Roter Tunfisch soll auf Rote Liste gesetzt werden

12. März 2010, 19:36

Sushi-Liebhaber wissen, dass der Rote Tunfisch besonders schmackhaft ist: Da die Spezies vom Aussterben bedroht ist, soll der Handel damit verboten werden

Doha - Der Rote Tunfisch ist vom Aussterben bedroht. Studien belegen, dass nur noch zehn bis 15 Prozent der ursprünglichen Bestände des "Thunnus thynnus" den Nordatlantik und das Mittelmeer bevölkern. Deshalb könnte die Spezies jetzt in die Washingtoner Konvention zum Artenschutz aufgenommen werden. Mit Tieren und Pflanzen, die dort angeführt sind, darf international nicht gehandelt werden. Die Artenschutzkonferenz in Doha in Qatar wird ab heute, Samstag, über die Zukunft des wegen der Farbe seines Fleisches "Roter Tunfisch" genannten "Blue Fin"-Tunfischs entscheiden.

"Nur ein schnelles Handelsverbot kann die Art retten", mahnt Jorge Sáez, Sprecher der spanischen Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción. Er verweist auf Zahlen der Internationalen Kommission zum Schutz des Tunfisches (ICCAT). Die Organisation ist für die Bestandsaufnahme zuständig und handelt mit den Mitgliedsländern Fangquoten aus. Neben Frankreich mit seiner Fangflotte von 37 Schiffen gehören Spanien, Italien, Zypern, Griechenland und Malta zu den Fangnationen.

Laut ICCAT sind bereits 85 bis 90 Prozent der Bestände des "Blue Fin" ausgerottet. Denn im letzten Jahrzehnt wurde die Spezies völlig überfischt. 2006 lag die internationale Quote bei 32.000 Tonnen. Tatsächlich gefangen wurde das Doppelte. Denn die Versuchung zum illegalen Fischen ist groß: Ein einziges Exemplar des Roten Tunfisches bringt auf den Märkten des Hauptabnehmerlandes Japan bis zu 100.000 Dollar. Der delikate Fisch wird zu Sushistückchen verarbeitet.

Höchstpreise

Bei diesen Preisen zahlt es sich aus, selbst einzelne Exemplare zu orten und tagelang zu verfolgen. Im Internet sind Tipps zu finden, wie auch Amateure ihr Glück versuchen können. Mittlerweile dürfen jährlich nur noch 14.000 Tonnen gefangen werden. Acht Jahre zu spät, meinen Umweltschützer. Denn schon damals mahnten Wissenschafter eine Quote von höchstens 15.000 Tonnen ein.

Die Umweltschützer sind sich sicher, dass ein Handelsverbot mehr nützt als Quoten - schließlich hat keines der Länder am Nordatlantik oder am Mittelmeer einen nennenswerten Binnenmarkt für Roten Tunfisch.

Die Europäische Kommission erwirkte nun erstmals eine Zusage der Mitgliedsstaaten, in Qatar für den Schutz des Tunfisches einzutreten. Umweltschützern geht die EU allerdings nicht weit genug. "Die EU-Staaten haben sich zu einem Minimalkonsens durchgerungen", klagt Heike Vesper, Fischerei-Expertin des WWF. Auf Druck der Fischereilobby wolle Brüssel den Stopp bis 2011 aufschieben. "Ein Handelsverbot muss ohne weitere Einschränkungen bereits für diese Fangsaison wirksam werden", fordert Vesper.

Während auch die USA ein Handelsverbot unterstützen, versucht Japan Länder zu finden, die den Schutz des Roten Tunfisches verhindern. "Die Washingtoner Konvention schützt bedrohte Arten, um deren Aussterben zu verhindern. Wir glauben nicht, dass der Rote Tunfisch dazugehört", erklärte jüngst Regierungssprecher Hirofumi Hirano. (Rainer Wandler/DER STANDARD, Printausgabe, 13./14. März 2010)

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Posting 1 bis 25 von 62
1 2
Japan
00
20.3.2010, 09:19
Thunfich und Baer

Man soll wissen, dass Japaner auch wirklich gut versteht, Thunfich schuetzen zu muessen, damit man weiter essen kann. Und es ist auch leider ganz sicher, dass Japaner bei weitem besser als Europaeer Fisch verstehen und in der Tat mit Fisch ueber 2000 Jahre zusammen gelebt haben. Ich glaube, dass ein Oesterreicher, der z.B. in den Supermarkte in Wien nur wenige Meerfisch essen darf, im voraus ueber Fisch noch mehr wissen soll.
Oesterreicher soll auch wissen, dass Japaner wissen, dass man in Oesterreich Baeren im Freien schon ausgerottet hatte. In Japan gibt es jetzt noch vielen Baeren, weil man weiss, wie man mit Tiren umgehen soll.

triplehead2go
00
17.3.2010, 13:08

das foto zum artikel ist zwar toll, aber in einem zuchtnetz geschossen. auch grauenhaft eigentlich.

parapente
10
15.3.2010, 11:16
Fangverbot??


Schwieriger zu kontrollieren als die seinerzeitige Prohibition in den USA.

DieFizinuss
40
14.3.2010, 12:52

viel sinnvoller als quoten und verbote ist die aufklärung der bevölkerung.
wenn endlich auch der letzte japaner und/oder chinese begriffen hat, dass walfang/definfang problematisch ist, dass viele fischarten kurz vor dem aus sind und dass shark-finnig äußerst brutal ist und die flossen noch dazu keinerlei medizinische wirkung haben wird die nachfrage einbrechen und kein fischer wird sich mehr die mühe machen die tiere an land zu ziehen.

flaute
03
15.3.2010, 20:07

schon mal probiert den österreichern das schnitzel auszureden?

ausschliesslich bei der bevölkerung anzusetzen, ist wie ein kampf gegen windmühlen.

grossflächige politische regelungen sind global die einzig wirksame massnahme. der piratenfischerei dann entgegenzuwirken ist wieder eine andere geschichte, aber eine internationale politische massnahme ist auf jeden fall eine voraussetzung dafür, dass der tunfisch geschützt werden kann.

selbe geschichte beim klimawandel: ohne international verbindliches abkommen kannst du den leuten noch so oft einreden, sie sollen energiesparen und fahrradfahren und was nicht alles, es wird das problem nicht lösen können.

t-bonesteak
10
14.3.2010, 19:35
ihre arroganz ist schon bemerkenswert

triplehead2go
10
17.3.2010, 12:54

das ist nicht arroganz, das ist die pure wahrheit!

monoton
00
14.3.2010, 18:44

herrlich naiv? in ländern in denen lebendig zubereiteter fisch, und das fleich von geqälten hunden als delikatesse gilt, die nashörner und tiger ausrotten, damit sich die männer eine gesteigerte potenz einbilden können, denen werden ein paar fische vollkommen egal sein.
auch bei uns hilft der status als gefährdete tierart nicht, die wwf bären haben irgendwelche lustmörder abgeknallt um sich daran aufzugeilen...

caranx
01
14.3.2010, 17:51
"wenn endlich auch der letzte chinese begriffen hat"

Red mal mit Google über ihre Erfahrungen in China.

Wildlachs
01
14.3.2010, 17:34
Idealist!

Fressen solang noch was da ist und hinter uns die Sintflut, so schaut´s aus!

readymate
20
14.3.2010, 11:39
Wollt ihr den "Tun"-Fisch nicht lassen...?!



.

yotix
 
05
14.3.2010, 10:17

Die Fischfangindustrie weltweit gleicht einer Vielzahl staatlich geförderter Mafias. Da aufgrund der Überfischung bereits weltweit Fischknappheiten herrschen, ziehen die Fabriksflotten weiter und fallen wie Heuschreckenschwärme in fremdes Territorium ein, wo sie dann systematisch alles leer stehlen; Kanada etwa musste wiederholt mit der Küstenwache spanische (!) Fischer vertreiben.

Wer Tiefkühlfisch isst, unterstützt IMO Kriminelle.

triplehead2go
00
17.3.2010, 12:57
nachhaltige fischerei...

ja, aber ist das MSC-Siegel oder follow-fish denn nicht glaubwürdig?? bisher war ich in dem glauben und habe nur diesen tk-fisch gekauft? auch ein schmäh das alles??

readymate
10
13.3.2010, 23:34
Könnt ihr den "Tun"-Fisch nicht lassen...?!


.

kapitän nemo
01
13.3.2010, 21:06
letzlich eine folge der überbevölkerung...und des erhöhten wohlstands ,der zu mehr fleisch-und fischkonsum führt

vor 200 jahren hatte japan nicht einmal 1/10 der heutigen bevölkerung

da war das fischen noch kein problem.
aber heutemüssen die japanerlernen,dass sie ihre essgewohnheiten ändern müssen.
leider gilt das nicht nur für japan

in 20 jahrne wird die weltbevölkerung nicht mehr ernährt werden können.
und es wird zur ausrottung anderer arten und vollkommenen raubbau an der natur kommen.
und in weiterer folge verhungernde und krieg um nahrung und trinkwasser.

unsere einzige chance:
drastischer geburtenrückgang, reduktion des fleisch- und fischkonsums auf 10% des heutigen anteils, und weniger energie und ressourcenverbrauch

gerry s
016
13.3.2010, 18:51
leider ist der arme Thun kein einzelfall

der thun wird (hoffentlich) eine chance bekommen, ebenso wie die wale um einiges besser geschützt sind als vor einem jahrzent, weil diese beiden tiere in der bevölkerung als liebenswert angesehen werden.

viel schwerer haben es da leider die haie! abgestempelt als bestie und schrecklich gefährlich (dank steven spielberg films "der weisse hai").
alleine durchs finning (abschneiden der flossen und qualvolle verenden lassen des hais) werden rund 70 millionen haie pro jahr getötet! ein illigales milliardengeschäft und es sind schon 90% der haie ausgerottet und es wird so weitergehen, denn es gibt keine gruppen die haie schützen wollen... :-(
tolle infos auf www.sharkwater.com

ps. ich war gerade heute mit riff haien tauchen und lebe noch ;-)

caranx
01
14.3.2010, 07:03
Wo bist tauchen?

Es ist unrealistisch, an die Rettung des Thuns zu glauben.

Haie haben in Ländern wie Australien und den USA eine Chance, weil zumindest einige Arten in Küstennähe d.h. Hoheitsgewässern leben und so geschützt werden können. Bei pelagischen Arten wie dem Thun geht nichts.

Mit den Maledivenhaien (und Schildkröten) ists wohl auch zu Ende. Vor 2 Wo wurde zwar ein Fangverbot erlassen, ausdrücklich jedoch kein Exportverbot.

PS: Habe bei der deutschsprachigen Tauchpresse und tauchernet auf eine mail-protestaktion gedrängt, weil man noch hätte was drehen können: Null, nada, zero.
Der PADI Aware - Mensch aus London hatte geantwortet, sorry, man könne sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen.
So siehts aus.

triplehead2go
00
17.3.2010, 12:59
das ist unglaublich traurig...

ich unterstütze trotzdem dinge wie project shark u.ä. soweit ich kann. besser als gar nix tun.

Deus Ex Coquina
04
13.3.2010, 16:50

Dann eben Babyrobbensashimi!

sweetmaker
 
01
13.3.2010, 16:19
seit 01.01.10 gibt es einen "fishing ban" für blue-fin-tuna im westl. und zentralen pazifik

durchgesetzt von der Western and Central Pacific Fisheries Commission
http://www.wcpfc.int/
japan ist hier auch mitglied, also nicht nur "böse"...

allerdings weiss ich noch nicht so recht bescheid wie stark diese institution wirklich ist und/oder wie wirkungsvoll dieser beschluss ist. über diesbezügliche infos hier wär ich glücklich!

greenling
06
13.3.2010, 11:28
das liegt ja wohl nicht allein an japan

vor allem nicht im nordatlantik und mittelmeer,
japaner sind sicher das fischunfreundlichste land der welt, aber dass die meere so überfischt sind, liegt ja auch daran, dass immer mehr länder den lebensstil von den japanern übernehmen und es in EU und USA ja total in ist, fisch zu essen!

triplehead2go
00
17.3.2010, 13:01

der rote thun wird angeblich zu 80% nach japan exportiert. stimmt diese zahl sagt das doch alles...

yotix
 
01
14.3.2010, 10:20

Österreicher könnten Karpfen, Forellen, Dutzende andere Speisefische essen.

Was essen wir stattdessen? Meeresfisch, in gigantischen schwimmenden Fischfabriken geerntet und tiefgekühlt, aus Indien oder dem Eismeer und so weiter.

Dass die gesamte westliche Welt der kriminellen Fischindustrie ihre Ware abkauft, die Verbrechen ihrer Fischer aber als Bagatelldelikte abtut, ist IMO das Hauptproblem

triplehead2go
00
17.3.2010, 13:05
werbund und "ernährungswissenschafter"

ja, aber was trichtert uns die werbung mit ihrem "omega-3-schmäh" ein? kauft fischstäbchen....kauft kabeljau etc.

auch die ernährungswissenschafter interessieren sich nicht für den artenschutz und empfehlen einfach nur "esst vieeeel fisch".

dem gemeinen österreicher wird nicht erzählt dass süßwasserfische (iihh die haben böse gräten, ich weiß) genaus so gesund sind.

hauptsache tiefgekühlte (panierte) grätenfreie rechteckige stücke von fast ausgestorbenen fischarten...die sind ja sooo schnell und einfach zubereitet :-(( und sooo gesund!

Redwraithvienna
13
13.3.2010, 11:36
fisch zu essen war schon lange vor sushi

in europa ganz "in". Schon mal an den Kabeljau gedacht ? Den findet du beim japaner eher nicht auf der speisekarte und dennoch gibt es ihn kaum noch, da die europäer ihn für den binnenmarkt überfischt haben.

gleiches gilt für den donaustör der ja mehr oder weniger ausgerottet wurde ...

gut der rote thunfisch hat mit japan zu tun ... aber zu sagen die japaner / der japanische lebensstil ist der hauptschuldige an der überfischung der meere ist schlicht falsch.

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