Die besten Ankerplätze einer Harfenrundfahrt

14. März 2010 18:14
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    Foto: reuters/paul mcerlane

    Pub Crawler sind zuverlässige Wegweiser in diesem Dschungel aus Irish-Pub-Fassaden.

Pub Crawler kennen fast alle relevanten Stationen auf einer musikalischen Reise durch Irland

Die Guinness-Gläser im Ha'penny Bridge Inn sind schon halb leer, die Teilnehmer der Pub-Tour halb voll. "Echte irische Songs sind keine Sauflieder", eröffnet der Dubliner Anthony Bools mitten in seiner Rekonvaleszenz und nippt am Apfelsaft: "Sie sind Warnungen an Trinker!" Echte Pub Crawler, wie Bools einer ist, müssen es wissen.
Crawler sind Musiker, die nur aus einem einzigen Grund mit anderen von Pub zu Pub ziehen: Zuweilen nüchtern, aber immer zielsicher auf der Bodhran-Trommel, dirigierten sie früher keine Touristen, sondern eine musizierende Schar, die auch besser das Einkehren beherrscht. Sie selbst bleiben stets Profis, taktvoll bis spät in die Nacht, oft aufrecht, zumeist aufrichtig als Gastgeber: "Meiden Sie jeden Pub, der Ihnen The Wild Rover als irisches Lied verkauft. Wir haben's von den Schotten gestohlen und gegen ihren Willen interpretiert!"

Pub Crawler sind zuverlässige Wegweiser in diesem Dschungel aus Irish-Pub-Fassaden, die oft genauso gut in Meidling oder Mailand stehen könnten. Doch selbst wer in die sanften Hügel am Shannon weiterzieht, wird die launigen Zwischentöne der Crawler als wertvolles Wissen mitnehmen und auspacken. Um sich in den Pubs von Limerick einen Reim darauf zu machen, warum man durch Mitstampfen mehr Taktgefühl als beim Mitklatschen beweist. Oder nur um besser zu hören, warum die alten Töne von Seefahrern portugiesischem Weltschmerz wohl näher sind als Bierzeltgetöse.

Gesungene Visitenkarten

Was Bools gerne als Reisewarnung für den wilden Westen Irlands ausgibt, trifft aber nur noch selten ein. Bis heute müssten dort verängstigte Fremde vor den prüfenden Blicken gar misstrauischer Männer ein Lied zum Besten geben, so seine Mahnung. Denn die Zeilen aus der Ferne wären für die Iren wie eine vertonte Visitenkarte ihrer Gäste und würden sie gegebenenfalls als Spione entlarven.
Schon wenige Kilometer außerhalb von Limerick, in Castleconnell, schlagen sich Zugereiste als Zuhörer ohne Gastauftritt durch. Das Irish Harp Center wirkt nur auf den ersten Blick wie ein streng geführter Sweatshop, in dem viele Kinderhände auf noch mehr Saiten schuften. Tatsächlich ist das bescheidene Gartenhäuschen von Janet Harbison eine echte Genussfabrik, wo zwar hart gearbeitet wird, aber die Töne immer sanft bleiben. Als Frieden stiftendes Sozialprojekt in einer Parallelwelt begann die gebürtige Dublinerin 1984 konzertante Elemente von irischen und nordirischen Jugendlichen in Belfast zu suchen.

2002 übersiedelte sie dann nach Limerick und gründete das Irische Harfenzentrum, dessen Orchester nur ein Jahr danach staatstragend in China an den 34 Saiten des irischen Wahrzeichens zupfte. Die Hand sollte dafür stets locker sein. Also besser nicht in einem Gips stecken wie jene des einzigen Buben in der Truppe, der auch hier seine Begeisterung für den Munster Rugby Club demonstriert und gerne einmal was Härteres spielt.

Evergreens und Goldies

Erst hinter Galway werden die Töne wieder anders: Ausgesprochen gülden wie sonst nur irischer Whiskey leuchten dort die Hochmoore einer im Prospekt immer grünen Insel. Über allen Hügeln ist Ruh, und also pfeift hier auch kein Dudelsack aus dem letzten Loch - dem wahrscheinlich auch von den Schotten gestohlenen Namen für einen irischen See. Aber dennoch müssen Reisende in der stillen, goldgelben Connemara jederzeit mit Evergreens rechnen.

Bereits der "diensthabende Manager" Gilbert - ein unablässig trällernder Papagei - lässt erahnen, dass auf den beiden Landeplätzen vor Abbeyglen Castle zwar Helikopter, im Schloss aber Hits gelandet werden. Weil der General Manager dieses Hotels in Clifden, ein an sich schon bunter Vogel, offenbar ebenso gerne trällert.
Noch weit vor Mitternacht gibt Brian Hughes den Befehl, die Tore von Abbeyglens Atrium zu schließen. Mit kräftiger Stimme bittet er lediglich um ein Paar starke Arme: Sein Klavier muss zu zweit aus dem ersten Stock heruntergewuchtet werden. Was dann folgt, ist ein Soloprogramm, bei dem vor allem eines klar wird: Schlossherren können in der Connemara auch U2-Fans sein, die With or Without You singen - also sehr gut ohne musikalische Unterstützung ihrer Gäste auskommen. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.03.2010)

Info: Tourism Ireland: 01-501 596 000, www.entdeckeirland.at; www.blaguss.at
Pub Crawl in Dublin: www.creativeevents.ie

dopamin57
15.03.2010 10:33
Galway-Connemara-der Burren

Einmal da gewesen ist Fernweh garantiert.... ich wünschte, die EU-Harmonisierung erfasst nicht auch noch den traditionellen Gaeltacht-Westen dieses wunderschönen Landes

norman m.
14.03.2010 21:14
Fernweh-Alarm!

Ein geniales Land mit fantastischen Menschen...

Mind Mapper
15.03.2010 07:37
Das kann ich nachvollziehen

Es ist kein Zufall, dass sich so viele Kreative Irland als (Wahl-)Heinamt wählen! Irland ist einfach großartig ... und Sligo County, die Heimat des Poeten W.Butler Yeats, mein heißester Tipp. Go northwest ...

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