In 568 niederösterreichischen Gemeinden wird gewählt – Erstmals schon ab 16
St.Pölten - "Die Jungen haben noch Revolutionsgeist" , ist Andreas Beer, der 25-jährige SPÖ-Jungkandidat der Gemeinde Gmünd im Waldviertel und Landesvorsitzende der Sozialistischen Jugend Niederösterreichs, überzeugt: "Es ist ein Mythos, dass Jugendliche politikverdrossen sind." So unterschiedlich die Jugendkandidaten der Parteien für die niederösterreichischen Gemeinderatswahlen auch sind: In diesem einen Punkt sind sie sich einig.
der Standard sprach mit vier Nachwuchspolitikern, die nach den Wahlen diesen Sonntag auf ein Ticket für den Gemeinderat hoffen.
"Politik ist altersunabhängig" , glaubt die 25-jährige Sabrina Rotter, Spitzenkandidatin der Grünen in Laab im Walde im Wienerwald. Neben Studium und Job ist sie derzeit von Montag bis Sonntag ständig unterwegs. Sie will sich vor allem dafür einsetzen, dass mehr Platz für Jugendliche geschaffen wird. "In vielen Gemeinden gibt es keinen Wohnraum für junge Menschen. Wir wollen, dass sie im Ort bleiben können."
Leistbare Wohnmöglichkeiten sowie der Bau und die Erhaltung von Veranstaltungszentren sind auch für den 20-jährigen Dominik Paireder unbedingt notwendig. Der FPÖ-Spitzenkandidat der Gemeinde Matzleinsdorf-Zelking (Bezirk Melk) sieht sich als Sprachrohr für die jungen Bewohner seiner Gemeinde. "Die Jugend wurde von den beiden Systemparteien in den letzten Jahren einfach vergessen. Erst seit der Senkung des Wahlalters biedern sie sich den Jungen wieder an."
ÖVP-Kandidat Alexander Petznek kann solche Seitenhiebe längst parieren - mit 24 ist er seit 2005 der jüngste Gemeinderat Niederösterreichs in Bruck an der Leitha. "Primitive Anbiederung an die Jungen" ist für ihn Wahlwerbung in Diskotheken. Trotzdem ist er sicher, dass auch seine Partei viel mehr mit Jungwählern kommunizieren muss. "Viele Altpolitiker glauben, man setzt den Jugendlichen etwas vor, und die Sache ist erledigt. Man muss jedoch ununterbrochen und jederzeit für sie erreichbar sein."
Hausbesuche und Facebook
Erstmals sind bei Gemeinderatswahlen in Niederösterreich auch 16- und 17-Jährige wahlberechtigt. Die Jugendkandidaten sehen das als wichtigen Schritt, da gerade auf Gemeindeebene junge Menschen oft direkt von Veränderungen betroffen seien und politisch mitentscheiden wollten. "Jugendarbeit darf nicht mehr nur als Lippenbekenntnis gesehen werden, die Parteien müssen nun tatsächlich aktiv werden" , hofft Andreas Beer. Die Möglichkeit zu wählen allein reicht seiner Meinung nach aber nicht aus.
"Begleitende Maßnahmen wie Politische Bildung an Schulen und die Förderung politischer Aufklärung für junge Menschen sind daneben unentbehrlich" , glaubt auch Alexander Petznek. Durch persönliche Hausbesuche bei den Erstwählern, auf Clubbings und Bällen sowie über Facebook versuchen die politischen Youngsters, das in die Tat umzusetzen.
Stress und wenig Schlaf prägen dabei den Wahlkampfalltag. Doch das nehmen Sabrina Rotter und Co gerne in Kauf: "Während andere Ferien machen, kann ich die Welt verändern." (Sophie Neuner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2010)