Bawag-Nachwehen

Justiz ermittelt gegen die Justizministerin

Michael Völker, 14. März 2010 17:14

Letztendlich landete die Anzeige von Helmut Elsners Anwälten bei der Staatsanwaltschaft Leoben. Die ermittelt jetzt gegen Claudia Bandion-Ortner und ihren Kabinettschef

Letztendlich landete die Anzeige von Helmut Elsners Anwälten bei der Staatsanwaltschaft Leoben. Die ermittelt jetzt gegen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und ihren Kabinettschef. Es geht um Amtsmissbrauch.

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Wien/Graz - "Alle Anzeigen müssen bearbeitet werden" , sagt die Sprecherin von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Und fügt hinzu: "Auch Minister werden angezeigt, immer wieder." Tatsächlich sind aus der jüngsten Zeit auch Anzeigen etwa gegen Verteidigungsminister Norbert Darabos wegen umstrittener Beschaffungsvorgänge oder gegen Gesundheitsminister Alois Stöger wegen des tödlichen Käses bekannt.

Gegen Bandion-Ortner wird wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs ermittelt - gerade für die Justizministerin eine unangenehme Angelegenheit, auch wenn sie bemüht ist, das als Routinevorgang herunterzuspielen. Auch gegen Bandion-Ortners Kabinettschef Georg Krakow laufen Ermittlungen. Die ermittelnde Behörde ist die Staatsanwaltschaft am Landesgericht im obersteirischen Leoben.

Die Erhebungen beruhen auf Bandion-Ortners früherer Tätigkeit als Richterin im Bawag-Prozess gegen Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner. Ihr jetziger Kabinettschef Krakow war damals der Ankläger.

Den Ermittlungen liegt offenbar eine Sachverhaltsdarstellung von Helmut Elsners Anwälten zugrunde. Elsner beklagte darin laut dem Nachrichtenmagazin Profil die Begleitumstände seiner Verhaftung, die angebliche Unterdrückung entlastender Beweismittel, die Behandlung von Investmentberater Wolfgang Flöttl vor und während des Prozesses, vor allem aber das Desinteresse von Ankläger und Richterin, den Verbleib des Bawag-Vermögens zu untersuchen.

Ursprünglich war die Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien gelandet, die trat das Verfahren aber ab - wegen Nichtzuständigkeit. Die Vorwürfe kommen aus der Zeit vor dem 1. Jänner 2008, da hat die Korruptionsstaatsanwaltschaft prinzipiell keinen Auftrag. Die Generalprokuratur des Justizministeriums musste schließlich eine andere Staatsanwaltschaft suchen - eine, die weder Bandion-Ortner noch Krakow persönlich kennt, um jeden Anschein einer Befangenheit zu vermeiden. Man landete schließlich in Leoben.

Die nunmehr zuständige Staatsanwältin Christina Jilek forderte Bandion-Ortner und Krakow bereits im Dezember auf, schriftliche Stellungnahmen zu den Vorwürfen abzugeben. Diese Stellungnahmen liegen bereits vor und würden nun bearbeitet werden, heißt es in Leoben. Aus dem Justizministerium ist zu hören, dass sowohl Bandion-Ortner als auch Krakow sämtliche Vorwürfe zurückweisen, im Übrigen kommentiere die Justizministerin den Fall Elsner nicht, auch nicht in eigener Sache.

Dass von der Staatsanwaltschaft Druck ausgeübt werden musste, um die Stellungnahmen zu bekommen, wird sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch vom Ministerium zurückgewiesen. Bandion-Ortner und Krakow werden sich aber noch länger Fragen zu der Angelegenheit gefallen lassen müssen, die Mühlen der Justiz mahlen hier recht langsam: Ein Sprecher der Leobner Staatsanwaltschaft rechnet mit einer Entscheidung erst im Herbst.


Drei Jahre im Gefängnis


Helmut Elsner sitzt bereits seit drei Jahren im Gefängnis. Im Juli 2008 war er wegen Untreue, schweren Betrugs und Bilanzfälschung zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden, das Urteil ist aber nicht rechtskräftig. Seine zahlreichen Enthaftungsanträge sind bisher stets wegen Fluchtgefahr abgelehnt worden.

Rechtskräftig ist dagegen ein Urteil zu zweieinhalb Jahren Haft, die Elsner mittlerweile auch abgesessen hat. Im Dezember 2009 war er wegen Untreue verurteilt worden, es ging um 561.000 Euro zur Bestreitung offener Prozesskosten, die Elsner dem früheren Konsum-Chef Hermann Gerharter im Plastiksackerl überreicht hatte. (Michael Völker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.03.2010)

Kommentar posten
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hugo stronach
15.03.2010 14:35
alles egal....!

bei dieser Sache ist mir alles Wurscht, ich bete aber jeden Tag zum Herrgott ich möge nie neben einer solchen Frau aufwachen!

Dilbert
15.03.2010 10:24

Bandion-Ortner schaut schlecht aus.

immofuchs
18.03.2010 12:25
Stimmt, aber noch immer viel zu gut.

Wenn die Hälfte der Vorwürfe stimmt, und bewiesen werden kann, mag ich nicht tauschen.

unfriend
15.03.2010 11:26
die Brille machts

Dilbert
15.03.2010 12:49

Ich glaube eher, sie ist dem Amt nicht gewachsen.

unfriend
15.03.2010 13:14
Dilbertsches Gesetz

Ist es nicht gerade das auf Ihren Namen referenzierte Gesetz: "Unfähige Mitarbeiter werden so weit nach oben befördert, bis sie keinen Schaden mehr anrichten können." - der die Position von Frau B.O. bestätigt?

angelo6
15.03.2010 09:41
die Justiz ist auf einem Auge blind, Bandion-Ortner sieht auf beiden schlecht!

Zivilgeselle
15.03.2010 09:27
Absurdistan

Es ist absurd, dass die berichtspflichtigen Beamten in Leoben den Fall vorantreiben sollen.

Damit wird aber auch klar, wie sinnlos es ist jeden anderen hochrangigen Politiker "kontrollieren" zu lassen.

Die Staatsanwälte und Beamten sind abhängig. Sogar dem Kremser Richter gereichte seine Verfolgung von niederösterreichischer Baukorruption zum Nachteil.

Österreichische Korruption kann man nur vom Ausland aus bekämpfen.

johannes mayer1
14.03.2010 22:31
Karl Heinz Grasser wird bereits als Nachfolger von der ÖVP gehandelt,

falls Bandion-Ortner zurücktritt. Der KHG ist mit einem bescheidenen Gehalt zufrieden, sofern alle Verfahren gegen ihn sofort eingestellt werden ...

Karli Valentino
15.03.2010 12:21
wieso soll Grasser Nachfolger der ÖVP werden?

wie meinen Sie das genau?

hui buh
16.03.2010 22:37
Den Humor wohl auch mit dem Schöpflöffel gefressen, was?? ;o))

unfriend
15.03.2010 13:16
KHG

.. ich bin mir sicher, das KHG - evtl. mit Unterstützung von Viola - locker mit der gesamten Leistungsfähigkeit und Intelligenz der ÖVP vergleichbar wäre.

KristallpalastMittelEbeneBewohner1
 
14.03.2010 21:51
aster1
14.03.2010 22:51

Und es mache nun einmal einen erheblichen Unterschied, ob das Bawag-Vermögen nur verloren oder schlicht gestohlen worden sei.

wwelv folig
14.03.2010 21:20
ein sehr interessantes Interview

http://video.google.at/videoplay... ert&hl=de#

dddd27
14.03.2010 20:36
was machen eigentlich die herren

5 Jahre für Johann Zwettler, (davon 5 Jahre Gefängnis)
4 Jahre für Peter Nakowitz, (davon 4 Jahre Gefängnis)
3,5 Jahre für Hubert Kreuch, (davon 3,5 Jahre Gefängnis)
3,5 Jahre für Josef Schwarzecker, (davon 3,5 Jahre Gefängnis)
2,5 Jahre für Wolfgang Flöttl (davon 10 Monate Gefängnis)
2,5 Jahre für Günther Weninger (davon 6 Monate Gefängnis)
3 Jahre für Wirtschaftsprüfer Robert Reiter (davon 1 Jahr Gefängnis),
1,5 Jahre für Christian Büttner und 36.000 Euro (kein Gefängnis).

dddd27
14.03.2010 20:16
Sitzt einer von denen

5 Jahre für Johann Zwettler, (davon 5 Jahre Gefängnis)
4 Jahre für Peter Nakowitz, (davon 4 Jahre Gefängnis)
3,5 Jahre für Hubert Kreuch, (davon 3,5 Jahre Gefängnis)
3,5 Jahre für Josef Schwarzecker, (davon 3,5 Jahre Gefängnis)
2,5 Jahre für Wolfgang Flöttl (davon 10 Monate Gefängnis)
2,5 Jahre für Günther Weninger (davon 6 Monate Gefängnis)
3 Jahre für Wirtschaftsprüfer Robert Reiter (davon 1 Jahr Gefängnis),
1,5 Jahre für Christian Büttner und 36.000 Euro (kein Gefängnis).
http://www.wien-konkret.at/wirtschaf... psk-krise/

gistof
14.03.2010 22:38
Nein tun sie nicht

Sie warten auf die Berufungsverhandlung. Im Unterschied zu Herrn Elsner sind sie nämlich immer zu den Einvernahmen der Staatsanwaltschaft erschienen und haben nicht "Hasch mich" in südfranzösischen Villen gespielt. Wäre Herr Elsner ein bisschen besser beraten gewesen, hätte er auf dieses Trottelspiel verzichtet und würde noch immer mit dem Hundsi am Graben spazieren gehen und beim Golf bescheißen.

LCD
14.03.2010 23:21

Die genannten Herren hatten keine gesundheitlichen Leiden die einen Transport nach Österreich ausgeschlossen haben, oder waren bereits da.

mattk
15.03.2010 08:24
Reisen

Auch Herrn E's Gesundheitszustand liess die Reise (freiwillig) von Wien nach Nizza offenbar problemlos zu und hat auch die Reise von Nizza nach Wien (unfreiwillig) offensichtlich überlebt.

"Gistof" hat schon recht.

gistof
14.03.2010 23:26
Aja

Herr Elsner war ja vollkommen transportunfähig, er ist ja auf dem Flug nach Wien fast gestorben.

Besondere Kennzeichen: keine
15.03.2010 08:47


Ja, aber nur weil er sich so geärgert hat.

farbrauschen
14.03.2010 19:01


soso.
leoben also.
als würd das auch nur irgend etwas nützen.

und wie lang in etwa muss die sache jetzt zwischen verschiedenen bundesländern hin-und hergeschoben werden,
bis endlich verjährungsfristen greifen?

wwelv folig
14.03.2010 18:03
ich finde sowieso das alle minister posten vom volke gewählt werden sollte wie bei dem bundespräsidenten...

so kann das volk entscheiden welche Veräter uns vertreten sollen, was dazu führt, das keine freundalwirtschaft mehr, in so großen stil betrieben werden kann. ( da wir dann gezielt menschen uns wählen können bei 6000 unterschriften, die keine empfehlungen von seitens politik haben) und somit möglicherweise wirklich das Volk vertreten, anstatt verraten, wird.

Wie findet ihr das?

Rot-nein
Grün-ja

Nomen est Omen
15.03.2010 09:01
lernens Verfassungsrecht!

Sie haben anscheinend nicht verstanden wie ein parlamentarisches System der Repräsentativen Demokratie funktioniert. Jeglicher Staatsakteur ist dem Parlament untergeordnet (bis auf den Bpräs) und es besteht ein System aus Checks & Balances zwischen der vom Parlament gewählten Regierung und dem Nationalrat mit seinen Hilfsorganen.

Eine Direktwahl von BM's würde da genau gar nichts bringen und imho sogar negative Auswirkungen auf die Gewaltenteilung / Kontrolle haben weil eine neue Legitimationsebene über dem Parlament eingezogen wird.

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