Maierhofer im Interview

"Ich bin gerade in der Mitte von einem Buch"

Christian Hackl, 12. März 2010, 18:11

Stefan Maierhofer ist in England vorerst gescheitert. Bei Nachzügler Wolverhampton ist er eine Bank für die Bank. "Stürmer, die nicht spielen, treffen nie"

Standard: Am Sonntag findet das Derby Rapid gegen Austria statt. Empfinden Sie Wehmut?

Maierhofer: Das sind die Spiele, bei denen ganz Österreich zuschaut. Das Hanappi-Stadion ist ein Klassiker. Ich erinnere mich an mein erstes Derby, da habe ich gleich zwei Tore geschossen, das werde ich nie vergessen. Rapid gegen Austria ist einzigartig.

Standard: Also Wehmut?

Maierhofer: Nein, ich bin jetzt in England. Ich freue mich vor allem für die jungen Kollegen von Rapid, dass sie dabei sein dürfen.

Standard: Ihr Traum war es, in der Premier League unterzukommen. Viele Leute, auch Journalisten, haben das für ein Hirngespinst eines Größenwahnsinnigen gehalten. Sie haben es trotzdem geschafft. Die Wirklichkeit ist aber, dass Sie bei Wolverhampton praktisch nie zum Einsatz kommen. Wieso?

Maierhofer: Ich hatte mir das Ziel gesteckt, bis zum Winter in die Mannschaft zu rutschen. Einen besseren Start konnte es nicht geben, ich wurde eingewechselt, habe ein Tor erzielt. Gut, wir haben klar verloren. Trainer McCarthy hat mir danach nie eine Chance gegeben, länger zu spielen - obwohl er mich gelobt hat.

Standard: Können Sie sich das erklären?

Maierhofer: Nein, ich bin ja nicht einer, der aus Österreich nach England kommt, und sagt, hallo, da bin ich, jetzt spiele ich. Aber der Trainer müsste doch endlich etwas ändern, wir verlieren nur, schießen keine Goals. Er stellte lieber auf eine Solospitze um.

Standard: Sie wurden immer mit großem Selbstbewusstsein verbunden. Das lag auch an Ihrer Geschichte, die in Langenrohr begonnen und fast auch geendet hat. Sind Sie seelisch angeknackst?

Maierhofer: Nein, ich weiß, was ich kann. Ich stelle mich nicht hin und behaupte, ich bin der beste Fußballer. Ich bin kein Ronaldo, kein Ronaldinho, die haben Mörderschmähs drauf. Aber wenn ich im Strafraum drinnen bin, kann ich eine Waffe sein, das hat mir sogar Felix Magath bestätigt. Bekomme ich Bälle, haue ich sie rein. Bei Rapid habe ich 80 Prozent meiner Tore mit dem ersten Ballkontakt erzielt. Mir ist das gar nicht aufgefallen, der Pressesprecher hat es mir unlängst erzählt.

Standard: Gibt es irgendetwas Positives aus England zu berichten?

Maierhofer: Ich habe die Sprache gelernt, mein Englisch war vorher nicht gut, sogar sehr schlecht. Jetzt kann ich mich normal mit den Leuten verständigen. Für einen Menschen ist es wichtig und nie zu spät, eine zweite Sprache zu lernen. Oft sitze ich bei meinen Nachbarn in Birmingham. Wir unterhalten uns stundenlang über Gott und die Welt. Das ist schön.

Standard: Sie wurden in Österreich regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, dass der Maierhofer eigentlich nicht kicken kann. Hat Sie das geschmerzt? Oder war es eher ein Antrieb?

Maierhofer: Eindeutig ein Antrieb. Denen wollte ich es zeigen. In Österreich ist alles mit Neid verbunden. Ich bin von Langenrohr zu den Bayern-Amateuren gegangen, spielte ein paar Minuten bei den Profis, kam über die zweite deutsche Liga zu Rapid, wurde Meister. Ich habe nur ganz knapp den Sprung zur EURO verpasst. Sagt einer, ich kann nicht Fußball spielen, antworte ich: Okay, dann kann ich es halt nicht.

Standard: Fakt ist: Sie sind kein Thema mehr fürs Nationalteam. Ist der Preis nicht zu hoch?

Maierhofer: Ich hatte mit Teamchef Constantini ein super Telefonat. Sobald ich Leistung zeigen darf, werde ich dabei sein. Janko, Beichler oder Wallner laufen in Österreich Woche für Woche auf. Das Argument, ich bin im Ausland, gilt ohne Matchpraxis nicht.

Standard: Rapid war ja auch keine schlechte Adresse, oder?

Maierhofer: Rapid war eine super Adresse. Nicht falsch verstehen, aber ich wollte nicht ein Leben lang zweimal im Jahr nach Mattersburg, Kapfenberg oder Ried fahren. Okay, das Hanappi war toll. Sonst war es immer dasselbe.

Standard: Haben Sie die Träume zu hoch angesetzt? Wobei Sie natürlich wussten, dass Sie für Manchester nie ein Thema sein können.

Maierhofer: Ich bin nicht 36 und muss sagen, es ist vorbei. Ich komme in die besten Jahre. Vielleicht muss ich das als Lehrjahr anerkennen. Ich weiß, dass ich in der Premier League mitspielen könnte. Mit meinen Qualitäten, meiner Statur. Nur lässt man mich meine Vorzüge nicht zeigen. Stürmer, die nicht spielen, treffen nie.

Standard: Ihr ehemaliger Sturmpartner Erwin Hoffer hat ein ähnliches Schicksal. Er schaut auch zu, halt in Neapel, dort ist es wenigstens wärmer. Gibt es Kontakt?

Maierhofer: Ja, einmal in der Woche telefonieren wir. Es sind unterschiedliche Gründe. Ich bin in eine Mannschaft gekommen, die gegen den Abstieg spielt. Da sollte man eigentlich etwas ändern. Neapel hatte einen schwierigen Start, dann wurden die Leute, die Hoffer geholt hatten, abgesetzt. Danach lief es gut, Neapel mischt oben mit. Da ist es schwierig, reinzukommen - weil es funktioniert.

Standard: Was hat der österreichische Fußball von Legionären, die nicht spielen?

Maierhofer: Es gibt ja auch welche, die spielen. Ich habe nur ein Leben, und in diesem Leben möchte ich etwas sehen. Darum geht es.

Standard: Sie sind gelernter Koch. Hilft diese Bodenständigkeit, Tiefschläge besser zu verkraften?

Maierhofer: Ja, ich kenne das normale Leben, habe den ersten Profivertrag mit 25 unterschrieben. Ich habe im Gasthaus meiner Eltern täglich bis zu 16 Stunden gearbeitet. Ich hab es gerne gemacht.

Standard: Ist Ihre Karriere als Fußballer immer noch ein Märchen oder eine gewöhnliche Geschichte?

Maierhofer: Ich bin gerade in der Mitte von einem Buch. Der Anfang war hervorragend, jetzt sind ein paar unspannende, fast leere Seiten drin. Aber ich hoffe, dass der Schluss einzigartig wird.

Standard: Wo sehen Sie sich in zwei oder drei Jahren?

Maierhofer: Ich möchte auf der Insel bleiben, die englische Liga ist die beste. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 13.3. 2010)

Zur Person:
Stefan Maierhofer (27), geboren in Gablitz (NÖ), 202 Zentimeter hoch, stürmte für Tulln, Vienna, Langenrohr, Bayern-Amateure, Koblenz und Fürth. Im Jänner 2008 kam er zu Rapid, wurde Meister, schoss in 49 Partien 31 Tore. Im September 2009 wechselte er zu Wolverhampton (Vertrag bis 2012). Zehnmal kickte er im ÖFB-Team (ein Tor gegen die Färöer).

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roter
00
15.3.2010, 15:21
1 monat leihweise zu bistrol

laut sportnet spielt das nächste kapitel seines buches in Bistrol.

http://www.sportnet.at/blitzwech... istol.urla

kernoeljunkie
00
15.3.2010, 11:59

ich muss zugeben, er klingt äußerst sympatisch.

tramezzino
00
15.3.2010, 09:33
und ansonsten

gibt´s ja noch immer die 2. liga in norwegen. da gibt´s guten fisch und den kann man dann frisch im gasthaus zubereiten.

Rondocor
04
14.3.2010, 09:05
Der beste Fußballer der je in Österreich spielte! Eine Legende!

subscriborg
03
13.3.2010, 20:56

ich hab ihn ja nicht gemocht, aber der hat schon eine coole art was aus sich zu machen.

M_DeNiro
21
13.3.2010, 20:32

das buch hat er sicher irgendwann im jahre 1990 begonnen.

sss3
00
13.3.2010, 18:11

JETZT Fan von Stefan werden, nur EUR 20,- pro Jahr:

http://www.stefan-maierhofer.com/index.php... te=fanclub

Zocker aus Leidenschaft
00
14.3.2010, 00:04
OMG

er hat ein foto von sich und zizou drin *beneid*

http://www.stefan-maierhofer.com/index.php... site=fotos

devianz
30
13.3.2010, 18:09

wau 27, und er liest sein erstes buch.

cuniculus
05
13.3.2010, 19:54

Er kann wenigstens ein Buch lesen, Sie offensichtlich nichtmal ein Interview.

Ösistan muß sich hinterfragen!
12
13.3.2010, 17:37
Da ufert wieder der Neid der Rapidlemminge aus


"Bin in der Mitte eines Buches angelangt"

Lesen - ein unerreichbarer Traum eines Vorstadtproleten

live 1982
10
13.3.2010, 16:52
ja ein 5 seiten buch

kinderbuch malen nach zahlen

TheLaw
41
13.3.2010, 15:51
Sein KÖNNEN als Fußballer spiegelt das ANSEHEN unseres Fußballs in der Fußballwelt. NIX. NULL. VORBEI!

Strich Punkt
01
13.3.2010, 15:00
Wir glauben an dich Stefan!!!

Das wird schon! Er ist eine sehr starke Persönlichkeit und sicher nicht der schlechteste Kicker. Er kann das schaffen!

tiqui taca
21
13.3.2010, 14:03
Ich bin nicht 36 und muss sagen, es ist vorbei

fussballerisch ist er schon 40 und wenn er nicht zu rapid zurückgeht, wird er gar nicht mehr kicken. jedes märchen hat ein ende...

Wenns kein Fleisch mehr gibt,Ess ich Vegetarier
 
11
13.3.2010, 13:19
Cooles Interview!

lk zu
00
13.3.2010, 13:12
...ohne worte...

...ich wollte nicht ein Leben lang zweimal im Jahr nach Mattersburg, Kapfenberg oder Ried fahren. Okay, das Hanappi war toll. Sonst war es immer dasselbe...

Hans-Jörg Schwabel
27
13.3.2010, 13:10
Irgendwie find' ich den Typen Klasse!

Und noch ein letztes Mal: Diejenigen, die ihm vorwerfen, er könne nicht Fußball spielen, sei gesagt, daß er nie für einen Feinmotoriker gehalten wurde. Der Typ will einfach nur Tore schießen. Und das macht er auch, wenn er die Chance dazu bekommt.

Alles Gute auf der Insel, oder wo auch immer!

BrassMonkey
 
02
13.3.2010, 12:46

hab nach der überschrift schon befürchtet, dass er grad ein buch schreibt....

Lorenzo von Matterhorn
 
10
13.3.2010, 13:50

ich auch, aber dann habe ich gesehen, wer das Interview gegeben hat...

lobo marunga
02
13.3.2010, 12:23

also mir taugt er - er kann doch machen was er will - ist ausschließlich sich selbst verantwortlich. alle die glauben so schlau zu sein die sollen es doch selber besser machen.

Andy Peanut
00
13.3.2010, 11:55
Man kann von ihm halten was man will

aber seinen Weg macht ihm so schnell sicher niemand nach!

WIGGTOR
10
13.3.2010, 14:06

Von welchem sooo tollen Weg reden hier alle????
Nach England fahren und Bücher lesen,...??????

Maynard James Keenan13
01
14.3.2010, 18:46

ich glaub so schlecht kann er net gewesen sein, wenn er zu den bayern gefahren ist und nach einem probetraining unter vertrag genommen wurde. ich mein er ist kein feinmotoriker aber er hat eine statur die als stürmer mit sicherheit kein nachteil ist, und immerhin hat er sein ziel - einmal in der englischen liga zu spielen - erreicht.
ich find eigentlich nur, dass der schritt von rapid wegzugehen von mut zeugt. mut den ein marc janko, der sicher ein besserer fussballer ist, einfach nicht hat. insofern sollte man dem maierhofer zumindest respekt zollen, ob man ihn deswegen mag ist eine andere geschichte.

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