"Bologna Reloaded"

Karl stellt Maßnahmen für Reform der Reform vor

12. März 2010 15:28

10-Punkte-Programm zu besserer Umsetzung an Unis - Soll auf Ergebnissen des Hochschuldialogs aufsetzen

Wien - Unter dem Titel "Bologna Reloaded" hat Wissenschaftsministern Beatrix Karl (ÖVP) anlässlich der Jubiläumskonferenz zu zehn Jahren Bologna-Prozess in der Hofburg zehn Maßnahmen vorgestellt, mit denen die Umsetzung der Reformen an Österreichs Unis verbessert werden soll. Die Ministerin will eine "Task Force" aus Vertretern von Studenten, Unis, Fachhochschulen etc. einsetzen, die Empfehlungen zur Verbesserung der Studienpläne erarbeiten soll. Die "Qualität der Studienpläne" werde auch Thema kommender Leistungsvereinbarungen sein, bei denen sich die Unis zu Leistungen verpflichten und ihr Budget zugeteilt bekommen, so Karl bei einer Pressekonferenz am Freitag.

"Task Force"

"Die Unis sind zwar autonom, dennoch will ich nicht wegschauen, wenn es um die qualitativ hochwertige Ausgestaltung der Studienpläne geht", so die Ministerin. Experten sollen die Probleme in der Praxis erheben, die "Task Force" anschließend Best-Practice-Beispiele sammeln. Auch die Ergebnisse des Hochschuldialogs, den Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) als Reaktion auf die Studentenproteste des Vorjahrs einberufen hatte, sollen in die Empfehlungen einfließen.

Neben besseren Studienplänen ist Karl auch wichtig, dass die Anerkennung gleicher Prüfungsfächer an den Unis verbessert und damit die Mobilität zwischen den Hochschulen erleichtert wird. Für Jus, Pharmazie und technische Studien sollen Arbeitsgruppen außerdem erheben, ob es sinnvoll wäre, vierjährige Bachelorstudien anzubieten. Derzeit sind Jus und Pharmazie noch Diplomstudien (Jus: acht Semester, Pharmazie: neun), die technischen Studien werden als dreijährige Bachelorstudien geführt.

"Mehr Chancen für Studierende und Absolventen"

Grundtenor der Bologna-Jubiläumskonferenz sei gewesen, dass die Reform zu "mehr Chancen für die Studierenden und Absolventen" in Europa geführt habe, so Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Den Ministern der mittlerweile 47 Bologna-Teilnehmerstaaten sei jedoch klar, dass es bei der Umsetzung Probleme gebe. So würden etwa noch immer nicht genug Studenten im europäischen Ausland studieren. In der Deklaration zur Jubiläumskonferenz werden die Steigerung der Mobilität und ein verbesserter Zugang sozial Benachteiligter zu den Hochschulen als Ziele bis 2020 bekräftigt. "Hochschulbildung", heißt es in dem Papier, "liegt in der Verantwortung der öffentlichen Hand".

Zur Steigerung der Mobilität wäre die Anrechenbarkeit von Studienleistungen "sehr wichtig", betonte Karl bei einem Pressegespräch mit anderen Teilnehmern der Bologna-Konferenz. Sie pochte in diesem Zusammenhang auch auf verstärkte Qualitätssicherung: "Es ist wichtig, dass die Unis anderen Unis vertrauen können." Aus Sicht von Marius Rubiralta, dem spanischen Generalsekretär im Wissenschaftsministerium, und dem rumänischen Bildungsminister Daniel Funeriu, kann die Mobilität nur dann steigen, wenn Studenten Förderungen bei Auslandsaufenthalten mitnehmen können. EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou wehrte sich gegen den Vorwurf, die Europäische Union würde nur auf die Vorteile des Bologna-Prozesses für die Wirtschaft schauen. "Der soziale Aspekt ist von enormer Wichtigkeit." Vassiliou kündigte außerdem an, dass die EU trotz der schwierigen Wirtschaftslage versuchen werde, das Hochschulbudget - vor allem jenes für Mobilitätsprogramme - zu steigern. (APA)

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20 Postings
iNSIDE Man2010
26.05.2010 12:06

4-jährige Bachelors? Dann sind erst recht wieder diejenigen, die dann einen Master dranhängen, laut der öffentlichen Meinung und der Wirtschaft die "besseren". Leider.
Man sollte endlich auch den Bachelor viel mehr akzeptieren, auch wenn er "nur" 3 Jahre dauert.
Zuerst fordert die Wirtschaft den Bachelor, jetzt traut sie ihm nicht. So gehts einfach nicht.

Inamaria
12.03.2010 17:27
Wie waer's mit...

1. Abschaffung jeglicher Anwesenheitspflicht? (Angehende) Akademiker sollten selbst dafuer verantwortlich sein, wann und wie sie sich Wissen aneignen.
2. Abschaffung von verpflichtenden Lehrveranstaltungs-"Ketten"? Begruendung sh. 1.
3. Internationale Vereinheitlichung von Mindestinhalten (sonst ist der Bologna-Prozess voellig absurd) und Mindest-ECTS-Punkten? Darueberhinaus Freigabe von Lehrveranstaltungen und ECTS-Punkten?

kleiner Schelm
05.08.2010 14:58
...

Wie kann man etwas abschaffen was es nicht gibt?
1) Anwensenheitspflicht gibt es eh nur in den seltensten Fällen, meist sehr gut begründet.
2) Lehrveranstaltungsketten prüft doch keiner nach, wenn du willsst geht du auch ohne Blah 1 in Blah 2.
3) Vereinhetilichung setzte inhaltlich auch gleiches Niveau voraus. Dies ist durch neue Hochschultypen (FHs, BAs, etc) immer weniger gegeben; es wird durch die zunehmende unheimlich breite Einführung von "gleichwertigen" Abschlüssen und ECTS (z.B. durch Lehre oder Arbeit in Industrie erworben) zunehmend Probleme geben, diese nicht nur formal, sondern auch real Anerkannt zu bekommen. In USA zählt z.B. neben dem Titel auch der "Name" der verliehenen Anstalt.

Franz Bim
 
13.03.2010 13:20
Abschaffung von verpflichtenden Lehrveranstaltungs-"Ketten"

Wieder ein Gegenbeispiel:
Laborübungen: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten bereits vor Teilnahme über genügend Grundwissen verfügen, das sie befähigt, einen sicheren Umgang mit dem Laborgegenständen zu pflegen. Sonst fliegt das Labor schneller in die Luft, als einem Lieb ist.

Franz Bim
 
13.03.2010 13:18
Abschaffung jeglicher Anwesenheitspflicht

Auch wenn ich ein scharfer Gegner sachlich unbegründeter Anwesenheitspflicht bin, die Forderung nach der gänzlichen Abschaffung ist überzogen:
- Sprachseminare funktionieren nur, wenn alle gleichzeitig da sind
- ebenfalls Seminare, in denen bestimmte Verfahren, wie beispielsweise Extreme Programming erprobt werden
- bei Seminaren, in denen Referate gehalten werden, braucht man ZuhörerInnen
- Laborübungen in der Studenten-WG statt in einem geeigneten Laborraum stell ich mir gefährlich vor

Hardcoreboson
12.03.2010 17:54
ok

wenn sich akademiker ohnehin alles selbst beibringen koennen, brauchen wir die unis an den unis dann nur mehr pruefungen anbieten.

das sollte ja dann sehr einfach zu finanieren sein und dann bleibt mal richtig viel geld und zeit fuer forschung :).

??????1
12.03.2010 16:34
zehn punkte

punkt 1. eine »task force« soll beispiele für eine ausarbeitung der studienpläne sammeln.
2. anerkennung gleicher prüfungsfächer wg. mobilität.
3. u.U. ausarbeitung neuer studienpläne für jus, pharmazie und andere technische studien.

und die anderen punkte? da das thema offensichtlich z.zt. vielen menschen unter den nägeln brennt würde ich, auch aufgrund des anspruchs des standards ein qualitätsmedium zu sein, vorschlagen genauer aufzuführen was frau karl gesagt hat.

??????1
12.03.2010 16:48

7. Öffentliche Darstellung von Best-Practice-Modellen der Curricula-Gestaltung aus der Task-Force

8. Arbeitsgruppe zu den Fächern Jus, Pharmazie (Lehramt), aber auch zu technischen Studien, über eine optimale Bologna-Studienarchitektur (inkl. Diskussion zum Thema Harmonisierung mit dem Berufsrecht)

9. Verankerung des Bachelors als vollwertiger akademischer Abschluss im öffentlichen Dienst (Arbeitsgruppe von Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek)

10. Mobilität und Anerkennungen - die Anerkennung gleicher Prüfungsfächer (bereits klar in § 78 Universitätsgesetz geregelt) muss mit Leben erfüllt werden

??????1
12.03.2010 16:47

1. Vertiefende Problemanalyse gemeinsam mit den Bologna-Koordinator/innen an den Universitäten und mit den sechs österreichischen Bologna-Expert/innen

2. Einsetzung einer Task-Force zur Weiterentwicklung der Curricula

3. Erarbeitung von Vorgaben/Richtlinien für die Qualifikationsprofile und von Rahmenempfehlungen für die Umsetzung der "Studieneingangsphase und Studienorientierungsphase Neu"

4. Intensivierter Austausch zwischen dem BMWF und den Curricular-Kommissionen an allen Universitäten

5. "Neuausrichtung" und Weiterentwicklung der nationalen Bologna-follow-up-Gruppe

6. Einbeziehung der Bologna-Umsetzung in das Konzept der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung im Rahmen des geplanten Rahmengesetzes

Franz Bim
 
12.03.2010 16:17
8-Semestrige Bachelorstudien

8-Semestrige Bachelorstudien hätten in technischen Studien durchaus ihre Berechtigung.

Die Vorteile wären:
- Man könnte ein Common Year nach dem Muster der Montanuni Leoben einführen; gerade im technischen Bereich haben ja gerade viele AHS-AbsolventInnen nicht unbedingt realistische Vorstellungen davon, was in den einzelnen Studienrichtungen passiert. Ein Common Year würde die Umstiegsproblematik deutlich lindern.
- Man könnte alle Pflichtvorlesungen in den Bachelor verfrachten und hätte den Master frei für Wahlfächer. Außerdem könnte man vereinzelt schon im Bachelor Wahlfächer anbieten.
- Man könnte die ECTS-mäßig unterbewerteten Fächer endlich berichtigen ohne dass die Ausgewogenheit des Studiums leiden müsste.

huhuu
12.03.2010 15:44

hahahahaha...jus als bachelor studium. Das wär was. Wer nimmt einen da noch ernst?

Hardcoreboson
12.03.2010 17:55
ist im angelsaechsischen raum so

ist daher auch ein gar nicht mal so einfaches studium - im gegensatz zu oesterreich :)

VvL
12.03.2010 17:22
gibts übrigens schon in AT!

und es soll (und wird) auch einen Med-Master geben als 1. Abschluss!

in DE gibt es schon lange Ärzte ohne Dr-Titel, nämlich solche, die keine Dissertation geschrieben haben und genau das kommt hoffentlich auch hier asap!!!

luchmhor
13.03.2010 07:34

Hoffentlich. Ohne Diss. kein Dr.

Franz Bim
 
12.03.2010 16:27

Die Frage ist in etwa so sinnvoll wie: "Wer nimmt einen Studienabbrecher ernst?"

Als Zusatzqualifikation ist ein Bachelor-Abschluss sicher tauglich. Gerade Recht spielt in jedem anderen Bereich eine Bedeutung.

Außerdem bedeutet ein Zwischenabschluss gerade für sozial schwächere Studierende zusätzliche Sicherheit, da sie auch dann eine formale Qualifikation erreichen können, wenn sie das Hauptziel Diplom/Master derzeit nicht erreichen können.

qwertztt
12.03.2010 16:18
Oder..

...was wird aus nen Pharmazie-Bachelor.....?
ich tipp auf Proband für Medikamententests....

Dietmar Bauer_v2
12.03.2010 22:08
ganz einfach

Apotheker.

Franz Bim
 
12.03.2010 16:33
Schon wieder einer,

der ein Universitätsstudium fälschlicherweise für eine Berufsausbildung hält...

Das soll aber nicht heißen, dass man mit einem Pharmazie-Bachelor nichts anfangen könnte. Für einen medizinischen Informatiker, der beispielsweise ein Expertensystem errichtet oder betreut, könnte ein Grundwissen in Pharmazie äußerst wichtig sein.

schaumamal4
12.03.2010 16:13
Jus-Studium=Kasperlkopf schnitzen auf hohem Niveau

Nimmt überhaupt noch wer einen Mag.jur ernst? Ja Hauptschüler und alte Frauen!!!!! Seit meinem Jus-Studium kann ich das nicht mehr. Wenn sich zwei Juristen treffen haben sie durchschnittlich 3,5 Meinungen. Aber so sind sie wenigstens berechenbar.

Queen of Sheba
 
12.03.2010 15:58
Das hat man bei der Einführung des Mag.jur. auch gesagt.

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