Große Ökosteuer-Reform

Viel Potenzial und Skepsis

Andreas Schnauder, 12. März 2010 18:36

Sieben Milliarden Euro könnte Österreich einspielen, würde der Anteil der Energiesteuern auf dänisches Niveau angehoben

Sieben Milliarden Euro könnte Österreich einspielen, würde der Anteil der Energiesteuern auf dänisches Niveau angehoben. Parallel dazu wären Klimaschutzziele und Abgabensenkung erreichbar.

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Wien - Der Klimaschutz liegt Österreich ebenso im Magen wie auf der Geldbörse, das Budgetloch harrt seiner Stopfung, und die hohe Abgabenbelastung des Faktors Arbeit gilt von jeher als Strukturproblem der heimischen Wirtschaft: Was läge da näher, als gleich alle Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Das Zauberwort, das nun auch Vizekanzler Josef Pröll in den Mund nimmt, heißt Ökologisierung des Steuersystems.

Mit dem unter dem EU-Durchschnitt liegenden Anteil der Energieabgaben dürfte auch das notwendige Potenzial vorhanden sein. Würde man bei den Ökosteuern mit dem europäischen Spitzenreiter Dänemark gleichziehen, könnten sieben Milliarden Euro hereingespielt werden. Eine derartige Umwälzung des Systems befürworten Steuerexperten wie Karl Bruckner ebenso wie Umweltökonomen wie Wifo-Expertin Angela Köppl, wenn die Umsetzung schrittweise und langfristig erfolge. Und entsprechende Abfederungsmaßnahmen für untere Einkommensschichten und die im internationalen Wettbewerb stehende Industrie gesetzt werden, wie beide festhalten.

Köppl hat bereits Modelle durchgerechnet und positive Lenkungseffekte festgestellt, wenn parallel zur höheren Öko-Abgaben Lohnsteuern und Sozialabgaben gesenkt werden. Bei einer Anhebung der Energiesteuern um eine Milliarde Euro würden die Preise zwischen 2,8 Prozent (Gas) und 6,5 Prozent (Strom) steigen, der Verbrauch um bis zu 2,3 Prozent zurückgehen. Diese Entwicklung basiert auf einer Kombination aus Erhöhung von Mineralölsteuer, Elektrizitätsabgabe und Einführung einer CO2-Steuer. Auch ein Effekt von drei Milliarden wäre erzielbar, wenn entsprechend höhere Anpassungen vorgenommen würden, meint Köppl.

Das dänische Volumen könnte langfristig erreicht werden, wobei ein entsprechender Stufenplan von Anfang an kommuniziert werden sollte:"Das ist wichtig, damit eine klare Basis für Investitionsentscheidungen vorhanden ist", meint die Expertin. Verteilungspolitische Bedenken gegen eine Ökologisierung des Steuersystems teilt Köppl, lässt diese aber nicht als Argument gegen den Schritt gelten. Vielmehr müsse nach Kompensationen gesucht werden. Vor allem im Raumwärmebereich wären die untersten Einkommensschichten von höheren Energiesteuern betroffen. Bei der Mineralölsteuer sei das Problem schon geringer, weil der Anteil der Autobesitzer in den sozial schwächsten Gruppen gering sei.

EU schielt auf Einnahmen

Apropos CO2: Hier könnte Pröll Rückenwind durch europäische Überlegungen bekommen, bastelt doch die EU-Kommission an einem Richtlinienentwurf. Angedacht ist eine Abgabe in Höhe von 30 Euro je Tonne Treibhausgas. Doch ähnlich wie bei den Debatten über eine Finanztransaktionssteuer gibt es Bestrebungen, das Aufkommen nach Brüssel anstatt in die nationalen Haushalte zu lenken. Angesichts der knappen Kassen quer durch Europa erscheint es allerdings höchst fraglich, inwieweit die Staaten - so die neuen Steuern überhaupt konsensfähig sind - auf die Mittel verzichten würden. Immerhin: Sollten die Mehreinnahmen doch nach Brüssel überwiesen werden, würde das den jährlichen EU-Klubbeitrag der Mitglieder senken.

Bei der Finanztransaktionssteuer hat das Europaparlament erst am Mittwoch einen Prüfauftrag erteilt. Wer das Aufkommen erhalten soll, wird darin nicht erwähnt. Nur so viel:Die EU-Kommission soll eruieren, inwiefern die Einnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und für die Entwicklungszusammenarbeit verwendet werden können. (DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.3.2010)

Kommentar posten
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gutartiger Bösmensch
14.03.2010 14:26
Wenn es wirkliche eine Reform wäre

könnten keine 7 Milliarden rausschauen, weil nämlich insgesamt die Steuerlast (eh eine der höchsten der Welt) gleich bleiben würde und es somit ein Nullsummenspiel wäre. 7 Milliarden Mehreinnahmen werden es nur wenn man die Bürger oder Unternehmen (und damit letztlich auch wieder die Kunden = Bürger) mit 7 Milliarden mehr Steuern belastet.

Bertel Mann
 
14.03.2010 11:11
Die unter dem EU-Niveau liegenden Vermögens-, Schenkungs- und Erbschaftssteuern werden vorsorglich gar nicht erwähnt

Da wäre auch genügend Potenzial vorhanden.
Es würde halt die Klientel der ÖVP und Schnauders treffen. Von einer Senkung der Lohnsteuer hat Pröll im Interview übrigens nicht gesprochen und Schnauder hat selbstverständlich nicht nachgefragt.
Und wie behandelt man die dann geringeren Einnahmen der Sozialversicherungen? Ganz einfach: man kürzt weiter Sozialleistungen.
Geplant und propagandistisch aufbereitet werden gerade:
- eine Erhöhung von Steuern mit dem Mascherl "Ökologisierung"
- eine Senkung der Arbeitgeberbeiträge mit dem Mascherl "Entlastung des Faktors Arbeit"
- und (die dritte Fliege aus Sicht der Neokonservativen) eine weitere Kürzung der Sozialleistungen mit dem Mascherl "wegen geringerer Einnahmen leider notwendig"

Dominika Jablonska
14.03.2010 10:56
Dänischnes Niveau?! Österreich ist jetzt schon praktisch Weltmeister beim Abzocken der Bürger!

Abgabenquote in Österreich: ca. 43 % des BIP
Abgabenquote im EU-Schnitt: ca. 38% des BIP
Abgabenquote im OECD-Schnitt: ca. 35% des BIP

http://derstandard.at/126774376... pitzenfeld

Weltweit liegen nur mehr drei Staaten vor Österreich! Und sogar die Dänen haben wir bald eingeholt, weil wir im Vergleich zu ihnen unsere Schulden zu stark erhöhen.

Und den Dänen (Weltmeister in Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit) geht´s alles andere als rosig:
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDe... cob=435249

Tony S
18.03.2010 12:41

Also liegen die Dänen doch vor Österreich?

Ich zähle weltweit 4 Länder, die vor uns liegen (in Ihrem eigenen Link!!!)

Und dass es den Dänen rosig geht, wird nirgendwo behauptet.

Ergo: Posting überflüsig!

Ran Dom
14.03.2010 10:19
darum wähle ich grün

tja - ähnliche Programme fordern die Grünen schon seit Jahrzehnten und wurden bestenfalls belächelt.
Es zeigt sich aber wie so oft, das leider die ersten einer Idee meist die Verlierer sind und die Folgenden dann die Helden....

flotter denker
14.03.2010 05:32
Die Idee ist schon richtig

Aber ich seh die große Gefahr, dass man zwar Teil 1 - Erhöhung der Ökosteuern umsetzt, Teil 2 - Senkung der Steuern auf Arbeitseinkommen - aber nicht, oder nur in äußerst geringem Ausmaß umsetzt.

Dominika Jablonska
14.03.2010 10:58

Ja. Das weiß man. Nicht nur als gelernter Österreicher.

rowa
13.03.2010 20:19
Kerosinsteuer? was ist damit?

Warum wird Kerosin, also Flugbenzin weiter vom Steuerzahler subventioniert.
Pendler, Familien die heizen müssen blechen - Flugzeuge dürfen weiterhin die Bevölkerung beschallen und der Umwelt steuerfrei verpesten.

hlg
14.03.2010 12:01
na ja 1x mallorca =1 jahr autofahren...

war mal da zu lesen...

geschätzte 500 euro steuer wird man pro jahr schon zahlen beim tanken...

wäre gut für die umwelt (abgesehen vom mm nach nicht existenten co2 problem) wenn man dasselbe pro ticket kassieren würde...

allerdings werden dann viele vorläufig arbeitslos...

byron sully
13.03.2010 19:57
der richtige weg,

aber es kommt a) auf die konkreten details an und b) ob das steuersystem endlich wirklich ökologisiert wird (angekündigt wird es ja seit nunmehr ca. 20 jahren). und es darf auch nicht dazu kommen, daß z.b. mieterInnen für nicht wärmegedämmte häuser zur kasse gebeten werden - dafür sollten primär die hausbesitzerInnen aufkommen.

Theo Dor
13.03.2010 19:06
Bei der Mineralölsteuer sei das Problem schon geringer, weil der Anteil der Autobesitzer in den sozial schwächsten Gruppen gering sei.

Ein Umstand, der durch erhöhte MÖST weiter einzementiert würde.
Geringe Mobilität bedeutet aber auch wieder Nachteile am Arbeitsmarkt, also Festigung der Armut.

didi111
13.03.2010 13:17
ich wäre dafür, daß man in der Regierung mehr Sachkompentenz einfliessen lassen könnte..


Wie wäres mit Sobotka als Co-Finanzminister?

Hat viel Ahnung, ist ein PRÖLLLetarier und kann nicht schlecht sein, weil er ja unter der Landesglatezn himself als Finanzlandesrat werkte...
(wenn das kein Qualitätszertifikat vom Feinsten ist (von einem Bauernbündler geehrt zu werden))

Seine negative Presse ist nach Angaben von Erwin hinmself nur auf negative Propaganda der anderen Pareien rückzuführen. Das ist ja eh klar, weil die Zahlen wahrscheinlich auch von den bösen ROTEN
manipuliert worden sind.

Und ÖKO könnte der Musiklehrer Sobotka auch ohne Rechtschreibfehler schreiben, na?

klein adlerauge
 
13.03.2010 11:00

ein system das man dann wieder für 50% abfedern muss ist ein schaa...ß.
7milliarden mehr durch "öko"steuern. dann wahrscheinlich 3milliarden weniger lohnnebenkosten. und bezahlen darfs wer? ah ja.

Kontrahent1
13.03.2010 11:52
Das geht jedem SUV Fahrer ab 3Ltr

sowas an verschiedenen Körperteilen vorbei..... Aber wer sich gerade aufgrund der Förderungen eine neue Ölheizung zugelegt hat z.B., wird ganz schön ins Schleudern kommen, wenn sein Einkommen nicht das des Herrn Pröll ist. Warum sagt er nicht, daß in Deutschland das Heizöl immer deutlich billiger als der Treibstoff ist.

Foromat
14.03.2010 00:19

Das ist es bei uns auch, und wer sich "gerade" eine gefoerderte oelheizung gekauft hat haette sich besser eine gefoerderte oeko-heizung eingebaut

oesterreich zahlt einen haufen fuer die co2 zertifikate also sollen sich die oelheizer ruhig ein wenig beteiligen, die moest auf heizoel ist sowieso viel geringer als auf sprit

Kontrahent1
14.03.2010 10:48
Nicht alle 'Öko-Heizungen'

machen überall Sinn. Manchmal reichen die baulichen Gegebenheiten nicht aus, bzw. steht der Aufwand für eine Solarinstallation in keinem Verhältnis zur Ersparnis. Erdwärme muß sowieso von Baubeginn an geplant sein, und wer kannte das vor zehn Jahren und früher ? Jedenfalls ist Heizöl in D mehr als 10 cts p.Lt. billiger als in A, woran kann's liegen ?

Foromat
14.03.2010 17:55

überall wo man eine ölheizung einbauen kann, kann man auch ein Pelletsheizung, die sind wenigsten co2-neutral, einbauen. Die Pelletsheizungen gibts sicher seit 10 jahren.




Kontrahent1
15.03.2010 11:16
Da wissen Sie mehr,

als drei Heizungsfachleute, die ihre Angebote machen sollten inkl. Photovoltaik, Solar usw. Wahrscheinlich hätten Sie auch Platz für den Materialspeicher gefunden, welchen diese nicht ausfindig machen konnten. Übrigens erinnern Sie sich sicher auch, an den Preissprung, den es vor kurzem völlig unbegründet gab, aufgrund der Rückläufigen Heizungsmontagen aber schnell zurückgenommen wurde. Auch wissen Sie sicher, daß Shell bereits bedeutende Mengen Wald aufkauft, und ein Großerzeuger für Pellets ist. Dann schon lieber Kachelofen mit Bruchholz heizen.

Foromat
16.03.2010 15:52

und wo bitte habens den Tank ? der braucht ja genauso platz wie der matrialspeicher. aber nun gut, ich bin mir sicher dass es auch einzelfälle gibt wo offensichtlich nur öl gegangen ist.

M. W.
13.03.2010 04:56

Klimaschutz - das ich nicht lache ...
Das einzige, vor was man uns schützen muß sind Politiker, die auf Basis von esoterischen Geschwätz jene abzocken, die eh schon nichts mehr haben und jenen Geld in den A.... schieben, die schon darin baden.

iohui
13.03.2010 03:19
aha. sprit, heizung, warmwasser und strom soll teurer werden

damit der unnötig aufgeblasene und überbezahlte amtsschimmel weiterhin gedeihen und seine überzogenen lohnsteigerungen und pensionen einstreifen und die eu 1000e zusätzliche beamte einstellen kann, die darüber beraten wie man grundbedürfnisse und lebensqualität der nicht privilegierten menschen weiter beschränken kann.

mobiler sollen wir für den arbeitsmarkt werden, aber dafür brennen wie ein luster, der vorsorglich nur mehr mit sündhaft teuren energiesparlampen betrieben werden darf.
aber wahrscheinlich ist der hintergedanke, dass wir das mit staatlicher förderung gekaufte auto dann endlich zuhause stehen lassen und endlich dankbar für stundenlange öffifahrten zur arbeit sind, weil wir uns daheim die heizkosten nicht mehr leisten können.

Almi66
13.03.2010 08:55
Auch wieder so ein querulierender Speckgürtelbewohner

Siw wurden doch die letzten Jahre geradezu gedrängt, sich weiter draußen im schmucken Häuschen anzusiedeln. Dass dort weit und breit kein Öffi ist, ist aber nun wirklich ihr Problem. Die wesentlich unterpriviligierterenn burgenländischen Einpendlerinnen (meist Hilfsarbeiter) kommen auch nicht mit dem PKW angereist. Ihren kleinen Stinker müssen wir aber ertragen, wenn sie alleine hinter dem Volant zur Arbeit pendeln.

MCU
13.03.2010 20:24
Es freut mich, daß auch Du für den Öffi-Fahrschein mehr zahlen wirst müssen!

Denn auch die haben dann höhere Sprit- oder Stromkosten!

luke skywalker
14.03.2010 10:48
Dann wird die Öffentlichkeit den Fahrschein

halt zu 85% subventionieren und nicht nur zu 80%.

Und das Geld dafür holen wir von der Möst-Erhöhung.

Den wirds kaum treffen - und wenn dann höchstens im Cent-Bereich.

iohui
13.03.2010 11:58

verklickt oder postest einfach wahllos irgendwohin?

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