Betont werden etwa die öffentliche Verantwortung für höhere Bildung - Künftig soll mehr auf die Studenten gehört werden
Wien - Es war der junge rumänische Minister Daniel Funeriu, der bei der Abschlusspressekonferenz der "Bologna Anniversary Conference" am Freitag in der Hofburg das überzeugendste Plädoyer für "Bologna" hielt. In wenigen Worten (und in perfektem Englisch) sagte der erst 38-jährige Minister für Erziehung und Forschung, was "Bologna" sein könnte, wenn es denn schon wäre, was es eigentlich sein sollte.
"Bologna" sei eine "Global Brand" , eine Weltmarke, sagte Funeriu, und der "Bologna" -Prozess eine "exzellente Möglichkeit, um unsere europäischen Werte zu verbreiten und voneinander zu lernen" . Darum seien die Studierenden "die beste Investition in die Zukunft" . Ihnen rief Funeriu (Demokratisch-liberale Partei) zu: "Lasst uns nicht gegen das Nichtgelungene von gestern kämpfen, sondern gemeinsam den Kampf um die Zukunft aufnehmen."
Warum Funeriu so authentisch wirkte in der Ministerrunde, zeigt ein Blick in seine Vita. Er verkörpert quasi die grenzüberschreitende Idee von "Bologna" . Bevor er im Jänner 2010 Minister wurde (kurzzeitig war er 2009 EU-Abgeordneter), war der Chemiker Leiter der EU Marie Curie Excellence-Forschungsgruppe an der TU München, davor forschte er in Japan, den USA und Frankreich.
In der von den nunmehr 47 Bologna-Staaten verabschiedeten, zweiseitigen "Budapest-Vienna Declaration on the European Higher Education Area" sah Funeriu denn auch eine "starke Vision" .
In dieser Deklaration fällt auf, dass die Minister explizit auf die Studentenproteste Bezug nehmen und sie als Erinnerung daran interpretieren, dass - trotz "signifikanter Fortschritte" - einige der "Bologna" -Ziele noch nicht adäquat implementiert wurden. So hapere es bei der Umstellung und Anerkennung der Abschlüsse und Studienpläne, auch bei Mobilität, Qualitätssicherung und sozialen Aspekten gebe es noch Defizite. Die Minister wollen künftig "den kritischen Stimmen aus den Universitäten und von den Studierenden zuhören" - was die Vorsitzende der Europäischen Studierendenunion (ESU), die Rumänin Ligia Deca, die Konferenz "zufrieden" resümieren ließ.
Die Politiker bekennen sich in dem Papier aber auch dazu, dass höhere Bildung eine Aufgabe der öffentlichen Hand ist, besondere Aufmerksamkeit müsse dabei auf "unterrepräsentierte Gruppen" gelegt werden, schreiben sie.
Das Resümee der Gastgeber - Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) und ihr ungarischer Kollege István Hiller - fiel kritisch positiv aus. Hiller nannte "Bologna" den "einzig möglichen Weg für uns, auch wenn ich zustimme, dass er noch nicht perfekt ist" .
"Bologna reloaded"
Karl kündigte ein "Bologna reloaded" an - mit mehr Flexibilität auf allen Ebenen. Experten sollen Curricula weiterentwickeln, das Ministerium will sich dazu stärker mit den Unis austauschen. Karl will auch die Mobilität zwischen den Unis verbessern, die Anerkennung des Bachelor im öffentlichen Dienst forcieren und eine Arbeitsgruppe beauftragen, die prüfen soll, ob auch Jus, Pharmazie (derzeit noch alte Diplomstudien) und technische Fächer (dreijähriger Bachelor) auf vierjährige Bachelor umgestellt werden sollen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2010)