Alonso und Massa sorgen für Ferrari-Doppelsieg bei WM-Auftakt. Defekt wirft Vettel auf Platz vier zurück, Schumacher Sechster
Sakhir - Sebastian Vettel hatte fast alles unter Kontrolle auf der Formel-1-Piste des Königreichs Bahrain. Der Vizeweltmeister im Red Bull, der aus der Pole-Position in den ersten Grand Prix des Jahres gestartet war, dominierte das Rennen von Beginn an, hielt die Konkurrenz sicher auf Distanz. Doch in der 32. von 49 Runden war der Spaß für den 22-jährigen Deutschen auch schon vorbei. Eine Zündkerze (nicht wie zunächst angenommen ein Auspuffrohr) hatte gestreikt, Vettel
in der Schlussphase dramatisch an Leistung verloren.
"Ich hatte keinen Dampf mehr auf der Kette. Ich war machtlos. Ich konnte nur noch den Schaden begrenzen" , sollte Vettel nachher sagen. In der 34. Runde wurde er von Fernando Alonso überholt, eine Runde später schob sich dessen Kollege Felipe Massa vorbei, und in der 38. Runde besorgte sich Exweltmeister Lewis Hamilton im McLaren den dritten Platz auf dem Podium.
Insgesamt sieben Ausfälle und vor allem Vettels Rückfall auf den vierten Platz störten die ansonsten reibungslose Prozession auf dem 6,299 Kilometer langen Kurs. Abgesehen davon gab es nur unmittelbar nach dem Start Positionswechsel. Da schnappte sich Ferrari-Neuling Alonso den von Position zwei gestarteten Massa. Und da überholte Michael Schumacher mit seinem Mercedes den von Position sechs gestarteten Red-Bull-Piloten Mark Webber.
Da das Nachtanken heuer verboten ist, waren die Autos in der Anfangsphase, als sie mehr als 200 Liter Sprit mitschleppen mussten, um rund acht Sekunden langsamer als im Qualifying. Die schnellste Rennrunde schaffte Alsonso im 45. Umlauf - 1:58,287. Vettel kam im Training auf 1:54,101. Mit frischen Reifen allerdings.
Alonsos spezieller Tag
"Das ist ein ganz spezieller Tag" , sagte Alonso nach dem 22. GP-Sieg seiner Karriere. "Für dieses traditionsreiche Team zu gewinnen ist etwas Besonderes" , kommentierte der Spanier und widmete den Sieg allen Menschen in Italien, seinen Mechanikern und Ferrari-Präsident Luca die Montezemolo. Schließlich war der so klug, ihn, Alonso, der 2005 und 2006 im Renault gegen Michael Schumacher im Ferrari die WM gewonnen hatte, nach Maranello zu holen. "Die Erwartungen an einen Ferarri-Piloten sind immer hoch. Es ist das beste Team der Welt." Einen besseren Start der Zusammenarbeit hätte er sich nicht vorstellen können. Alonso siegte zum dritten Mal in Bahrain, die ersten beiden Triumphe gelangen in den weltmeisterlichen Jahren mit Renault.
Massas spezieller Dank
Felipe Massa machte den insgesamt 80. Doppelsieg für Ferrari perfekt, den ersten seit 22. Juni 2008 in Magny Cours. Damals hatte Massa vor Kimi Räikkönen gewonnen. "Ich danke Gott, dass ich hier sein darf" , sagte der Brasilianer, der sein Renncomeback nach der im Sommer vergangenen Jahres in Budapest erlittenen schweren Kopfverletzung gab.
Ein eher unauffälliges Comeback nach 1239 Tagen Schaffenspause gab der große Michael Schumacher. Schon in den Trainings kam der 41-Jährige an seinen 24-jährigen Teamkollegen und Landsmann Nico Rosberg nicht heran, und auch ins Rennziel raste er rund vier Sekunden hinter Rosberg. Die Kundigen trauen dem siebenfachen Weltmeister und 91-fachen GP-Sieger im Saisonverlauf natürlich noch eine Steigerung zu. "Ich habe Spaß gehabt, alles hat bestens funktioniert" , sagte Schumacher, der Kundigste von allen. "Ich habe schon früher zu Saisonbeginn so große Rückstände gehabt. Ich weiß aus Erfahrung, dass das alles noch zu machen ist. Es wäre verfrüht, jetzt schon zu sagen: Es geht nicht mehr. Es geht immer."
Konditionell habe er überhaupt keine Problem gehabt: "Es war relativ locker. Ich muss ehrlich gestehen, dass es für mich nicht besonders anstrengend war. Das liegt natürlich auch daran, dass die Reifen es nicht zulassen, schnell zu fahren. Wenn man sich die Rundenzeiten anschaut, fahren wir schon eine ganze Ecke langsamer, als wir es früher getan haben. Entsprechend weniger wird man beansprucht."
Und zum Rennverlauf nach dem Start, zur Prozession sagte Schumacher: "Danach war es ein bisschen die Odyssee, die man erwartet hat. In der ersten Runde gibt es einige Kämpfe, danach hört es irgendwo auf. Der eine Boxenstopp bringt nochmals ein bisschen Bewegung, aber danach fährt jeder hinter dem anderen her, weil man nicht überholen kann. Da hieß es nur noch, das Auto ohne Fehler nach Hause zu bringen." Nächster WM-Lauf: GP von Australien am 28. März. (bez, sid- DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.3. 2010)