Die Welt steht Kopf

14. März 2010, 13:02
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"Verkehrte Weltkarten" stiften zwar Verwirrung, eröffnen aber neue Perspektiven – wir verlosen fünf dieser ungewöhnlichen "Welt.Sichten"

Die Südsee im Zentrum und Europa scheinbar im fernen Südosten - dieser Blick lässt unsere landläufige Vorstellung der Regionen dieser Welt und ihrer Anordnung gehörig verschwimmen. Stellt man die Weltkarte auf den Kopf und rückt eine andere Region ins Zentrum der Darstellung scheinen Begriffe wie Osten und Westen mit einem Schlag ihre gesellschaftspolitische Bedeutung zu verlieren.

Europazentriertheit

Die Organisation Welthaus, ein Zusammenschluss mehrerer entwicklungspolitischer Institutionen in Österreich, setzt sich für eine nachhaltige und zukunftsfähige Gesellschaft sowie Menschenwürde und weltweite Gerechtigkeit ein. Mit der Produktion und dem Vertrieb der verkehrten Weltkarten möchte sie einen Beitrag dazu leisten, die hiesige Gesellschaft in ihrer selbstverständlichen Europazentriertheit aufzurütteln. Das "kollektive Weltbild" soll gesprengt werden.

Der Mittelpunkt der Welt

Eigentlich könnte jeder Ort das Zentrum auf einer Flächenabbildung der Erde sein. "Bei Weltkarten in Atlanten ist es üblich - abhängig von der Region des Zielpublikums - diese in den Mittelpunkt zu rücken. Auf Weltkarten aus Asien wird der Ferne Osten Russlands in der Mitte sein, bei Karten aus den USA die USA und bei Europa der Nullmeridian von Greenwich", so Wolfgang Kainz, Professor für Kartographie und Geoinformation an der Universität Wien.

Ostwärts orientiert

Aus persönlicher Sicht hält Kainz die verkehrte Darstellung für verwirrend, "da wir eher genordete Karten gewohnt sind." Außerdem sei eine "verkehrte" Darstellung nichts Neues. "Bereits im Mittelalter wurden so genannte TO-Karten (auch Radkarten genannt) erstellt, die geostet (nach Osten orientiert, also Osten 'oben') waren, mit Jerusalem im Mittelpunkt der Karte. Diese Darstellung ist wohl mit der Zentriertheit des Christentums auf Jerusalem zu erklären."

Kritischer Blick

Genau diese Verwirrung ist es aber, die die Macher der verkehrten Weltkarte erreichen wollen. Sie laden den Betrachter ein, neue Blickwinkel auszuprobieren und über das Gewohnte nachzudenken. Mit diesem Ausbruch aus den üblichen Darstellungsformen und dem kritischem Blick auf eine zunehmend globalisierte Welt und die damit verbundenen Ungleichheiten ist diese entrückte Ansicht der Länder dieser Erde zweifellos interessant und eindrucksvoll.

Neue Sichtweisen

"Unsere Weltsicht bestimmt unser tägliches Handeln", argumentiert Christian Köpf von Welthaus Graz. "Durch die veränderte Perspektive der Weltkarte ergeben sich vielleicht neue 'Welt.Sichten' auf herrschende Verhältnisse."
Im gesellschaftlichen sowie zwischenmenschlichen Umgang lohnt es sich auf jeden Fall, die oft als selbstverständlich angenommene zentrale Position seines eigenen Herkunftlandes einmal gründlich zu überdenken.

 

Karte Welt.Sichten
2. Auflage, Format: 119 x 84 cm (A0)
Bestellbar bei Welthaus Österreich

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Worldmapper

  • Artikelbild
    foto: welthaus
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