Stefan Maierhofer ist in England vorerst gescheitert. Bei Nachzügler Wolverhampton ist er eine Bank für die Bank. "Stürmer, die nicht spielen, treffen nie"
Standard: Am Sonntag findet das Derby Rapid gegen Austria statt. Empfinden Sie Wehmut?
Maierhofer: Das sind die Spiele, bei denen ganz Österreich zuschaut. Das Hanappi-Stadion ist ein Klassiker. Ich erinnere mich an mein erstes Derby, da habe ich gleich zwei Tore geschossen, das werde ich nie vergessen. Rapid gegen Austria ist einzigartig.
Standard: Also Wehmut?
Maierhofer: Nein, ich bin jetzt in England. Ich freue mich vor allem für die jungen Kollegen von Rapid, dass sie dabei sein dürfen.
Standard: Ihr Traum war es, in der Premier League unterzukommen. Viele Leute, auch Journalisten, haben das für ein Hirngespinst eines Größenwahnsinnigen gehalten. Sie haben es trotzdem geschafft. Die Wirklichkeit ist aber, dass Sie bei Wolverhampton praktisch nie zum Einsatz kommen. Wieso?
Maierhofer: Ich hatte mir das Ziel gesteckt, bis zum Winter in die Mannschaft zu rutschen. Einen besseren Start konnte es nicht geben, ich wurde eingewechselt, habe ein Tor erzielt. Gut, wir haben klar verloren. Trainer McCarthy hat mir danach nie eine Chance gegeben, länger zu spielen - obwohl er mich gelobt hat.
Standard: Können Sie sich das erklären?
Maierhofer: Nein, ich bin ja nicht einer, der aus Österreich nach England kommt, und sagt, hallo, da bin ich, jetzt spiele ich. Aber der Trainer müsste doch endlich etwas ändern, wir verlieren nur, schießen keine Goals. Er stellte lieber auf eine Solospitze um.
Standard: Sie wurden immer mit großem Selbstbewusstsein verbunden. Das lag auch an Ihrer Geschichte, die in Langenrohr begonnen und fast auch geendet hat. Sind Sie seelisch angeknackst?
Maierhofer: Nein, ich weiß, was ich kann. Ich stelle mich nicht hin und behaupte, ich bin der beste Fußballer. Ich bin kein Ronaldo, kein Ronaldinho, die haben Mörderschmähs drauf. Aber wenn ich im Strafraum drinnen bin, kann ich eine Waffe sein, das hat mir sogar Felix Magath bestätigt. Bekomme ich Bälle, haue ich sie rein. Bei Rapid habe ich 80 Prozent meiner Tore mit dem ersten Ballkontakt erzielt. Mir ist das gar nicht aufgefallen, der Pressesprecher hat es mir unlängst erzählt.
Standard: Gibt es irgendetwas Positives aus England zu berichten?
Maierhofer: Ich habe die Sprache gelernt, mein Englisch war vorher nicht gut, sogar sehr schlecht. Jetzt kann ich mich normal mit den Leuten verständigen. Für einen Menschen ist es wichtig und nie zu spät, eine zweite Sprache zu lernen. Oft sitze ich bei meinen Nachbarn in Birmingham. Wir unterhalten uns stundenlang über Gott und die Welt. Das ist schön.
Standard: Sie wurden in Österreich regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, dass der Maierhofer eigentlich nicht kicken kann. Hat Sie das geschmerzt? Oder war es eher ein Antrieb?
Maierhofer: Eindeutig ein Antrieb. Denen wollte ich es zeigen. In Österreich ist alles mit Neid verbunden. Ich bin von Langenrohr zu den Bayern-Amateuren gegangen, spielte ein paar Minuten bei den Profis, kam über die zweite deutsche Liga zu Rapid, wurde Meister. Ich habe nur ganz knapp den Sprung zur EURO verpasst. Sagt einer, ich kann nicht Fußball spielen, antworte ich: Okay, dann kann ich es halt nicht.
Standard: Fakt ist: Sie sind kein Thema mehr fürs Nationalteam. Ist der Preis nicht zu hoch?
Maierhofer: Ich hatte mit Teamchef Constantini ein super Telefonat. Sobald ich Leistung zeigen darf, werde ich dabei sein. Janko, Beichler oder Wallner laufen in Österreich Woche für Woche auf. Das Argument, ich bin im Ausland, gilt ohne Matchpraxis nicht.
Standard: Rapid war ja auch keine schlechte Adresse, oder?
Maierhofer: Rapid war eine super Adresse. Nicht falsch verstehen, aber ich wollte nicht ein Leben lang zweimal im Jahr nach Mattersburg, Kapfenberg oder Ried fahren. Okay, das Hanappi war toll. Sonst war es immer dasselbe.
Standard: Haben Sie die Träume zu hoch angesetzt? Wobei Sie natürlich wussten, dass Sie für Manchester nie ein Thema sein können.
Maierhofer: Ich bin nicht 36 und muss sagen, es ist vorbei. Ich komme in die besten Jahre. Vielleicht muss ich das als Lehrjahr anerkennen. Ich weiß, dass ich in der Premier League mitspielen könnte. Mit meinen Qualitäten, meiner Statur. Nur lässt man mich meine Vorzüge nicht zeigen. Stürmer, die nicht spielen, treffen nie.
Standard: Ihr ehemaliger Sturmpartner Erwin Hoffer hat ein ähnliches Schicksal. Er schaut auch zu, halt in Neapel, dort ist es wenigstens wärmer. Gibt es Kontakt?
Maierhofer: Ja, einmal in der Woche telefonieren wir. Es sind unterschiedliche Gründe. Ich bin in eine Mannschaft gekommen, die gegen den Abstieg spielt. Da sollte man eigentlich etwas ändern. Neapel hatte einen schwierigen Start, dann wurden die Leute, die Hoffer geholt hatten, abgesetzt. Danach lief es gut, Neapel mischt oben mit. Da ist es schwierig, reinzukommen - weil es funktioniert.
Standard: Was hat der österreichische Fußball von Legionären, die nicht spielen?
Maierhofer: Es gibt ja auch welche, die spielen. Ich habe nur ein Leben, und in diesem Leben möchte ich etwas sehen. Darum geht es.
Standard: Sie sind gelernter Koch. Hilft diese Bodenständigkeit, Tiefschläge besser zu verkraften?
Maierhofer: Ja, ich kenne das normale Leben, habe den ersten Profivertrag mit 25 unterschrieben. Ich habe im Gasthaus meiner Eltern täglich bis zu 16 Stunden gearbeitet. Ich hab es gerne gemacht.
Standard: Ist Ihre Karriere als Fußballer immer noch ein Märchen oder eine gewöhnliche Geschichte?
Maierhofer: Ich bin gerade in der Mitte von einem Buch. Der Anfang war hervorragend, jetzt sind ein paar unspannende, fast leere Seiten drin. Aber ich hoffe, dass der Schluss einzigartig wird.
Standard: Wo sehen Sie sich in zwei oder drei Jahren?
Maierhofer: Ich möchte auf der Insel bleiben, die englische Liga ist die beste. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 13.3. 2010)
Zur Person:
Stefan Maierhofer (27), geboren in Gablitz (NÖ),
202 Zentimeter hoch, stürmte für Tulln, Vienna, Langenrohr,
Bayern-Amateure, Koblenz und Fürth. Im Jänner 2008 kam er zu Rapid,
wurde Meister, schoss in 49 Partien 31 Tore. Im September 2009
wechselte er zu Wolverhampton (Vertrag bis 2012). Zehnmal kickte er im
ÖFB-Team (ein Tor gegen die Färöer).