Soziale Netzwerke

Reuters gibt vor: "Don't scoop the wire!"

von Sabine Bürger  |  12. März 2010, 18:11
  • Artikelbild: Reuters hat Guidelines fürTwitter und Co erstellt. - Foto: AP/Stephen Haas

    Reuters hat Guidelines für
    Twitter und Co erstellt.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte diese Woche Robert Gibbs, den Sprecher des Weißen Hauses, den Blogger Yoani Sanchez in einer Geschichte über einen kubanischen Dissidenten oder den früheren Late-Night-Host Conan O'Brien mit deren Twitter-Kurzmeldungen. Von Berührungsängsten kann also keine Rede sein. Trotzdem hat Reuters nun strenge Regeln für den Umgang mit sozialen Netzwerken aufgestellt.

Wichtigste Regel: Zuerst wird die Nachricht an die Kunden geschickt, dann erst getwittert. Nach dem Grundsatz: "Don't scoop the wire!" Und selbst für 140 Zeichen auf Twitter gibt es Vorgaben: Erst lesen, wenn möglich gegenlesen lassen, dann posten. Und wer twittern will, muss sich das von Vorgesetzten absegnen lassen.

Reuters erinnert auch an den digitalen Fußabdruck. Berufliches und Privates sei im Netz kaum zu trennen. Wem gefolgt wird, wessen Freund man ist, könnte Zweifel an der journalistischen Objektivität aufkommen lassen. Und nicht zuletzt: Quellen, Kollegen oder Konkurrenten lesen mit.

Auch wenn es strenge, teilweise zu strenge, Regeln und Einschränkungen sind, ist es doch bemerkenswert, dass Social Media im "Handbook of Journalism" angekommen ist.

PS: Dieser Beitrag beruht auf dem Sechs-Augen-Prinzip ;-)

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t-bonesteak 
12.03.2010 18:58
diese "zu strengen regeln"

sind das erfolgsrezept von nachrichtenagenturen wie reuters und co.

derStandard.at/Etat 
12.03.2010 21:02

Nicht zu strenge, sondern teilweise zu strenge Regeln. In Bezug auf Double-Check bei Tweets zum Beispiel. (sb)

joe steele
14.03.2010 22:23

warum soll das auch nur "teilweise" zu streng sein? wenn reuters etwas tweetet wird es zwangsläufig wie eine reuters-meldung wahrgenommen. was nun wenn da ein fehler drin ist oder die twitter-nachricht von der ursprünglichen abweicht? das schadet der reputation und letztlich dem geschäft.

ama gütesiegel
12.03.2010 20:58
der erfolg der nachrichtenagenturen

beruhte in der vergangenheit vor allem auf dem verbreitungsmonopol. zu den nachrichtentickern hatten im großen und ganzen in der vor-internetzeit nur die agenturgenossenschafter zugang, der "erfolg" war also mehr oder weniger auf die technische monopolstellung zurückzuführen - was nicht heißt, dass sie ihre arbeit schlecht gemacht hätten.

dass das allein im internetzeitalter nicht mehr funktioniert, müssen derzeit beispielsweise AP oder dpa derzeit leidvoll efahren, deren kundenstamm wegschmilzt wie schnee in der frühlingssonne. und auch die apa wäre ohne ihre töchter, die nur mehr im weitesten sinne etwas mit journalismus zu tun haben, seit jahrzehnten massiv defizitär.

t-bonesteak 
12.03.2010 21:07
die apa

sehe ich nicht in einer liga mit reuters, bloomberg, dow jones newswires, ap oder afp

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