Bologna-Jubiläum

Minister beschlossen Deklaration

12. März 2010 17:52

Betont werden etwa die öffentliche Verantwortung für höhere Bildung - Künftig soll mehr auf die Studenten gehört werden

Wien - Es war der junge rumänische Minister Daniel Funeriu, der bei der Abschlusspressekonferenz der "Bologna Anniversary Conference" am Freitag in der Hofburg das überzeugendste Plädoyer für "Bologna" hielt. In wenigen Worten (und in perfektem Englisch) sagte der erst 38-jährige Minister für Erziehung und Forschung, was "Bologna" sein könnte, wenn es denn schon wäre, was es eigentlich sein sollte.

"Bologna" sei eine "Global Brand" , eine Weltmarke, sagte Funeriu, und der "Bologna" -Prozess eine "exzellente Möglichkeit, um unsere europäischen Werte zu verbreiten und voneinander zu lernen" . Darum seien die Studierenden "die beste Investition in die Zukunft" . Ihnen rief Funeriu (Demokratisch-liberale Partei) zu: "Lasst uns nicht gegen das Nichtgelungene von gestern kämpfen, sondern gemeinsam den Kampf um die Zukunft aufnehmen."

Warum Funeriu so authentisch wirkte in der Ministerrunde, zeigt ein Blick in seine Vita. Er verkörpert quasi die grenzüberschreitende Idee von "Bologna" . Bevor er im Jänner 2010 Minister wurde (kurzzeitig war er 2009 EU-Abgeordneter), war der Chemiker Leiter der EU Marie Curie Excellence-Forschungsgruppe an der TU München, davor forschte er in Japan, den USA und Frankreich.

In der von den nunmehr 47 Bologna-Staaten verabschiedeten, zweiseitigen "Budapest-Vienna Declaration on the European Higher Education Area" sah Funeriu denn auch eine "starke Vision" .

In dieser Deklaration fällt auf, dass die Minister explizit auf die Studentenproteste Bezug nehmen und sie als Erinnerung daran interpretieren, dass - trotz "signifikanter Fortschritte" - einige der "Bologna" -Ziele noch nicht adäquat implementiert wurden. So hapere es bei der Umstellung und Anerkennung der Abschlüsse und Studienpläne, auch bei Mobilität, Qualitätssicherung und sozialen Aspekten gebe es noch Defizite. Die Minister wollen künftig "den kritischen Stimmen aus den Universitäten und von den Studierenden zuhören" - was die Vorsitzende der Europäischen Studierendenunion (ESU), die Rumänin Ligia Deca, die Konferenz "zufrieden" resümieren ließ.

Die Politiker bekennen sich in dem Papier aber auch dazu, dass höhere Bildung eine Aufgabe der öffentlichen Hand ist, besondere Aufmerksamkeit müsse dabei auf "unterrepräsentierte Gruppen" gelegt werden, schreiben sie.

Das Resümee der Gastgeber - Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) und ihr ungarischer Kollege István Hiller - fiel kritisch positiv aus. Hiller nannte "Bologna" den "einzig möglichen Weg für uns, auch wenn ich zustimme, dass er noch nicht perfekt ist" .

"Bologna reloaded"

Karl kündigte ein "Bologna reloaded" an - mit mehr Flexibilität auf allen Ebenen. Experten sollen Curricula weiterentwickeln, das Ministerium will sich dazu stärker mit den Unis austauschen. Karl will auch die Mobilität zwischen den Unis verbessern, die Anerkennung des Bachelor im öffentlichen Dienst forcieren und eine Arbeitsgruppe beauftragen, die prüfen soll, ob auch Jus, Pharmazie (derzeit noch alte Diplomstudien) und technische Fächer (dreijähriger Bachelor) auf vierjährige Bachelor umgestellt werden sollen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2010)

Liebe zum Leben
13.03.2010 16:00

Die Liebe ist das wichtigste im Leben. Sie erweckt Glück, fördert den Frieden, und hilft Tiefs zu überstehen. Umarmt euch und gebt euch die Hand. Es wird alles gut werden.

Claus_W
13.03.2010 12:37
Schön währe es

wenn nicht nur davon geredet wird das "mehr" auf die Studenten gehört wird sondern auch so gehandelt wird.

Bisher sind es nur leere Worte, kein "Student" wurde zum Gipfel eingeladen, keiner durfte hinein, es gibt keine "Diskussion" es gibt nur Worte. Leere Worte.


Hier Fotos für alle die nicht dabei waren...
http://www.flickr.com/photos/ph... 3480321193
http://www.flickr.com/photos/da... 477399495/

Mzungu Stefan
13.03.2010 14:42

Soweit ich weiß, wurde die "Bewegung" in die Hofburg eingeladen. Man hat sogar der Bewegung aktive Beteiligung angeboten. Doch lehnte diese ab, aus Angst, in den Medien falsch rüberzukommen. Innerhalb der Bewegung gab es darüber sogar Streits.

Ich finde, die Bewegung hat dabei eine wichtige Option fallen lassen. Es hätte meiner Meinung nach nicht geschmerzt, am Gipfel sich einzubringen UND zu demonstrieren. Hätte jeder verstanden....

Letztlich entschloss sich die Bewegung, nur einen Infostand in der Hofburg aufzubauen. Ich weiß allerdings nicht, was daraus geworden ist. Meine Info ist ein paar Wochen alt.

SiSe
18.03.2010 11:34

Als einer von vielen, die von Anfang an der von Ihnen geschilderten Einladung und dem daraus schließenden Konzept mitgearbeitet hat, kann ich Ihnen mitteilen, dass wir nur in den "Public Space" eingeladen waren - aber nicht auf den direkten Gipfel.
Der "Public Space" selbst wurde spätestens dann zur Farce, als Polizisten die Eingangstüre bewachten und Akkreditierungen bzw. Ausweiskontrollen verlangten (obgleich man dazu sagen muss, dass dafür das BMI und nicht BMWF verantwortlich ist).

siehe dazu auch: http://unsereuni.at/?p=15058&lang=de

kitycat
15.03.2010 12:40
Public Space in der Hofburg und Demokratie

Der "Public Space" in der Hofburg war kein Forum, sondern ein "Ausstellungsraum" für die Öffentlichkeit. Mit Mitbestimmung hatte das nichts zu tun. Die drückt sich darin aus, dass auch entsprechende Strukturen zur Verfügung stehen. Eben diese Strukturen wurden aber im UG 02 weiter rückgebaut, neue undemokratische Srukturen wie der Unirat geschaffen. Auf dem Gipfel wird diese UG 02 als ein Exzellenzbeispiel für eine erfolgreich Umsetzung der Bolognareform gehandelt.
Es ging also nicht darum "in den Medien falsch rüber zu kommen", sondern nicht den tatsächlichen Demokratieabbau durch Teilnahme am Public Sace (der keine Partizipationsmöglichkeiten vorsah) als kritisches Feigenblatt zu legitimieren.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.