Weibliches Einkommen und die Frage der "Schuldumkehr"

13. März 2010, 07:00
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Warum verdienen Frauen immer noch weniger als Männer? Zum internationalen Tag der Frauen am 8. März diskutierten Expertinnen und Expertenüber den Pay-Gap in Naturwissenschaft und Technik

29,7 Prozent beträgt die Einkommensdifferenz in der naturwissenschaftlich-technischen Forschung und Entwicklung (F&E). Für das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie erhob Synthesis Forschung unter 1510 Firmen und 32.530 DienstnehmerInnen, wie Frauen im F&E-Bereich benachteiligt werden. Ergebnis: Einem Jahresbrutto von im Schnitt 37.199 Euro auf weiblicher Seite standen männliche 52.939 Euro gegenüber.

Studienleiterin Petra Gregoritsch verwies beim 26. Femtech-Netzwerktreffen am Weltfrauentag letzten Montag auf die Ambitionen der Studie, zu klären, "welche Ursachen mit welchem Gewicht" den Gender-Pay-Gap erwirken. Denn auch wenn nur Vollzeitjobs berücksichtigt werden, bleibt ein Minus von 22 Prozent. Und ein tieferer Blick zeigt, dass im F&E-Bereich sogar nicht akademisch gebildete Männer mehr verdienen als Akademikerinnen.

Fazit: Bereits zum Berufseinstieg werden Frauen finanziell benachteiligt - für die Studienautoren der beste Ansatzpunkt zur Verringerung der Einkommensungleichheit -, obwohl kinderlose Frauen aufholen. Mütter fallen sogar weiter zurück: Familie bremst die Karriere. Auch weil Frauen oft jünger als Männer sind - teils da sie Ausbildungen rascher abschließen - und sich Gehälter nach dem Alter richten, bleiben sie hinter Kollegen zurück.

Letztlich müsse man bedenken, dass ja beide Seiten - ArbeitgeberInnen wie ArbeitnehmerInnen - "es so wollen" , sagte Rudolf Lichtmannegger, stellvertretender Leiter der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, bei der anschließenden Diskussion unter der Leitung von KarrierenStandard-Chefin Karin Bauer. Immerhin unterschrieben beide einen gültigen Vertrag.

Zudem trete, wenn man nicht die Bruttolöhne, sondern den Verdienst nach Abzug von Steuern vergleiche, "ein kompensatorischer Effekt ein" . Der Wirtschaft eine allgemeine Lohnangleichung bei Frauen aufzubürden, wäre viel zu belastend, so Lichtmannegger.

Auf die Frage, ob Frauen nur schlechter verhandeln als Männer, antwortete Helmut Mahringer vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, dass Frauen zumindest mehr Infos nützen würden: In Ländern, die Gehälter offenlegen, "steigen Frauen besser aus" . Überhaupt gebe es Studien die besagen, dass Unternehmen, die nicht diskriminieren, erfolgreicher sind. "Und wenn Frauen weniger Geld bekommen als Männer, ist das eine Diskriminierung."

"Der Konsens" darüber sei "allgemein da" , bemerkte Julian Mauhart, Experte für Gehaltssysteme und leistungsorientierte Vergütung bei Deloitte Consulting. An der Praxis ändere sich aber nichts. Ihn wundere die Differenz bei Einstiegslöhnen: "Gerade da sollte es am ehesten strukturiert sein" , da Mann wie Frau als Tabula rasa beginnen. In der Frage, ob Frauen schlechter verhandeln, sieht er nur eine "Schuldumkehr" .

Am Ende blieben Stereotype, so Nicole Schaffer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Joanneum-Research-Instituts für Technologie- und Regionalpolitik, die auch das Femtech-Kompetenzzentrum vertrat: "Wie viel traut man Frauen zu?" Gerade in der Technik müssten weibliche Mitarbeiter stets erst beweisen, dass sie etwas von der Materie verstehen. (mad, DER STANDARD/Printausgabe 13.3./14.3.2010)

 

  • Nicole Schaffer (Joanneum Research, FEMtech), Julian Mauhart (Deloitte
Consulting), Helmut Mahringer (Institut für Wirtschaftsforschung),
Rudolf Lichtmannegger (Wirtschaftskammer) und Moderatorin Karin Bauer
(Der Standard).
    foto: regine hendrich

    Nicole Schaffer (Joanneum Research, FEMtech), Julian Mauhart (Deloitte Consulting), Helmut Mahringer (Institut für Wirtschaftsforschung), Rudolf Lichtmannegger (Wirtschaftskammer) und Moderatorin Karin Bauer (Der Standard).

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