Der zähe Weg der Ortskaiserinnen

12. März 2010, 18:26
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Diesen und nächsten Sonntag wird in fast zwei Dritteln der Gemeinden Österreichs gewählt - Immer noch finden wenige Frauen Mut oder Möglichkeiten, auf dem Bürgermeistersessel Platz zu nehmen

Lermoos/Wien/Kapfenberg - "Völlig schockiert" war Maria Zwölfer, als sie zur Bürgermeisterin von Lermoos gewählt wurde. In dem Tiroler Tourismusort hätten "die Dorfkaiser das Sagen" gehabt, keiner habe gedacht, dass eine Frau die Zügel in die Hand nehmen könnte. Zwölfer musste 2004 ihre eigene Liste gründen, um an wählbarer Stelle gereiht zu werden.

Wenn am Sonntag in Tirol - wie in Vorarlberg und Niederösterreich - die Gemeinderatswahlen stattfinden, will die Hauptschullehrerin und Mutter von drei Kindern aber unbedingt im Amt bestätigt werden. Sie habe auch "ein hartes Stück Arbeit" hinter sich.

Zwölfer ist neben Christine Oppitz-Plörer in Innsbruck (Liste Für Innsbruck) die einzige Bürgermeisterin in Tirol. Die Zahl der Frauen in dem Amt wächst österreichweit zwar, ist aber immer noch sehr klein: Gab es 2003 45 Ortschefinnen, sind es 2010 zwar mehr als doppelt so viele, nämlich 111. Männer gibt es aber 2246 im Bürgermeisteramt.

Zwölfer würde sich mehr Kolleginnen wünschen - zum Netzwerken: "Ohne weibliche Sicht der Dinge wird's auch in der Kommunalpolitik nicht gehen", zeigt sich die 55-Jährige überzeugt.

Österreich liegt mit einem Bürgermeisterinnen-Anteil von 4,7 Prozent laut einer Studie des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen (IfPD) von 2007 deutlich unter dem EU-Schnitt von 13 Prozent. Ein hoher Frauenanteil auf nationaler Ebene erhöhe nach Angaben von IfDP-Präsident Werner Zögernitz den Anteil auf kommunaler Ebene. Österreich sei eine Ausnahme. "Die Gemeinden sind sehr stark männerdominiert. Man sagt, dass die Listen im Wirtshaus gemacht werden", sagt Zögernitz. Zweitens drängten sich Frauen für diese Funktionen nicht auf. Und: Je höher die Position sei, desto mehr werde von zentraler Stelle auf den Frauenanteil geschaut.

In Niederösterreich hat die VP damit geworben, dass die Partei heuer mit einem doppelt so großen Frauenanteil (25 Prozent) bei den Gemeinderatswahlen antritt. Auch die SP in Niederösterreich verfolgt das Ziel, "mehr Frauen in den Gemeindestuben zu etablieren". Die Zahl der VP-Kandidatinnen mit Spitzenplatz auf der Liste hat sich aber nicht verdoppelt: 2005 waren es 37 Frauen, heuer sind es 53.

In Vorarlberg stehen diesen Sonntag sogar weniger weibliche Kandidatinnen zur Wahl als 2005: lediglich zehn Frauen, bei 130 Männern. In der Steiermark gibt es in 25 von 542 Gemeinden weibliche Ortschefs. In der Obersteiermark werden zwei größeren Städte SP-Frauen regiert. Die Bezirkshauptstadt Judenburg von Grete Gruber, die ehemalige Industriestadt Kapfenberg von Brigitte Schwarz. Die 49-Jährige glaubt, dass gerade das auch Frauen in kleineren Gemeinden Mut macht, sich zu bewerben. Für die steirische Gemeinderatswahl am 21. März kämpfen allein im Bezirk Bruck an der Mur neben Schwarz nun noch zwei andere Frauen am ersten Listplatz, nämlich in St. Ilgen und Pernegg.

"Die Rahmenbedingungen sind für uns ungleich schwerer", weiß Schwarz. Sie selbst sei nicht verheiratet und kinderlos, aber gerade in kleineren Gemeinden sei das für viele der große Hemmschuh. "Heute Abend hab ich einen Termin bei der Feuerwehr, keine Ahnung, wie lange das dauert, so geht das die ganze Woche. Wenn ich Kinder hätte, würde ich sie schon gerne selber ins Bett bringen."

"Gerüchten eher ausgesetzt"

Männer hätten es da noch immer leichter: "Da geht jeder davon aus, die Frau kümmert sich schon um die Kinder." In kleineren Gemeinden käme noch hinzu, dass der Verdienst im Amt nicht ausreicht. Dafür habe sie in einer Stadt wie Kapfenberg mit rund 22.000 Einwohnern andere Nachteile: "Frauen sind immer eher Gerüchten ausgesetzt. Über mein Gewand wird mehr geredet als über meine Inhalte. Und in kleineren Gemeinden kann man eher mit jedem Einzelnen in Kontakt treten." Ganz allgemein habe sich zwar einiges gebessert, aber "die drei Ks, Kinder, Küche, Kirche, hat man einfach durch die drei Fs, Frisur, Figur und Familie, ersetzt". (Colette M. Schmidt und Gudrun Springer, DER STANDARD/Printausgabe 13.3./14.3.2010)

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    Obwohl Frauen rund die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sind Kandidatinnen bei den Gemeinderatswahlen am 14. und am 21. März auf den meisten Stimmzetteln noch unterrepräsentiert.

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