Selbstmordserie

Schwere Vorwürfe gegen France Telecom

12. März 2010 17:16

Seit 2008 nahmen sich mehr als 40 Mitarbeiter das Leben, Arbeits­inspektoren sprechen von unzu­reichenden Vorsorgemaßnahmen

Paris - Die französische Telefongesellschaft France Telecom gerät wegen der Selbstmordserie bei ihren Mitarbeitern immer stärker unter Druck. Das Unternehmen sei im Zusammenhang mit dem Selbstmord eines France-Telecom-Technikers über ein "ernstes Risiko" informiert gewesen, heißt es in einem Untersuchungsbericht von Inspektoren des Arbeitsministeriums, der am Freitag vorlag.

Die Leitung der Abteilung des Technikers habe von Betriebsärzten und aus dem Gutachten eines Beratungsunternehmens von dem "ernsten Risiko für die geistige Gesundheit der Angestellten" der Abteilung gewusst. Es seien aber "keine ausreichenden Vorsorgemaßnahmen" getroffen worden.

Der Bericht der Arbeitsinspektoren wurde Ende Jänner dem Vorgesetzten des Technikers geschickt. Darin heißt es, der Bericht sei auch der Justiz übermittelt worden, weil das Leben anderer "wissentlich in Gefahr gebracht worden" sei und das Arbeitsrecht vorschreibe, dass der Arbeitgeber die für die Sicherheit seiner Arbeitgeber notwendigen Maßnahmen treffen müsse.

Der 28-jährige Techniker hatte sich im August 2009 das Leben genommen. Ein Gewerkschafter sagte damals, der Mann sei auf einen Posten versetzt worden, den er als "abqualifizierend" empfunden habe. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Besancon erklärte dagegen, es sei "unmöglich", einen formellen Zusammenhang zwischen den beruflichen Problemen des Technikers und seinem Selbstmord herzustellen. In ihrem Bericht schrieben die Arbeitsinspektoren nun, von den in einem Abschiedsbrief des Mannes aufgeführten Gründen für den Selbstmord stünden "einige in Verbindung zur Arbeit."

Seit 2008 haben sich mehr als 40 Mitarbeiter von France Telecom das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen dafür den rasanten Konzernumbau mitverantwortlich, durch den viele Mitarbeiter versetzt und Arbeitsabläufe verändert würden. (APA)

Kommentar posten
24 Postings
Eva Hexe
 
15.03.2010 16:01
TA Austria

und der selbstmord eines Telekom-kollegen in dem er eindeutig der unzumutbarkeit der arbeit und der betriebsstätte sollte sowohl den betriebsrat (Gewerkschaft) als auch dem mangagement reichen um etwas auch in österreich zu tun. aber nein: "die da oben" sch.... sich in die hose, daß der abschiedsbrief publik wird und verpaßt jedem einen maulkorb deren sie habhaft werden. vor einigen jahren hieß es noch: die telekom austria ist das mitarbeiterfreundliches unternehmen in österreich. aber das ist es schon lange nimmer.

Dr. Prof. Senf
15.03.2010 07:57
France Telecom hat ca 190.000 Mitarbeiter

seit 2008 haben sich 40 das Leben genommen.
dh. ca. 20/Jahr oder andersgerechnet 11/100.000 Mitarbeiter/Jahr.

Laut WHO nehmen sich in Frankreich 17.6 Menschen pro 100.000 Einwohner im Jahr das Leben.(Das krasse is bei Männern 26.4 bei Frauen 9.2)

Sogesehen ist die Suizidrate bei France Telecome nicht über dem "Schnitt".
Aber hey damit lässt sich keine Schlagzeile verkaufen.

Leider gibt es selten interessante Beiträge über Suizid die zeigen würden wie schlimme es MIttlerweile ist. Vor allem In der westlichen Welt. Es gibt inzwichen mehr Suizidtote als Verkehrstote.
Viellcheit überdenkt mal jemand unsere jetzige Gesselschafftsform.

In Österreich nimmt sich alle 8 Stunden ein Mensch das Leben.
Pöhse France Telecom.

Mastermix
14.03.2010 09:19
War da nicht ein Statement der Telekom Austria

in dem von den wunderbaren Plänen zum MA Abbau geplaudert wurde?
Sowas wie: "dann schicken wir den nach Hause, nach ein paar Wochen kriegt er eine Aufforderung zu erscheinen, kommt er der nicht nach..."

Fox77
14.03.2010 11:56

Ja, da war was. man vermutet, dass der eine Chef den anderen dabei höchstpersönlich gefilmt hat um so zu diktatorische Alleinmacht zu kommen. So war da auch die Degradierung von zahlreiche Mitarbeiter, wo diese Mitarbeiter danach nicht drüber reden dürften, weil sie ein Vertrag unterschrieben hatten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Ava Tar
13.03.2010 19:11
Ein Beruhigungszigaretterl könnte Leben retten

doch der zur Laborratte herabregulierten HR-Leistungseinheit ist das Rauchen ja verboten

flotter denker
13.03.2010 08:44
Am Besten gar nix ändern, damit zarte Charaktere nicht in Probleme kommen.

Dann gehen unsere Unternehmen wenigstens vollständig den Bach runter - und unsere Konkurrenten in den aufstrebenden Staaten der Dritten Welt lachen uns aus.

Es ist doch schon noch so, dass jeder selbst für seine Stabilität verantwortlich ist und nicht irgendwelche Umstände

Alvarez
14.03.2010 17:17
Schwachsinn................

...............ist auch eine Form von Meinungsfreiheit. Man kann nur hoffen, daß sich ein derartiges Weltbild wie Ihres nicht zu den bereits verfallenen Sitten dazugesellt.

Gegenflieger
14.03.2010 14:14

Ehrlich , bei solchen Aussagen wie ihren , würde ich eine Kündigung Riskieren damit ich ihnen einen derartigen Tritt in den Hintern verpasse das sie sich in der umlaufbahn des Mars wiederfinden.
Dann wäre ich zwar den Job los , aber dafür innerlich zufrieden.

a z
14.03.2010 12:35

Funktionelles Passen als einziger Wert und Sinn unserer Gesellschaft. Und was nicht passt wird passend gemacht. Um jeden Preis.

pressluftbohrer
14.03.2010 09:48

am liebsten würd ich ihnen eine mit 500 kN betonieren, weil sie sind ja selbst verantwortlich für ihre stabilität und nicht irgendwelche umstände

asinus
13.03.2010 23:38

Sie wissen aber anscheinend nicht, dass gerade in Frankreich eine Selbstmordwelle in Unternehmen im Gang ist (Telekom allein: 8; Renault und Moulinex, um nur einige Firmen zu nennen), und dass es ja nicht an den Menschen allein liegt, wie sie im Berufsleben bestehen. Sie halten den Druck und die sklavenartige Abhängigkeit von ihrem Arbeitsgeber nicht aus.

lukav jez
13.03.2010 17:36

"There is no society!" (Margaret Thatcher) - und die Erde ist eine Scheibe!

Mahnende Stimme
 
13.03.2010 11:54

Sie wissen aber schon wie das funktioniert wenn man Mitarbeiter loswerden will, diese aber nicht Kündigen will (Abfertigung), oder kann.
Auf sinnlose Positionen versetzen, sinnlose Arbeiten durchführen lassen, ständig jede Kleinigkeit kontrollieren um einen Entlassungsgrund zu finden,.....etc....

Bürger Europas
13.03.2010 23:39

Wenn ich jetzt zynisch wäre, würde ich Ihr Posting als Aufruf zur Lockerung des Kündigungsschutzes interpretieren...

Wie soll es denn funktionieren? Wollen Sie ein "Bergab" in der Karriere einfach verbieten?

Wenn ich als Vorgesetzter der Meinung bin, dass ein Mitarbeiter auf der derzeitigen Stelle falsch ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Versetzen (evtl. auch degradieren) oder entlassen.
Da letzteres oft nur schwer möglich ist (kenne aber die Verhältnisse in Frankreich nicht so genau), bleibt nur ersteres.

Frau Techne
02.06.2010 07:26

Weitere Möglichkeit: Nicht entlassen, sondern kündigen.

st.laurent
14.03.2010 09:13
für mich bleibt noch eine weitere möglichkeit

mit dem ma bzw allgemein mit den menschen reden und gemeinsam eine lösung suchen und finden.
menschlichkeit sollte auch am arbeitsplatz kein fremdwort sein, aber die unendliche gewinnorientierung der betriebsmanager verbietet offensichtlich das menschsein. dies gilt ja nicht nur für f.

Bürger Europas
14.03.2010 15:30

Klar! Aber Lösungen heissen immer auch Veränderungen! Das kann auch keine Gewerkschaft aus der Welt träumen.

st.laurent
15.03.2010 18:03

daher hab ich auch nicht von einer gewerkschaft geschrieben.
ich hab ja leider selber einige erfahrungen gemacht, positive wie leider auch negative, es ist ja heutzutage leider an der tagesordnung, jemand mittels mobbing aus dem prozess rauszubekommen. da gibts je nach betriebsgrösse teilweise sogar mitarbeiter, die darauf angesetzt werden. und der eine oder andere landet dann manchmal irgendwo in einem unternehmen, wo er eigentich überhaupts nichts zu suchen hat und auch nie hinwollte

Bürger Europas
15.03.2010 18:13

Ich leugne nicht, dass es negative Beispiele gibt. Der Mensch ist zu individuell, als dass er pauschalen Urteilen gerecht würde.

Tatsache ist aber auch, dass man als Vorgesetzter bei nahezu ausnahmslos jedem ernsthaften Konflikt mit einem Mitarbeiter nach kürzester Zeit mit Mobbing-Vorwürfen konfrontiert wird.

Entsprechend inflationär wird dieser Begriff auch in der öffentlichen Diskussion verwendet.

Verena Niprava
12.03.2010 21:55
Selbstmord bei Telekom Salzburg

http://www.salzburg.com/online/na... xt=&mode=&

Die Gewerkschaft spricht von bereits fünf Telekom Selbstmorden in Österreich, aber in der ganzen Werbung (zB eigene Rubrik im Standard, vier Seiten Interviews mit Nemsic im Profil, sogar nach seinem Ausstieg) für das Unternehmen gehen die Mitarbeiter unter

flotter denker
13.03.2010 08:45
Wenn bisher verhätschelten Mitarbeitern mal ein bisschen ein rauerer Wind entgegenbläst,

Dann packen die das nicht. Schlimm. Aber einfach alles weiterlaufen zu lassen, ist wohl auch keine Lösung

Karl Hubert Triernpurg
13.03.2010 05:43
ganz richtig.....


...jedem staatsdiener seine wunschposition, sein spitzengehalt und 15 stunden woche. alles andere wäre eine zumutung.

chiwato
13.03.2010 18:16
über

manche dinge sollte man nur urteilen, wenn man wenigstens ein mindestmaß von ahnung hat.

oder matchen sie sich mit dem flotten irgendwas?

B. Nutzername
12.03.2010 18:18

"Die Gewerkschaften machen dafür den rasanten Konzernumbau mitverantwortlich, durch den viele Mitarbeiter versetzt und Arbeitsabläufe verändert würden."

damit haben gewerkschaften im allgemeinen udn franzosen im speziellen natürlich grosse probleme. aber nicht mehr lange, dann sidn alle jobs in asien udn wir haben die grundsicherung ...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.