Erdbeben, Brand, Streiks

Explosion der Papierpreise

Verena Kainrath, 12. März 2010, 17:55
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    foto: apa

    Die Papiernachfrage zieht wieder leicht an, doch die Industrie hat ihre Kapazitäten stark reduziert. Es gibt erhebliche Lieferengpässe. Die Drucker fürchten, auf den Mehrkosten sitzenzubleiben.

Werksausfälle in Chile, stillge­legte Fabriken in Europa, Papier wird teurer - Druckereien sehen sich hart in der Bredouille

Wien - In der Papierbranche liegen die Nerven blank. Europas Industrie hat ihre Kapazitäten stark gedrosselt, jetzt geht ihr der Zellstoff aus. In Österreich sind große Hersteller dabei, ihre Preise bis Ende März um mehr als zehn Prozent zu erhöhen, erfuhr der Standard. Davon betroffen sind vor allem grafische Papiere, für Bücher und Zeitungen ebenso wie für Flugblätter und Kataloge, aber auch auf Verpackungspapier kommen Umwälzungen zu. Die Papiergroßhändler haben die Forderungen bereits an Drucker weitergereicht, und diese sehen sich in die Enge getrieben.

Höhere Preise für Papier zeichnen sich seit längerem ab, mit diesem Ausmaß habe aber keiner gerechnet, sagt Harald von Hinüber, Chef des Händlers Stiassny. Er ha-be Schreiben aller namhaften Produzenten auf seinem Tisch, in denen von Anpassungen zwischen acht und zwölf Prozent die Rede sei. "Wir müssen sie an die Kunden weitergeben, wir haben keine andere Chance." Der Handel sei in der Sandwichposition, sagt auch Stephan Grötzschel, der als Chef der Papernet jährlich 60.000 Tonnen Papier kauft und verkauft.

Mit ausgelöst hat das Erdbeben in der Branche ein anderes: Jenes in Chile. Das Land stellt mit fünf Millionen Tonnen rund acht Prozent des weltweiten Zellstoffbedarfs. Das Erdbeben hat drei Viertel der Fabriken lahm gelegt - für unabsehbare Zeit. Riesige Produktionen stehen aber auch in Europa still. Der Streik von Hafenarbeitern in Finnland zwingt Sappi und UPM dazu, Anlagen zu stoppen.

Industrie auf der Bremse

Weniger Zellstoff gab es schon zuvor: Europas Industrie hat die Kapazitäten im Vorjahr um 14 Prozent reduziert. Die kurzfristige zusätzliche Verknappung ließ diese Woche die Preise für die Tonne an Referenzzellstoff auf mehr als 900 Dollar schnalzen. Es ist der stärkste Anstieg innerhalb von sechs Tagen seit gut sechs Jahren, bei dem wohl auch Spekulanten ihre Hand im Spiel hatten, und Experten erwarten weitere Preisschübe.

Im Vergleich zum Vorjahr habe sich Zellstoff um bis zu 30 Prozent verteuert, die Lager seien leer, wegen des Vakuums gebe es einigen Nachholbedarf, ergänzt Kurt Maier, Vorstand der Zellstoff Pöls AG. Zumal auch Asien große Mengen an Rohstoff aus Europa absaugt.

Papier besteht zu 80 Prozent aus Zellstoff. Dass die aktuelle Hausse nicht auf die Papierpreise durchschlage, sei unmöglich, meint der Geschäftsführer des Branchenverbands Austropapier, Oliver Dworak. Auslöser dafür sei nicht nur Zellstoff, teures Holz spiele ebenso mit hinein wie der Engpass bei Altpapier, zu der die insgesamt geringere Papierproduktion geführt habe. Allein die Österreicher fuhren die Kapazitäten 2009 um mehr als zehn Prozent zurück. Europaweit wurden seit 2007 1,2 Millionen Tonnen Papier aus dem Markt genommen. Derzeit steht eine große Fabrik in Deutschland nach einem Brand still, französische Hersteller kämpfen mit Streiks. Sappi hat die Produktion in Holland wegen fehlenden Zellstoffes halbiert.

Dworak sieht den Bedarf an Papier heuer wieder leicht wachsen. Auch der Großhandel spricht von mehr Aufträgen. Die Drucker sind aber in Alarmbereitschaft: Der Papierverbrauch sei in Österreich im Vorjahr um gut zehn Prozent eingebrochen, im selben Ausmaß sei der Druckumsatz gesunken, lässt Verbandschef Werner Neudorfer wissen. Dass man nun mit um acht bis elf Prozent teurerem Papier konfrontiert werde, sei angesichts des Umfelds nicht nachvollziehbar. Am Markt seien die Mehrkosten nur schwer umsetzbar. Alles laufe auf eine nachhaltige Schädigung der Unternehmen hinaus. (DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
Stinkefinger für Pröll
00
14.3.2010, 20:48
nachdem die övp soviele unnötige

papierl beschreibt, sehen die verantwortlichen in der papierbranche großes potential...

soziales netz
00
14.3.2010, 12:03

dramatisch geschriebener artikel zur rechtfertigung der in kürze vor gesehenen preiserhöhung einer tageszeitung. sehr clever ;-)

wasihrwollt
00
14.3.2010, 09:30
Alpapierpreise ?

Von wegen mehr Altpapier sammeln... China kauft alles auf, was es kriegen kann, und treibt damit auch die Altpapierpreise in die Höhe...

frune
18
14.3.2010, 08:08
1.1.2061: Die 2. Industrielle Revolution jährt sich heute zum 50. Mal!

Am 1.1.2011 wurden im gesamten EU-Raum die Prohibitionsgesetze bezüglich der Hanfpflanze aus wirtschaftlichen Gründen aufgehoben beziehungsweise schrittweise abgebaut.
Bis zu diesem Datum war diese Pflanze durch vielerlei gesetzliche Anordnungen verteufelt worden.
Zwar war die Produktion eines sogenannten "Industriehanfes" formell erlaubt gewesen,massive Subventionsprogramme zugunsten der weltweiten Papier- Öl- und Baumwollindustrie machten eine grossflächige Nutzung des Hanfes allerdings künstlich unproduktiv.
Kurioserweise gab vor genau 50 Jahren eine "Papierkrise" den Ausschlag, der die europäischen Entscheidungsträger zu ihrem mutigen Schritt bewog-die unökologische und primitive Methode der Papiergewinnung aus Holz hatte ausgedient.

erlenkoenig
01
13.3.2010, 19:19
Mehrwert

Ja da kommt aber Freude auf, da wird unser Papiergeld ja gleich viel MEHR WERT :-)

bei 10 Prozent Mehrwert wäre ja die Inflation für 3-5 Jahre abgedeckt ;-)

Redwraithvienna
00
14.3.2010, 02:00
dummerweise besteht unser papiergeld

aus baumwolle und nicht zellstoff wie er für die papierproduktion verwendet wird ... und die wird seit jahren eher billiger als teurer.

Und jedem seine eigene Busspur
01
13.3.2010, 19:15
JEDER kann etwas gegen den

Müll im Briefkasten und etwas für die Umwelt und gegen steigende Papierpreise tun! Ein Aufkleber reicht schon. Und wer wirklich Werbung mag holt sich die aus dem Internet oder meldet sich an für Newsletters?

Ein Stein2
00
13.3.2010, 22:06

STIMMT, die "Reklameausträger" halten sich daran nur die KRONEN-ZEITUNG kann nicht lesen und versendet sinnlose und verblödende Reklame TONNENWEIS - dies Reklame landet immer ungelesen im MÜLL!

Scheinbar können die Kronenzeitungsverantwortlichen nicht lesen oder nicht denken oder sogar BEIDES, die Kronenzeitung regt sich über jeden Mist von ANDEREN auf baut aber selber den grössten Müll-Reklame-Mist.

Mein Vorschlag: Reklamebeilagen der Kronenzeitung mit 1000% Umweltsteuer belasten!

vucibatina
00
13.3.2010, 21:36
vergebens...

... die werbematerialien werden trotzdem gedruckt.
die Auflagen werden dadurch nie kleiner, die Werbeheinis verkaufen die Zahlen, wie oft ein Prospekt was gebracht hat, ist beinahe unmöglich festzustellen.

Achmo Ledbid
01
13.3.2010, 22:44
stimmt nicht..

...es gibt statistische werte über die haushalte welche werbung nicht erwünschen und dadurch ergibt sich eine produktionsmenge für jedes verteilungsgebiet. kurz gesagt: aufkleber schont die umwelt.

Die Zeit ist reif
00
14.3.2010, 11:15
stimmt leider schon, denn seit wir keinerlei Werbung wünsche

kommt diese pers. adressiert und der tägliche Müll
welcher auf der Türe hängt wandert direkt in das Altpapier.

In vielen Häuser (Wien) steht bereits ein Mülleimer
neben den Postkästen. Das wollen die Werbe-
fuzis natürlich nicht wahrhaben.

Es gibt schon lange zuviel Werbung und viele Leute
einschl. mir haben sich Filter zugelegt. Nur mehr
Verkehrsfunk im Auto sonst CD od. mp3, Beiträge
auf Privatsendern werden aufgenommen um die
Werbung zu überspringen oder Online gesaugt.

Die größte Reichweite dürfte das klassische Radio
haben, wobei ich auch dort meinen Filter einblende
sobald Werbung aus den Lsp. tönt.

Der ökologische Fußabdruck der Werbeindustrie
sollte weltweit mit einer 40%igen Luxus-
steuer belegt werden. Eigenmarken rolls...

broncoo
00
14.3.2010, 11:44

OE1 - nicht nur wegen der "fehlenden" Werbung den anderen Dödel-Sendern vorzuziehen ...

Hermann Sadlo
 
00
13.3.2010, 19:08
Papier

Ich fang mit "stuffy" an: Ist Dir nicht aufgefallen, dass seit der Krise der Briefkasten nie mehr randvoll war? An manchen Tagen liegt gar nichts an Werbung drin (an Post auch nicht! haha)

dann an "bildungsoffensive": Große Druckereien recyclen nicht (wie denn), denn die haben Container, z.B. von Bunzl&Biach, die zum Recyclen abgeholt werden

dann myPc: Österreichische Papiererzeuger? Dass ich nicht lache - gehört doch alles Sappi&Co.

bildungsoffensive
00
13.3.2010, 19:51

richtig. "recyclen" war das falsche wort.

ballenpressen oder presscontainer

..|..
00
13.3.2010, 19:19

sappi erzeugt aber kaum das Papier, das sie im Briefkasten finden.

David Rosse
 
05
13.3.2010, 17:32
Hanf - heisst die Lösung

immer wieder die alte Leier...

Ob Papier, Erdöl, oder Gas!
die Lösung wuchs vor unsrer Nas`

Hanf kann alles, kostet nix,
Doch all meine reden hilft ja ...

www.hanfwandertag.at

bildungsoffensive
01
13.3.2010, 15:18

offtopic

"Harald von Hinüber"
genial!

ontopic:
auch beim altpapier ging der preis in den letzten beiden jahren in den keller. damit dürfte es sich bald wieder rentieren, wenn große firmen wieder recyclen (grad druckereien). hat also auch was gutes.

Ivan Bukov
00
15.3.2010, 09:49

Papierrecycling ist nicht was uns versprochen wird. Die Tinte rauszuloesen verbraucht mehr Chemikalien als unserer Natur lieb ist.

Hermann Sadlo
 
00
13.3.2010, 19:25
Recyclen

... wenn große firmen wieder recyclen (grad druckereien).

Haha! Schon vor vielen Jahren habe ich mir in einer großen Druckerei in Wien (45 Jahre lang) erlaubt zu scherzen, ob es nicht rentabler sei, die Druckmaschinen gleich an die Altpapiercontainer anzuschließen - kann man sich das viele Geld der Endfertigung und Auslieferung ersparen. Reichen Sie doch gerne Ihren Vorschlag an die Druckerei Goldmann weiter - Ihren Standard gibts dann aber nur mehr im Internet

bildungsoffensive
00
13.3.2010, 19:50

"recyclen" ist natürlich das falsche wort. ich meinte eher altpapier in rohstofftaugliche und transportfreundliche form bringen (ballenpressen z.b. oder presscontainer). dafür gibts käufer.

und ja, meine erfahrung mit einer druckerei hat auch meine meinung entscheidend geprägt. speziell die mir bekannte produziert im prinzip direkt für den müllkübel. verpackungen, hochglanz, etiketten usw, dinge, die jeder nur aufreisst und sofort wegwirft.

my PC
03
13.3.2010, 11:35
Nachem der Papierpeis in den letzen 2 Jahren um ca. 30% gesunken ist,

werden ein paar Prozent Preiserhöhung wohl keine Katastrophe bewirken. Schließlich sind auch die Rohstoffpreise (Strom, Gas, Öl. Holz, etc.) kräftig angestiegen. Vielleicht machen sich die sehr geehrten Redakteure auch die Mühe zu recherchieren, wieviele Papiererzeuger alleine in Österreich in den letzten Monaten wegen Absatzproblemen die Produktion zeitweise stillegen mussten und wieviele Fabriken in Skandinavien deshalb für immer geschlossen wurden. Das relativiert die Meldung dann doch wieder etwas. Aussedem stellen die Papierkosten einer Zeitung nur einen Teil der Gesamtkosten dar.

stuffy
07
13.3.2010, 07:39
Dann besteht ja die Hoffnung

Das das Postkastel nicht täglich randvoll mit lauter Werbung ist - es ist mittlerweile schon so viel geworden, dass ich es gar nicht mehr lesen kann/mag, es wandert ungeschaut in den Papiermüll!

Lorf
 
00
14.3.2010, 12:15

das ist mir auch dermaßen auf den Senkel gegangen, dass ich jetzt gar keine Werbung mehr zulasse. Permanent den Papiermüll runtertragen, wegen tonnenweiser Werbeprospekte, die ich gar nie wollte.

Werbung, nein danke am Postkastl wirkt Wunder.

Hermann Sadlo
 
10
13.3.2010, 19:16
Werbung

Werbung ist auch Information!
Man kanns ja nachher auch noch wegwerfen - in Wien gibts eigene Papiercontainer.

Dann gibts noch den "broncoo", der sich Gedanken über die Farbdeckung im Zusammenhang mit sprießenden Pflanzen macht (Offsetfarben sind Naturprodukte)

Der Grund dürfte sein, dass die meisten Poster gar nicht lesen können - aber die Gratiszeitung nehmen sie gerne und schmeissen sie dann irgendwo hin

broncoo
00
14.3.2010, 11:47

wußte nicht, daß das "Naturprodukte" sind, glaub's Ihnen aber ...

Werbung ist aber eher DESINFORMATION, als Information - glauben Sie MIR!

Warum brauch ich ein "Bitte keine Werbung"-Picker - es sollte umgekehrt sein müssen!

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