Austritte

Gläubige flüchten

12. März 2010, 19:56
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    foto: apa/barbara gindl

    Auch Sängerknaben wurden Opfer von Misshandlungen

In einigen Bundesländern gibt es bereits erste Anzeichen für eine neue Welle an Kirchenaustritten

Georg Plank sitzt im Brennpunkt. Hier in der Chefetage der Kommunikationsstelle der Diözese Graz-Seckau laufen seit Tagen die Meldungen zusammen, hier wird das Ausmaß des systemimmanenten Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche einigermaßen ermessbar. Mit ersten Konsequenzen: Eine bereits einsetzende Austrittswelle dürfte das Ausmaß der Kirchenflucht vom März letzten Jahres nach der Affäre um den designierten Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner bei weitem übertreffen, befürchtet man auch hier in der steirischen Diözese.

Kommunikationschef Plank im Gespräch mit dem Standard: "Wir spüren derzeit einen deutlichen Anstieg." Ähnliches wurde in den letzten Tagen auch in anderen Bundesländern registriert. Laut Salzburger Nachrichten gebe es etwa "massenhafte Austritte" in Teilen Tirols und in Bregenz.

Im Frühjahr 2009 kehrten allein in der Steiermark mehr als tausend Katholiken innerhalb eines Monats ihrer Kirche den Rücken.

Sieben Missbrauchsfälle sind hier in der Grazer Diözese seit 1996 klar dokumentiert, aber bei allem demonstrativen Bekenntnis zu einer neuen Offenheit tut sich auch diese Kirchenstelle nach wie vor leichter, darüber zu schweigen denn zu reden. Sie gibt keine detaillierte Auskunft über die Missbrauchsfälle, nichts über die Opfer, nichts über die Täter. Waren es prominente kirchliche Internate oder Landpfarrer? Die Wahrheit kommt auf anderen Wegen ans Tageslicht und in Medien.

Täglich melden sich neue Opfer sexueller Übergriffe zu Wort: Zuletzt in Salzburg, in der Steiermark, in Vorarlberg, Tirol und auch in Südtirol, die dort das Heim von Kloster Neustift bei Brixen betreffen. Nach Angaben eines Betroffenen sollen Kinder in den 1950er- und 1960er-Jahren missbraucht worden sein. Die Presse wiederum dokumentierte den Fall eines heute 64 Jahre alten Missbrauchsopfers aus dem katholischen Internat im Zisterzienserstift Wilhering (OÖ). Der Mann hatte Peinigungen und sexuelle Gewalt erdulden müssen: "Es war die Hölle auf Erden."

Kardinal Christoph Schönborn hält angesichts der Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Selbstmitleid für "unangebracht". Auch wenn es schmerzlich sei, müssten die Mitglieder der Kirche in diesen Tagen "Anfeindungen aushalten", sagte Schönborn am Freitag in Wien. Das Thema Missbrauch sei "auch ein gesellschaftliches Problem, nicht nur ein kirchliches".

"Wir müssen das dunkle Kapitel aufarbeiten, Opfer haben ein Recht auf Entschuldigung und kompromisslose Aufklärung", sagt Anselm van der Linde, seit einem Jahr Abt im Vorarlberger Zisterzienserkloster Wettingen-Mehrerau. Der junge Geistliche muss die Fehler seiner Vorgänger ausbaden. 13 Missbrauchsfälle durch Geistliche soll es zwischen den 1960er-Jahren und 2001 am renommierten Bregenzer Bubeninternat gegeben haben. Einen wegen pädophiler Übergriffe ins Kloster Mehrerau strafversetzten Pater setzte man in den 1960ern dort bei Erstklässlern ein. "Ein Riesenfehler", sagte van der Linde am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Generalvikar Benno Elbs. Ein weiterer Pater, der in den 1980er-Jahren Buben missbrauchte, wurde nach Tirol versetzt, aber nie angezeigt.

Erste Konsequenzen

Um künftige Übergriffe zu vermeiden, wird in Mehrerau ein Verhaltenskodex ausgearbeitet, der für Patres, Lehrer, Mitarbeiter und Schüler bindend sein wird. Psychologische Eignungstests vor dem Klostereintritt werden verpflichtend. Die Kirche müsse sich dem Thema Sexualität stellen.Der bisherige Umgang mit der Thematik könnte dazu geführt haben, dass sich Menschen mit pädophilen Neigungen "in der Kirche verstecken, weil sie wissen, dass man hier nicht über Sex redet".

Die Missbrauchsdebatte in der Kirche hat nun auch die Politik erreicht. Nach der SPÖ kann sich auch ÖVP-Chef Josef Pröll schärfere Regelungen wie eine Anzeigepflicht fürs Seelsorger und Kirchenmitarbeiter vorstellen. FPÖ und BZÖ wollen noch rigoroser vorgehen. FP-Chef Heinz-Christian Strache sprach von "medizinischer Kastration", das BZÖ forderte eine Streichung der Verjährungsfristen. (Jutta Berger/Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 13./14. März 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 173
1 2 3 4
verteilerkreis
01
16.3.2010, 11:10
man sollte sich über die Austrittswelle nicht zu früh freuen:

wenn nämlich die BeitragszahlerInnen ausbleiben werden, dann werden die klerikalen Kosten um so stärker auf die Nichtmitglieder übergewälzt (das Konkordat verschlingt schon jetzt Unsummen von Steuergeldern bzw. Naturalleistungen von Seiten des Staates)

koliboli
01
16.3.2010, 10:28
Weltfremde

An diesen furchtbaren Beispielen sieht man wie gefährlich eine solch weltfremde Haltung ist und was dabei rauskommt. Man kann das Thema Sexualität nicht völlig unter den Tisch kehren, das gehört eben auch zum Menschsein, das sollte die katholische Kirche endlich akzeptieren. Es wird Zeit für grosse Reformen, aber ich muss gestehen dass ich kaum Hoffnung habe,dass es die katholische Kirche schaffen wird, hier läuft vieles ganz ganz falsch. Deswegen steht mein Austritt aus der Kirche schon fest.

haarspalter
01
16.3.2010, 10:12

der letzte dreht das licht ab.

blackbeauty3
80
15.3.2010, 21:12

Ich habe selten so viel Müll gelesen. Die Kirche ist und war das Zentrum unseres Glaubens und unseres "Heim " kommens.

haarspalter
01
16.3.2010, 10:12

danke, der war gut!

Angelika70
05
16.3.2010, 08:23

Sie beleidigen die Hundertausenden, wahrscheinlich Millionen Opfer, die dieser Verein gefordert hat.

misfits74
 
13
15.3.2010, 16:04
nicht aus der kirche austreten

sonder

IN der Kirche austreten. aaaameeeeeeen und vergeltsgott :)

Toxo Logic
 
05
15.3.2010, 09:45

Opfer haben nicht nur ein Recht auf Entschuldigung und kompromisslose Aufklärung sondern auch Recht auf Entschädigung. Ich habe vom scheinheiligen Schönborn noch nichts gehört, dass die Opfer großzügig finanziell entschädigt werden, auch wenn die Straftaten verjährt sind.

goiserer97
00
16.3.2010, 11:15
Und was glaubst...

wieviele dann den Opfern um die Entschädigung neidig wären.

viola merda
20
15.3.2010, 00:14
Vielleicht sollten sie..

ab jetzt Schwangerknaben heißen.

xy
03
14.3.2010, 23:04

hmm irgendwie... wer ist jetzt dann eigentlich noch bei den katholen? die wievielte austrittswelle is des denn jetzt schon? irgendwann müssten dem kult doch auch mal die schäfchen ausgehen oder?

Angelika70
016
14.3.2010, 23:33

Nicht solange irre Eltern ihr wehrlosen Neugeborenen in diesem Verein anmelden, weil sie "a schlechte Nachred" in ihrem Dorf oder Stress mit den kerzerlschluckenden Verwandten fürchten.

zhang sanfeng
06
15.3.2010, 12:11
ich bin unlängst als ungläubiger aus der kirche geflüchtet

taufe, steirisches hinterland.
die predigt begann mit einem lob der eltern, christliche kinder in die welt zu setzen. wo "wir" doch neue christen brauchen, um gegen die moslems zu bestehen. die ja viel schlechter sind als "wir". weil sie ihre mitglieder zum beispiel auch mit zwang rekrutieren...

an der stelle habe ich dann den tempel verlassen.
- ich glaube nicht unbedingt, dass die eltern der wehrlosen neugeborenen irr sind. der stress, den die kerzerlschlucker verursachen können ist tatsächlich zum fürchten.

s'Andale
01
16.3.2010, 10:50
taufe...

ging mir ähnlich bei der letzten (übrigens ganz sicher auch die letzte bei der ich anwesend war) taufe in der verwandtschaft (salzburg-land): die eltern mussten "dem satan und seinen teuflischen verlockungen" entsagen, und das im jahr 2008...

bin selbst schon lange ausgetreten und werde meinen kindern soetwas ganz sicher ersparen, egal "was da die nachbarn sagen" ...

Conrad Meyer
30
15.3.2010, 19:25
Märchenerzähler.

zhang sanfeng
00
16.3.2010, 10:13
name und anschrift des hasspredigers

sowie zeit und ort der predigt sind bekannt, es gibt dutzende zeugen.

das problem dabei ist: die zeugen sind alle artig sitzen geblieben und haben zur hasspredigt noch fromme nasenlöcher gemacht.
kein wunder - wenn sie sich in dieser gemeinde gegen den pfarrer stellen, bekommen sie dort nie wieder einen fuss auf den boden. ich kann also schlecht gegen den pfarrer vorgehen, ohne meine verwandten zu gefährden. und um genau diese art sozialer sanktion ging es.

falls sie so etwas für surreal halten: bin ich bei ihnen, ich hab auch zuerst gedacht, dass ich im falschen film bin.
falls es ihnen darum ging, kritiker der heiligen mutter kirche zu diskreditieren: sie haben vergessen, mich zum täter zu stilisieren.

zhang sanfeng
02
15.3.2010, 20:18

sprechen sie mir nur einfach so die glaubwürdigkeit ab, oder könnten sie ihr argument auch noch irgendwie ausführen?

NegR h.c.
01
14.3.2010, 22:02

Und allen, die noch unsicher sind:

http://derstandard.at/126840277... e-Teuferln

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
32
14.3.2010, 20:49
FP-Chef Heinz-Christian Strache sprach von "medizinischer Kastration"

"Medizinisch Kastration" würde auch dem lieben Herrn Strache gut tun und ihn ein wenig sanftmütiger und die Welt gelassener sehen machen. Wirkstoff: Cyproteron, wen´s interessiert.

Adyingwish
07
14.3.2010, 13:48

www.laizismus.at

Unterschreiben Jetzt !

Christoph Baumgarten
04
14.3.2010, 14:05
Und wer sich aktiv engagieren möchte:

http://www.freidenkerbund.at

Bernout
 
11
14.3.2010, 18:30

Haben die etwas mit den deutschen Freidenkern zu tun? Bei denen habe ich nämlich jämmerliche Positionen gelesen.

( http://www.freidenker.org/cms/dfv/i... &Itemid=27 )

blackbeauty3
30
15.3.2010, 21:15

Vergiss es das sind Menschen die sich "links" bezeichnen und den wahren Weg verloren haben.

haarspalter
01
16.3.2010, 10:14

es gibt den wahren weg?

cool. wo genau?

Christoph Baumgarten
00
14.3.2010, 14:05
Kann ich nur unterschreiben

Die Aufforderung. Die Petition nimmer, ist schon lange passiert ;-)

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