STANDARD-Interview

Faktor Arbeit durch höhere Ökosteuer entlasten

Günther Oswald und Andreas Schnauder, 12. März 2010 18:43
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    Foto:cremer

    Finanzminister Josef Pröll (VP) sieht seine Glaubwürdigkeit trotz neuer Steuern nicht gefährdet. Privatisierungen sind für ihn ebenfalls Thema, allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Josef Pröll will Steuererhöhungen mit einer Ökologisierung des Steuersystems und einer Entlas­tung des Faktors Arbeit verbinden

Wien - Finanzminister Josef Pröll (VP) möchte die von der Regierung geplanten Steuererhöhungen von 1,7 Milliarden Euro für eine Ökologisierung des Steuersystems nutzen. "Es geht um eine wirkliche Neuorientierung im System. Das ist breiter als die Frage der Mineralölsteuer", sagt Pröll.

Auf konkrete Maßnahmen legt sich Pröll zwar noch nicht fest. Wichtig sei aber, dass man alternative Energieträger attraktiver mache. Als Ausgleich für die Wirtschaft schlägt er, ohne Details zu nennen, eine Entlastung beim Faktor Arbeit vor. Würde Österreich die Umweltsteuern auf dänisches Niveau anheben, brächte das sieben Milliarden Euro.

***

STANDARD: Mit dem neuen Budgetfahrplan sind Sie vom Versprechen, keine Steuern zu erhöhen, abgerückt. Haben Sie kein Problem mit Ihrer Glaubwürdigkeit?

Pröll: Zwei Punkte muss man sehen: Vor ein paar Monaten war noch nicht klar, dass wir so lange unter zwei Prozent Wachstum sein werden. Gleichzeitig haben wir einen Koalitionspartner, der von Anfang an stark auf Steuererhöhungen gesetzt hat. Die Wirtschaftsforscher haben uns auch gesagt, wenn wir den Konsolidierungsbedarf zu 80, 90 oder 100 Prozent durch Sparen aufbringen wollen, dann geht das in Richtung totsparen. Man muss also pragmatisch entscheiden.

STANDARD: Von großen Strukturreformen oder einer Föderalismusreform sieht man aber wenig. Parallele Spitalsneubauten in unmittelbarer Nähe wie aktuell in Baden und Mödling werden weiter möglich sein.

Pröll: Was vergessen wird:Über dieses Sparprogramm wird der Druck auf Reformen enorm. Die Minister müssen natürlich erst mit den Ländern verhandeln. Aber die Knappheit der Geldmittel wird dazu beitragen, Sinnlosigkeiten in verschiedenen Bereichen künftig hintanzustellen.

STANDARD: Die große Frage ist, welche Steuern werden erhöht?

Pröll: Ich schließe Steuern aus, die den breiten Mittelstand betreffen: Grundsteuer, Erbschaftssteuer, Schenkungssteuer, wie das in manchen Hirnen von Sozialdemokraten herumspukt. Ich möchte einen wesentlichen Beitrag durch die Ökologisierung des Steuersystems aufbringen.

STANDARD: Von welchem Volumen sprechen wir da?

Pröll: Wir starten erst die Diskussion. Für konkrete Zahlen ist es zu früh. Aber ökologische Steuerreform heißt nicht, einfach bestehende Steuern anzuheben. Es geht um eine wirkliche Neuorientierung im System. Das ist breiter als die Frage der Mineralölsteuer.

STANDARD: Was heißt das konkret?

Pröll: Fossile Energieträger haben einen unterschiedlichen Umweltnutzen oder -schaden. Wir wollen daher einen Lenkungseffekt erzielen, alternative Energieträger attraktivieren. Das trifft natürlich Wirtschaft und Industrie. Daher darf das Geld nicht nur zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet werden. Ein Teil muss zur Entlastung des Faktors Arbeit verwendet werden. Da müssen wir mit der Wirtschaft reden, was die wirksamsten Wege für Beschäftigungs- und Wachstumsimpulse sind.

STANDARD: Haben Sie das aus dem grünen Parteiprogramm?

Pröll: Nein, das bewegt mich als ehemaliger Umweltminister seit langem. Das ist in einer Situation wie jetzt jedenfalls intelligenter, als wirtschafts- und wachstumshemmend direkte Steuern zu überlegen.

STANDARD: Wird dann auch die kilometerabhängige Pkw-Maut Thema sein?

Pröll: Man kann bei einer Ökologisierung sehr viel diskutieren. Aber wichtig ist vor allem der Lenkungseffekt Richtung mehr Effizienz.

STANDARD: Es wird zwar gespart, gleichzeitig geben Sie 50 Mio. Euro für den Ankauf von Nationalbank-Anteilen aus. Kein Widerspruch? Der Finanzrechtler Werner Doralt meint, man könnte die Anteile auch zwangsverstaatlichen.

Pröll: Da habe ich einen grundsätzlich anderen Zugang. Für mich gilt Eigentum als ganz großer Leitgedanke. Daher machen wir den bisherigen Eigentümern ein Angebot. Warum ich das tue? Das ist eine Lehre der Krise. Ich will nicht mehr haben, dass Banken und Interessenvertreter, die Anteile haben, in einen Interessenkonflikt kommen könnten.

STANDARD: Gibt es da auch Einnahmenpotenziale aus der Substanz der Notenbank?

Pröll: Natürlich werden wir uns überlegen, wo es Potenzial gibt:bei den Investments der OeNB, den Strukturen, den Privilegien. Aber Step by Step. Jetzt führen wir mal die Kaufsgespräche.

STANDARD: Sind weitere Privatisierungen Thema zur Einnahmensteigerung?

Pröll: Privatisierungen stehen für mich sicher auf der Agenda. Aber das ist eine Zeitfrage. Meine Aufgabe ist es, bei Privatisierungen das Beste herausholen. Wenn ich mir die Kapitalmärkte jetzt ansehen, glaube ich nicht, dass der bestmögliche Zeitpunkt ist.

STANDARD: Sind die Mehrheiten an den Energieversorgern ein Tabu?

Pröll: Der Staat hält 51 Prozent am Verbund, da kann man sicher über eine Reduktion nachdenken. Aber wie die Länder das in ihrem Bereich halten, ist deren Sache. Da werde ich ihnen keinen Auftrag erteilen. (DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.3.2010)

Zur Person

Josef Pröll (41) ist seit Ende 2008 ÖVP-Parteichef und Finanzminister. Davor war der Niederösterreicher Umweltminister.

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Autobahnraser
18.03.2010 11:45
Österreich ist nicht Dänemark

Immer diese Verweise auf andere Länder!
Das zeigt nur wieder mal die Unfähigkeit, Probleme selbst zu lösen!

also dann ...
17.03.2010 16:11
pröll . . . versteht von vwl. zusammenhängen so gut wie NICHTS ! F ...z.b. steht wirtschaftlich ungleich besser als D (und A ...) da :

in den letzten 10 jahren ...
- wuchs (BIP) F im schnitt um 1,5 % (D 0,8)
- nahm die beschäftigung um 0,8 % (D nur 0,5) zu
- erhöhte sich die binnennachfrage um 2,2 % (D 0,5).
und DAS trotz globalisierung ?
der grund = HÖHERE L Ö H N E !

überdies hat F ...
- stellen im öffentl. sektor geschaffen (D reduziert)
- die öfftl. INVESTITIONEN erhöht (D abgebaut)
und das
...bei einem stark regulierten arb.markt (D hartzIV)
UND
...einem gesetzl. MINDESTLOHN v. ca. 9 EUR (D ?).
... als auch höhere VERMÖG.STEUERN ( ! ).

fazit :
F setzte auf binnenkonsum (50 % d. BIP)
+ investitionen (15 %)
D NUR...auf export (35 %).

http://www.fr-online.de/in_und_au... ernen.html

Black Adder
18.03.2010 12:52

Nicht böse sein, aber beim Thema "nichtauskennen bei vwl" sind sie ein Experte.

also dann ...
17.03.2010 16:32
ergänzung : es bedarf n i c h t

- einer senkung von L N K
(zugunsten der AG - zulasten der arbeit-nehmer !)
... weil mangelnde wettbewerbsfähigkeit
= starker anstieg der exporte seit 2003
nicht das wi-politische c r e d o ist,
siehe oben :
von den franzosen lernen !

überdies... bedeutet ein senken der L N K
- eine finanz.lücke im sozial(gesundheits)system
- einen geringeren beitrag der arbeit - g e b e r (?)
... und einen höheren der arb.nehmer (über steuern).
d.h. nicht nur dass die AN
- die banken retten...
(und die unternehmen jedoch weniger köst zahlen !)
- und für unt.kredite "haften" ( ? )
nein - sie sollen auch noch einen höheren anteil an der finanzierung des sozial- und des gesundheitssystems übernehmen.
= umverteilung v. UNTEN nach OBEN !

Gobi Todic
17.03.2010 14:20
aha

also, die höheren energiesteuern sind jetzt fix. wie siehts nun mit der entlastung meiner arbeit aus?

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
16.03.2010 19:20
weniger Ust. auf Energie-sparende Produkte

das wäre ein gerechter Ausgleich für höhere Energiesteuern

Felix Österreicher
15.03.2010 09:57
Die Wirtschaftsforscher haben uns auch gesagt, wenn wir den Konsolidierungsbedarf zu 80, 90 oder 100 Prozent durch Sparen aufbringen wollen, dann geht das in Richtung totsparen. Man muss also pragmatisch entscheiden.

Und wenn man die arbeitende Bevölkerung zu Tode besteuert ist das was anderes???

Die Statements zu Grundsteuer, Schenkungssteuer, Vermögenssteuer etc. sind grundsätzlich richtig, jedoch soll der Mittelstand geschont werden und nicht die Reichen und Superreichen (d werden schon genug geschont) - wie gesagt 10 Euro Mio. ist eine hohe aber sehr realistische Grenze, wo Betriebsvermögen d Mittelstandes absolut geschont sein würde.

no one1
14.03.2010 17:49
"..wird der Druck auf Reformen enorm."

Meint er das wirklich so, wie er es ausspricht ? Oder will er mit seinen begrenzten Verbalisierungsfähigkeiten mitteilen, daß der Druck ZU Reformen steigt ?
Wie soll jemand eine Reform durchführen, wenn er schon im Ansatz in Beschreibung eben dieser Reform scheitert ? Aber Hauptsache ein paar flockige Anglizismen einstreuen (step by step, shit, I'm impressed).

Süffisant
14.03.2010 19:04

"... der druck zu reformen steigt..." ist aber genauso schlechtes deutsch. also wenn sie schon klugschei..en, dann präsentieren sie uns gefälligst schöne deutsche sätze, wie zum beispiel: "...der druck reformen einzuleiten / umzusetzen steigt..."

Stinkefinger für Pröll
14.03.2010 17:45
10 jahre

3 unfähige finanzminister
wen wunderts - alle aus der övp

Franz Waschbär
14.03.2010 17:27
heureka

der beppi pröll wil uns also und alle schrpöfen und seine klientel soll sich weiterhin den bauch voll schlagen.

wir sind auch systemrelevant! wie wärs damit, wenn wir zur verbesserung der pigs-leistungsbilanzen nur mehr südeuropäische produkte kaufen und alles boykottieren wo die raiffeisen drin-mitsteckt.


Andrian Susu
14.03.2010 17:15
faktor arbeit wird nicht entlastet, sondern alles andere belastet

ist absolute augenauswischerei hier!!!

Vizekanzler pröll soll mal seine landesfürsten unter kontrolle bringen und die verwaltungsreform durchsetzen – in einer form wo reform auch den namen verdient.

in diesem bereich werden seit jahren milliarden verschwendet, weil jeder landesfürst sein eigenes süppchen kocht ...

bei der banken- und vermögensbesteuerung wird herumgetruckst, weils ja die eigenen kumpels treffen könnte und stattdessen wieder bei der breiten masse zugegriffen.

eine im finanz-, wirtschafts- und verwaltungssektor unfähigere regierung sucht in europa ihresgleichen.

gleichzeitig werden durch frau fekter und mit hilfe von herrn strache die ärmsten der gesellschaft zu buhmännern abgestempelt!!!!!

RÜCKTRITT!!!

schlitzohrlinski
14.03.2010 15:41
Geldvernichtung in den letzten Jahren

Nur die

AUA 900 Mio Euro & Hypo Alpe Adria 450 Mio Euro haben beinahe die Summe ausgemacht, die jetzt durch zusätzliche Einnahmen hereinkommen sollen.

Zusätzlich noch die 45 Mio Euro für die Verschrottungsprämie.

Dann noch die Verlängerung der Hacklerregelung, die vor allem in Summe sehr zumindest 1,5 Milliarden Euro kosten wird.

Also fassen wir zusammen:

1,5 Milliarden Euro durch Mehrkosten für die Hacklerregelung

900 Mio für die AUA

450 Mio für die Hypo Alpe Adria

Für den Anfang einmal. Da sind wir gar noch nicht bei den Ländern, der ÖBB usw. usf.

francesco100
14.03.2010 17:13
Geldvernichtung

rd. 12 Mdr. Euro schwarzgels liegen in der Schweiz. Eine radikale Rückholaktion würde bei einer Nachversteuerung mit einem moderaten Satz von 30% 3.6 Mrd. Euro bringen. Wozu bitte eine Steuererhöhung? Die Steuer-CD aus Deutschland ist untergetaucht. Es dürften die Steuerhintersieher noch nicht alle gewarnt worden sein.

Robert Fien
14.03.2010 15:33
Da kommen sie aber früh drauf... das raten Experten schon seit vielen Jahren, und gerade die ÖVP hat genau das immer blockiert! lächerlich

Michael B
14.03.2010 15:32
Aus Gründen der "schnelleren Verwirklichung" wird es eine abgespeckte Version des Projekts "Arbeit entlasten durch höhere Ökosteuern" geben:

Höhere Ökosteuern.
Punkt.

Wien76
14.03.2010 15:26
Boa das hat lange gedauert um diese positive Erkenntnis zu bekommen, Hr. Pröll

die Grünen stehen für weniger Lohn und höhere Ökosteuern schon seit Jahrzehnten .

Sie Hr. Pröll haben jahrelang behauptet die Grünen spinnen. Und ? Spinnt jetzt auch die ÖVP ?

Die ÖVP wähl ich nie mehr. Die Grünen machen sogar bessere Wirtschaftpolitik. Da muss die ÖVP wohl noch ein paar Jahrzehnte dazulernen.

Angst_Beißer
14.03.2010 14:51
Blad, blader am blödesten!

Welche Steuere bezahlt nicht letztlich der kleine Mann?

Gewerkschafter lügen der Belegschaft gerne vor, die Firmen sollen mehr Steuer bezahlen.

Wieso kann das niemals die Wahrheit sein?

Für Koranschüler eine 11Frage.

buff flyer
14.03.2010 14:21
zahltag

hat irgendjemand ernsthaft gelaubt, dass die hirnrissige geldvernichtungsaktion vom 24.9.2008 nicht volley retour kommt?

krise hin, umwelt her: das macht es vielleicht noch teurer, aber im prinzip war die rechnung für den stimmenkauf mehr als absehbar.

W. Müller
 
14.03.2010 15:02
Um Wieviel ging's da ?

Wie hoch waren bis jetzt die diversen Bankpakete, Abwrackprämien, Bauprogrammstützungen, ...

Seh'ns die Relationen ?

Süffisant
14.03.2010 15:14

leicht zu beantworten: über die jahre kommen uns faymanns wahlzuckerln um einiges teurer als die einmaligen hilfszahlungen aufgrund der wirtschaftskrise.

http://diepresse.com/home/poli... /index.do?

buff flyer
14.03.2010 15:11
ich verbessere mich

soviel wie die geplante einsparung und noch ein paar hundert mio mehr (3+ gegenüber 2,8)

buff flyer
14.03.2010 15:04
die verschleuderaktion war soviel

wie die jetzt geplante erhöhung.

das ist die relation.

tinkerbell.ae
14.03.2010 14:47
absehbar

aber nicht zu verhindern!
Soviel Macht hat das Volk...

buff flyer
14.03.2010 14:52
nicht zu verhindern?

der blödsinn hat wohl genug claqueure gefunden.

viel hätte nicht gefehlt, und diese polit-nieten hätten noch unter grossem beifall ihre "inflationsbekämpfung" beschlossen.

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