Neu im Theater

Schwache Polster und falsches Geplänkel

12. März 2010 17:05

Für den ersten Satz von Elfriede Jelineks "Über Tiere" entwickelt die Inszenierung im Linzer Eisenhandtheater eine Vorliebe.

Er kehrt als Anknüpfungspunkt immer wieder: "Lieben ist eine gewisse Art von Angewiesensein". Was sich vermeintlich harmlos liest, wächst sich im Stückverlauf entlang fataler Abhängigkeiten nach und nach zur Katastrophe aus.

Das Geliebt-werden-Wollen steht zunächst im Vordergrund eines Briefes, eigentlich eines Monologs, aus dem das Schauspielerquartett abwechselnd vorträgt. Schnell lädt sich die Bühne des Bühnenguckkastens mit Intensität auf, zu der Debütantin Jenny Weichert einiges beiträgt.

Raumgestalter Florian Parbs stellt der Inszenierung kaum etwas in den Weg. Die Ornamentik der Empore wird verhüllt, zwei überdimensionale Kissen federn die sprachlichen Härten von Jelineks Paraphrase auf die Abgründe der käuflichen Liebe natürlich nicht ab.

Eine Vorliebe entwickelt die Inszenierung Christian Wittmanns auch für laszives Geplänkel. Und das ist hier fehl am Platz. Denn die Koketterie mit dem Beziehungsdreieck gleitet via Videoeinspielung schnell in Ästhetizismen ab. Weichzeichner kann aber vor allem der zweite Teil von Jelineks Drama gar nicht gut gebrauchen, ist er doch mit O-Tönen aus Zuhältergesprächen durchsetzt.

Der harte Kontrast gelingt daher nur leidlich, denn die zotige und entlarvende Sprache der Frauenhändler kommt dadurch schlichtweg neckisch daher.

Regisseur Wittmann verwebt die in der Vorlage getrennten Teile aber durchaus geschickt und lässt am Ende noch einmal den Anfangsmonolog wiederholen, diesmal monoton von Silvia Glogner vorgetragen. Ein Kontrapunkt, der etwas spät kommt. (wo, DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.03.2010)

Linz, Eisenhandtheater, 0800/21 80 00, Vorstellungen bis 28. 4. 20.00

Link:
www.lust-spiel.net

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.