

champagne
00
14.3.2010, 22:59

vielleicht ist es auch so, dass eine koalition mit den grünen der övp ein bisschen frische oder urbanität verleiht? (wenn auch nur gefühlsmäßig?)

das mit dem wahlkampf stimmt mMn; es ist zwar schön, wenn man erneuerbare energien bewirbt, aber es reicht dann halt doch nur für die üblichen 10%.

Franz Klug
00
14.3.2010, 23:37

Stimmt, die ÖVP wird mit den Grünen ein bisschen urbaner:wobei Bregenz mit seinen Festspielen und dem Zumthor Museum sich schön entwickelt hat.
Wenn aber die Bregenzer Grünen weiter wie bisher machen, dann werden sie bei den nächsten Wahlen 7% haben und die ÖVP die Absolute. Ich verstehe nicht, warum die Grünen nicht zugeben, dass es schmerzlich ist dass man stagniert und dass es hoch an der Zeit wäre die Ärmel aufzukrempeln und massiv zu den Leuten raus zu gehen und um die Menschen zu werben. Ja, es gab gute und schlechte Ergeb. -insgesamt wars eher Minus!
Auf Bundesebene anzusagen: man kämpft um den dritten politischen Platz und dann überlässt man die Gemeinden der FPÖ! So wird der notwendige Grüne Aufbruch wohl eher nicht kommen :-(

Dominika Jablonska
61
14.3.2010, 18:44

Trink dein Bier, baron silly.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.