Kirche will Unabhängigkeit der Ombudsstellen stärken

14. März 2010, 14:12

Sollen nicht mehr mit Klerikern besetzt werden - Fischer lobt Schönborn - Autor Haslinger warnt vor "Hexenjagd"

Wien - Angesichts sich häufender Berichte über sexuellen Missbrauch Jugendlicher durch Priester und Ordensleute hat die Bischofskonferenz eine Projektgruppe eingesetzt, die bis Juni konkrete Vorschläge erarbeiten soll. Ein Ergebnis ist bereits absehbar: Die Ombudsstellen für Opfer von sexuellen Übergriffen sollen künftig nicht mehr mit Priestern besetzt werden, um ihre Unabhängigkeit zu stärken. Als Vorbild gilt laut dem Sprecher der Bischofskonferenz, Paul Wuthe, die mit Psychologen und Juristen besetzte Wiener Ombudsstelle.

"Das wird sicherlich standardisiert und angeglichen werden", sagte Wuthe am Sonntag. Darüber hinaus wolle er der vom Wiener Generalvikar Franz Schuster geleiteten Expertengruppe aber nicht vorgreifen. Aktuell arbeitet man laut Wuthe aber einer Vernetzung der Ombudsstellen in den Bundesländern - auch um einen Überblick über die aktuelle Entwicklung zu bekommen. Derzeit kann die Bischofskonferenz nämlich nicht sagen, wie viele Missbrauchsvorwürfe aktuell geprüft werden, "weil sich täglich neue Opfer melden, die Zahlen sind täglich steigend", betont Wuthe.

Haslinger: Keine "Hexenjagd"

Tatsächlich haben sich auch am Wochenende wieder mehrere Missbrauchs-Opfer zu Wort gemeldet - etwa der Schriftsteller Josef Haslinger, der in der "Presse am Sonntag" über Missbrauchs-Erfahrungen in einer Klosterschule berichtet, dabei aber auch vor einer "Hexenjagd" warnt und Hilfe für die Täter fordert: "Am besten schützt man Kinder, indem man den Pädophilen hilft, mit ihrer gesellschaftlich nicht gut integrierbaren Neigung auf eine Weise zurande zu kommen, die nicht das Strafgesetz berührt."

Lob für das Krisenmanagement der Kirche kommt indessen von Bundespräsident Heinz Fischer. Er bezeichnet die jüngste "eindeutige Erklärung" von Kardinal Christoph Schönborn (er hatte die offene Aufklärung der Missbrauchsfälle angekündigt, Anm.) als "sehr eindrucksvoll". Schönborn habe gezeigt, "dass er dieses Problem mit jeder Faser seines Herzens ernst nimmt. Ich habe überhaupt keinen Grund, einen Stein zu werfen", so Fischer im "Kurier" (Sonntags-Ausgabe). (APA)

 

www10002
10
15.3.2010, 14:04
Hexenjagd und die Heilige Inquisition

Haslingers Metapher ist perfide, denn Hexenjagden wurden bekanntlich VON der Kirche, nicht GEGEN die Kirche verbrochen!
Es ist befremdlich, dies aus dem Munde eines Mißbrauchsopfers erfahren zu müssen, da die potenziellen Opfer, nicht die Täter (wie es die Kirche jahrzehntelang getan hat) zu schützen sind!

Chien de Pique
00
15.3.2010, 16:53

Die Hexenjagd wurde primär von weltlichen, oft auch protestantischen Fürsten verbrochen, und daneben noch vom ungebildeten Volk. Es wäre absurd, sie allein der Kirche anzulasten, die der Sache noch vergleichsweise differenziert gegenüberstand.

Lectrice
00
15.3.2010, 11:37

Von Fischer habe ich auch schon besseres gehört.

GeorgT
00
15.3.2010, 09:55
Pädophilie und Pädagogik sind nicht vereinbar

Ganz einfach möglich: Pädophile dürfen keine Macht über Jugendliche/Kinder haben.

Also entweder gar keine Lehr- resp. Aufsichtstätigkeit haben oder nie alleine mit Jugendlichen sein.

Aber ganz ehrlich gewisse Berufe sind halt bei einer solchen Neigung nicht mehr möglich. Ich lasse ja auch keinen Alkoholiker Somelier werden.

Lectrice
00
15.3.2010, 11:41

Katholische Lehre und Pädagogik ist nicht miteinander vereinbar. Hier ist ja nicht nur sexueller Missbrauch, sondern Machtmissbrauch auf sadistischste Weise auf allen Ebenen passiert.

Das ist systemimmanent kann in der flächendeckenden Weise nur durch so eine krankhafte von einem Altherrenverein zusammengeschwurbelte "Denkweise" entstehen.
Ganz abgesehen davon, dass das früher offensichtlich "normal" war hat der kath Einfluss glücklicherweise ziemlich abgenommen.

pia fraus
00
14.3.2010, 23:45

bei allem respekt und aller hochschätzung für josef haslinger: hexenjagd ist eine ganz verkehrte metapher in diesem kontext.

bellefleure
00
14.3.2010, 18:49
Endlich habe ich weniger Depressionen,

wenn ich lese, dass die Ombudsstellen nicht mehr mit Priestern besetzt werden.

Mag Filip
11
14.3.2010, 17:20
Hexenjagd?

warum denn eigentlich nicht... ?
Schräger Gedanke zwar, doch war es nicht die katholische Kirche, die Unschuldige - weil sie anders dachten etc.. - auf Scheiterhaufen vertbrannte?
Es ist an der Zeit diesen Sauhaufen der sich unter dem Deckmäntelchen des Zölibats und Scheinheiligkeit masslos daneben benimmt (ich müsste sonst ausfallend werden und dann würde die Zensur wieder drüberfahren...) auszuheben!!
... und seis mit einem Scheiterhaufen!

wakeup
16
14.3.2010, 15:29
Staatsmännisch?

Es mag verständlich sein, dass BP Fischer nicht gegen die Kirche auftreten will.
Aber das Krisenmanagement Schönborns zu loben geht meines Erachtens doch zu weit.
Was hat den Schönborn seit Groer gemanagt?
Fischers Lob scheint mir ebenso angepasst zu sein wie Schönborns Handlung Briefe durch den Türspalt zuzustellen, feige ist.
Es wäre besser, wenn Fischer geschwiegen hätte.

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