Seit 2008 nahmen sich mehr als 40 Mitarbeiter das Leben, Arbeitsinspektoren sprechen von unzureichenden Vorsorgemaßnahmen
Paris - Die französische Telefongesellschaft France Telecom gerät
wegen der Selbstmordserie bei ihren Mitarbeitern immer stärker unter Druck. Das
Unternehmen sei im Zusammenhang mit dem Selbstmord eines
France-Telecom-Technikers über ein "ernstes Risiko" informiert gewesen, heißt es
in einem Untersuchungsbericht von Inspektoren des Arbeitsministeriums, der am Freitag vorlag.
Die Leitung der Abteilung des Technikers habe von Betriebsärzten und aus dem
Gutachten eines Beratungsunternehmens von dem "ernsten Risiko für die geistige
Gesundheit der Angestellten" der Abteilung gewusst. Es seien aber "keine
ausreichenden Vorsorgemaßnahmen" getroffen worden.
Der Bericht der Arbeitsinspektoren wurde Ende Jänner dem Vorgesetzten des
Technikers geschickt. Darin heißt es, der Bericht sei auch der Justiz
übermittelt worden, weil das Leben anderer "wissentlich in Gefahr gebracht
worden" sei und das Arbeitsrecht vorschreibe, dass der Arbeitgeber die für die
Sicherheit seiner Arbeitgeber notwendigen Maßnahmen treffen müsse.
Der 28-jährige Techniker hatte sich im August 2009 das Leben genommen. Ein
Gewerkschafter sagte damals, der Mann sei auf einen Posten versetzt worden, den
er als "abqualifizierend" empfunden habe. Die Staatsanwaltschaft der Stadt
Besancon erklärte dagegen, es sei "unmöglich", einen formellen Zusammenhang
zwischen den beruflichen Problemen des Technikers und seinem Selbstmord
herzustellen. In ihrem Bericht schrieben die Arbeitsinspektoren nun, von den in
einem Abschiedsbrief des Mannes aufgeführten Gründen für den Selbstmord stünden
"einige in Verbindung zur Arbeit."
Seit 2008 haben sich mehr als 40 Mitarbeiter von France Telecom das Leben
genommen. Die Gewerkschaften machen dafür den rasanten Konzernumbau
mitverantwortlich, durch den viele Mitarbeiter versetzt und Arbeitsabläufe
verändert würden. (APA)