Sollen nicht mehr mit Klerikern besetzt werden - Fischer lobt Schönborn - Autor Haslinger warnt vor "Hexenjagd"
Wien - Angesichts sich häufender Berichte über sexuellen Missbrauch Jugendlicher durch Priester und Ordensleute hat die Bischofskonferenz eine Projektgruppe eingesetzt, die bis Juni konkrete Vorschläge erarbeiten soll. Ein Ergebnis ist bereits absehbar: Die Ombudsstellen für Opfer von sexuellen Übergriffen sollen künftig nicht mehr mit Priestern besetzt werden, um ihre Unabhängigkeit zu stärken. Als Vorbild gilt laut dem Sprecher der Bischofskonferenz, Paul Wuthe, die mit Psychologen und Juristen besetzte Wiener Ombudsstelle.
"Das wird sicherlich standardisiert und angeglichen werden", sagte Wuthe am Sonntag. Darüber hinaus wolle er der vom Wiener Generalvikar Franz Schuster geleiteten Expertengruppe aber nicht vorgreifen. Aktuell arbeitet man laut Wuthe aber einer Vernetzung der Ombudsstellen in den Bundesländern - auch um einen Überblick über die aktuelle Entwicklung zu bekommen. Derzeit kann die Bischofskonferenz nämlich nicht sagen, wie viele Missbrauchsvorwürfe aktuell geprüft werden, "weil sich täglich neue Opfer melden, die Zahlen sind täglich steigend", betont Wuthe.
Haslinger: Keine "Hexenjagd"
Tatsächlich haben sich auch am Wochenende wieder mehrere Missbrauchs-Opfer zu Wort gemeldet - etwa der Schriftsteller Josef Haslinger, der in der "Presse am Sonntag" über Missbrauchs-Erfahrungen in einer Klosterschule berichtet, dabei aber auch vor einer "Hexenjagd" warnt und Hilfe für die Täter fordert: "Am besten schützt man Kinder, indem man den Pädophilen hilft, mit ihrer gesellschaftlich nicht gut integrierbaren Neigung auf eine Weise zurande zu kommen, die nicht das Strafgesetz berührt."
Lob für das Krisenmanagement der Kirche kommt indessen von Bundespräsident Heinz Fischer. Er bezeichnet die jüngste "eindeutige Erklärung" von Kardinal Christoph Schönborn (er hatte die offene Aufklärung der Missbrauchsfälle angekündigt, Anm.) als "sehr eindrucksvoll". Schönborn habe gezeigt, "dass er dieses Problem mit jeder Faser seines Herzens ernst nimmt. Ich habe überhaupt keinen Grund, einen Stein zu werfen", so Fischer im "Kurier" (Sonntags-Ausgabe). (APA)