Cap

"Jede Zeit hat ihren Vorsitzenden"

Saskia Jungnikl, 15. März 2010, 13:37
  • Artikelbild
    derstandard.at/pumberger

    "Wir sind fern jeder Überlegung uns mit der Völkerwanderung der Germanen und dem Einfluss der Germanen auf die Kultur in Europa auseinandersetzen."

  • Artikelbild
    derstandard.at/pumberger

    "Es gibt nichts Schöneres, als wenn viele darüber nachdenken wie man noch präziser, noch zukunftsfitter und mehrheitsfähiger den sozialdemokratischen Weg gehen kann."

  • Artikelbild
    derstandard.at/pumberger

    "Es war nicht akzeptabel, wie die Innenministerin sich über das gesamte Burgenland hinwegsetzen wollte - gemeinsam nur mit dem Eberauer Bürgermeister."

  • Video: Josef Cap im Wordrap

Der SP-Klubobmann Josef Cap über Populismus in der Partei und die Flaute der Sozialdemokratie

"Ich hab da eine eigene Philosophie", sagt SP-Klubobmann Josef Cap im Interview mit derStandard.at über die Situation der SPÖ. Denn Gemeinderatswahl sei Gemeinderatswahl und Nationalratswahl eben Nationalratswahl. Das gilt auch für die am Sonntag stattgefundenen Gemeinderatswahlen. Die Krise der Sozialdemokraten sehe er, wenn es denn eine geben sollte, europaweit und der Populismus habe zwar bei anderen Parteien Einzug gefunden, nicht aber bei der SPÖ.

****

derStandard.at: Josef Broukal bringt demnächst ein Buch heraus, in dem Texte unter anderem von Alfred Gusenbauer, Alexander Van der Bellen u.a. erscheinen. Was alle gemein haben: Sie wissen nicht wofür die SPÖ momentan steht. Wissen Sie es?

Josef Cap: Ich weiß es ganz genau. Dafür, dass unser Sozialstaat-, unser Gesundheitsmodell den modernen Erfordernissen angepasst und als Modell zukunftsfit gemacht wird. Das ist etwas, was uns von vielen Ländern positiv unterscheidet. Die Amerikaner kämpfen jetzt um Gesundheitsvorsorge, die bei uns seit Jahrzehnten Selbstverständlichkeit ist. Es gibt ein seit Jahrzehnten auf sozialdemokratischem Grundkonsens aufgebauten Gesellschaftmodell. Und in Zukunft geht es um den Ausbau dieses Modells: der Chancengleichheit, der sozialen Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit.

derStandard.at: Es gibt ein Grundmodell und jetzt ist der Ausbau gefragt? Und die Schwierigkeiten der SPÖ bei Wahlen, in Umfragen?

Cap: Natürlich schwappen viele ungelöste Probleme von Europa nach Österreich. Längst hätte es eine Finanztransaktionssteuer geben sollen, eine europäische Finanzmarktaufsicht, ... Da werden Regierungen dafür verantwortlich gemacht. Auch für die Ängste in einem, wie ich meine, positiven Integrationsprozess, die da entstehen. Da gibt es Probleme, die Österreich berühren. Und dann braucht man Zeit um die Antworten, die man hat, mehrheitsfähig zu machen.

derStandard.at: Eine europäische Flaute der Sozialdemokratie, bei der die SPÖ unverschuldet drinnen hängt?

Cap: Dass die SPÖ Teil europäischer Entwicklungen ist, ist evident. Vieles was sich dort nicht positiv entwickelt, geht zu Lasten der Parteien. Aber natürlich diskutieren wir auch innerhalb der Partei über neue Herausforderungen. Die kürzlich online gegangene Plattform 2020 ist da ein Schritt. Und ich begrüße Bücher, wie das oben erwähnte. Es soll viele andere Bücher auch noch geben, denn es gibt nichts Schöneres, als wenn viele darüber nachdenken wie man noch präziser, noch zukunftsfitter und mehrheitsfähiger den sozialdemokratischen Weg gehen kann.

derStandard.at: Wie unentbehrlich ist die FPÖ eigentlich, in punkto Themen oder auch als Gegner für die SPÖ?

Cap: Wir haben eine funktionierende Koalition zwischen SPÖ und ÖVP und es gibt nicht den geringsten Grund über irgendwelche andere Formen nachzudenken. Wir sind fern jeder Überlegung uns mit der Völkerwanderung der Germanen und dem Einfluss der Germanen auf die Kultur in Europa auseinandersetzen, wir wollen über keine Sonnwendfeuer drüber hupfen.

derStandard.at: Ist Werner Faymann ein besserer Vorsitzender als Alfred Gusenbauer?

Cap: Jede Zeit hat ihren Vorsitzenden. Da könnten Sie vergleichend auch nach Bruno Kreisky oder Franz Vranitzky fragen. Faymann hat bei der vergangenen Nationalratswahl mit beispiellosem Einsatz für die Partei mit dafür gesorgt, dass die SPÖ den ersten Platz erhalten hat. Ich kann ihm eindeutig - auch nach den Verhandlungen der letzten Wochen - Leadership attestieren.

derStandard.at: Und wie viel Anteil hat er an den Verlusten der Landtagswahlen?

Cap: Ich hab da eine eigene Philosophie: Gemeinderatswahl ist Gemeinderatswahl, Landtagswahl ist Landtagswahl und Nationalratswahl ist Nationalratswahl.

derStandard.at: Gilt das auch für die Gemeinderatswahlen vom vergangenen Sonntag?

Cap: Ja, die überaus unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, das hier lokale Einflüsse und Persönlichkeiten eine große Rolle spielten.

derStandard.at: Also kein Einfluss der Bundespolitik?

Cap: Sicher nicht, denn im Bund gibt es für die SPÖ eine Aufwärtstendenz und sie liegt jüngsten Umfragen zufolge vor der ÖVP.

derStandard.at: Herr Klubobmann, wieso den Assistenzeinsatz beibehalten, wenn dessen Kosten in keiner Relation zum Aufwand stehen?

Cap: 86 Prozent der burgenländischen Bevölkerung wünscht sich den Einsatz. Und wenn sie das tut und es sicherheitspolitisch Sinn macht, dann soll er fortgesetzt werden.

derStandard.at: Im Burgenland wird es bald die nächste Volksbefragung geben, der Assistenzeinsatz bleibt wegen des auch von Ihnen erwähnten "subjektiven Sicherheitsgefühls", Rosenkranz unterzeichnet eine Erklärung weil der Chef einer Tageszeitung das so will: Wann haben sich eigentlich alle Parteien so offensichtlich dem Populismus verschrieben?

Cap: Die SPÖ nicht. Die hat hier ihre Grundwerte, die durch konkrete Handlungen sichtbar gemacht wurden. Es war nicht akzeptabel, wie die Innenministerin sich über das gesamte Burgenland hinwegsetzen wollte - gemeinsam nur mit dem Eberauer Bürgermeister.

derStandard.at: Und die doppelte Volksbefragung...

Cap: ... hat mit Populismus nichts zu tun. Sie ist ein demokratisches Instrumentarium und nicht a priori als populistische Maßnahme einsetzbar.

derStandard.at: Die ÖVP will in punkto Integration auf härtere Maßnahmen setzen: Michael Spindelegger sagt, Kinder, die Sprachdefizite haben, sollen parallel zur Volksschule Sprachkurse besuchen müssen. Eltern, deren Kinder daran nicht teilnehmen, sollen bestraft werden können. Vorstellbar?

Cap: Fakt ist, dass wir in Österreich Gesetze haben, die von allen eingehalten werden müssen. Wer also die Integrationsangebote, die es gibt, nicht in Anspruch nimmt und damit signalisiert, dass er gedenkt in einer Parallelwelt leben zu wollen, ist kritikwürdig - das ist nicht akzeptabel. Wenn man Deutsch kann, hat man am Arbeitsmarkt und so weiter viele Vorteile. Da kann man schon mithelfen bei der Vorbereitung im Ausland, bevor jemand nach Österreich kommt. Zu recht sagen die Eltern der Kinder, die perfektes Deutsch sprechen, es kann nicht sein, dass mein Kind im Unterricht einen Nachteil erleidet, weil die Eltern anderer Kinder denen nicht ermöglichen Deutsch zu lernen.

derStandard.at: Sollen Eltern dann bestraft werden?

Cap: Ich kenne den Vorschlag von Spindelegger nicht im Detail, das muss man sich anschauen. Soll er einmal einen konkreten Vorschlag machen, dann kann man darüber reden.

derStandard.at: Hätten Sie sich einen Präsidentschaftskandidaten der ÖVP gewünscht?

Cap: Der ist nicht notwendig - Heinz Fischer deckt das breite Spektrum auch der ÖVP-nahen Österreicher ab. Das war seitens der ÖVP sicher auch der Hintergrund dieser Entscheidung. (nik, derStandard.at, 15.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 252
1 2 3 4 5 6
Ich bin der Meinung...
00
25.3.2010, 22:40
Ist der Typ eignentlich Chef der SPÖ-nahen

Pensionisten oder Juso-Boss? Ich mein, die sehen inzwischen doch alle gleich aus!

MaxMustermann1
10
24.3.2010, 08:21
und jede zeit hat ihre spö-zukunftshoffnung

www.youtube.com/watch?v=rU_nqQFWm24 (ab 00:30 sec.)

Cornwell
00
17.3.2010, 00:06
"86 Prozent der burgenländischen Bevölkerung...

wünscht sich den Einsatz."

Und ich wünsch mir warme Eislutschga! Wer noch?

Ich bin der Meinung...
00
25.3.2010, 09:31
Ich nicht!!!

Ich will dass die eiskalt bleiben!

Ava Tar
00
16.3.2010, 23:14
Häuser !

3.märz-oder 4.
00
16.3.2010, 19:19
skandale gehören aufgedeckt,keine frage.

aber der mensch mit all seinem problemen darf nicht aus dem auge verloren gehen dabei.

3.märz-oder 4.
00
16.3.2010, 19:00
befristete arbeitsverträge

unsicherheit in der arbeit
unterbezahlt durch druck in der arbeitswelt(überstunden-natürlich umsonst,sonst fliegt ma)
kranksein gibts nicht-flug
1/8,1/4-verträge,aber 1/1 dasein und hackeln,dass ma wenigstens einen befristeten vertrag lukriert.
ist das soziale arbeitspolitik noch?

Heinrich wöber
 
00
16.3.2010, 16:37
Sind sicher nicht ernst gemeint,

nämlich die Ausführungen des Herrn Cap über den derzeitigen Zustand der SPÖ und ihren Vorsitzenden. Ich erinnere mich an die Kreiskyzeit und die kursierende Aussage:"Kreisky hat Hirn und Probst hat Favoriten" und frage mich ernstlich wer heute in der SPÖ Hirn und wer Favoriten hat.

6strings
17
16.3.2010, 12:17
Cap, ein Symbol!

Gerade Josef Cap ist für mich ein Symbol für den Niedergang der österreichischen Sozialdemokratie. Damals, wenn ich mich nicht irre 1983 als politische Hoffnung mit Vorzugsstimmen in den Nationalrat gewählt, hat er dann umgehend seine Wählerschaft enttäuscht durch blitzartige Anpassung ans Parteiestablishment. Und seit diesem Rechtsruck sitzt Josef Cap als Symbol eines machtbesessenen Parteiapparatschiks fest im Sattel. Egal was passiert - egal wieviel die SPÖ an Wählern und Substanz auch verliert, Cap bleibt! Und die SPÖ verliert auch dann an politischem Gewicht, wenn sie Wahlen gewinnt, weil Leute wie Cap und Co. nicht fähig sind die WählerInnen auch wirklich zu vertreten. Die innere Machtclique lebt völlig abgehoben von der Bevölkerung!

lysistrata x.
00
17.3.2010, 07:09
danke!

Vibrisse
00
16.3.2010, 12:42
Kritiker der Elche

wurden selber welche

systemfehler1
23
16.3.2010, 12:09
Lieber Herr Cap,

bitte machen Sie Platz für andere, weniger vernetzte Apparatschiks in der SP.
Es bittet ein Sozialdemokrat...

tramezzino
01
16.3.2010, 12:33

aber genau das ist das problem. alle raunzen aber niemand will sich aktiv einbringen.

Vibrisse
24
16.3.2010, 12:05
Populismus & SPÖ

= Krone & Faymann

Danke Cap. Mit diesem Interview veranschaulichen Sie die Realitätsverweigerung der SPÖ.

Was muß noch passieren, bis die SPÖ aufwacht? Bis Strache Wiener Bürgermeister ist?

Prostetnik Vogon Jeltz
26
16.3.2010, 11:40
Oh du meine Güte...



Sofortmassnahmen:


Alle SPÖ-Spitzenleute JETZT in die 2. oder 3. Reihe zurück befördern

Bedingungsloses Grundeinkommen fordern

Vermögenssteuer fordern, Freigrenzen so ansetzen dass es die "Top 10" trifft und damit das BGE finanzieren

Großgrundbesitz per sofort per 50% Naturalsteuer an die jeweiligen Gemeinden zwangsvergesellschaften

Partizipative Demokratiemodelle auf kommunaler Ebene erproben und die Einführung auf Bundesebene fordern



Oder in zehn Jahren ist die SPÖ eine Kleinpartei.


tramezzino
01
16.3.2010, 12:34

ich weiß nicht, was du nimmst, aber gibt es das auf rezept ?

helmut hromadnik2
 
03
16.3.2010, 10:39
Auch wenn es der CAP nicht wahrhaben will :

Das debakel der SPÖ bei den gemeinderatswahlen hat seine hauptursache darin, dass sehr viele menschen bundespolitik und gemeindepolitik nicht auseinanderhalten können !

Die SPÖ ist zu einer ÖVP-light geworden. Warum sollte sie deshalb noch von sozialdemokraten gewählt werden ?

Die einfacher gestrickten genossen wandern zur sich kämpferisch gebenden FPÖ ab.

ja aber
17
16.3.2010, 10:34
"86 Prozent der burgenländischen Bevölkerung wünscht sich den Einsatz."

dann solen sie den auch zahlen oder mehr polizisten einstellen.

pei mei
01
16.3.2010, 10:21
genau ... jede Zeit hat ihren Vorsitzenden und die

Wahrheit ist die Tochter der Zeit .... bis dann nicht's mehr zu retten ist

olive.info
11
16.3.2010, 09:29
Jede Zeit hat ihren Vorsitzenden ...

... und "unsere Zeit" (eine ganze Epoche) erträgt (muss ertragen) den Cap!

pier paolo pasolini1
 
38
16.3.2010, 09:08

Das Ende einer Bewegung.

Der Verfall hat damit begonnen, das Kreisky ab seiner 3. legislaturperiode halbseidene politische Leichtgewichte mit deutlich geringerem intelektuellen Potential (sage nur Blecha und Konsorten) um sich scharte, in Furcht er könne gestürzt werden (Kreisky hatte in der Partei ja nie den unangreifbaren Status der ihm in der Legendenbildung heute nachgesagt wird).

Was danach kam war ein steter intellektueller Verfall der Partei. Mit dem Tiefpunkt Feymann-Rudas-Cap-Bures-Stöger-Darabos usw Team.

Traurig aber wahr. Benötige es doch einer starken gemäßigten Linken in dieser Zeit, die auch fähig wäre neue Akzente in der gesellschaftlich-politischen Entwicklung zu setzen.

ray_ray
33
16.3.2010, 09:58
das ist die seichteste Analyse seit ewig

erstens heißt der Bundeskanzler Faymann.

Zweitens ist keine politische Persönlichkeit, die tatsächliche Verantwortung getragen hat, zu ihrer Zeit mit unendlicher Beliebtheit gesegnet worden.

Jene politische Position wird durch einen Prozess besetzt, ein Prozess der kein Zufall ist. Das gilt für schwarz, rot, grün und blau (orange hat zuwenig auswahl für diesen Prozess)

Und alles parteipolitische beiseite. Wer ist die politische Intelligeniza die Österreich im allgemeinen gerade hat? Und wenn man diese mit IHS-Gründer Karl Blecha vergleicht dann muss ich mich schon fragen...

Rudolf K.
 
13
16.3.2010, 09:28

Wie schwer schätzen Sie denn Molterer, Pröll, Lopatka oder gar H.C. Strache ein?

Section Control
20
16.3.2010, 10:59
H.C. Strache

ist gleichzusetzen wie Sekanina, Gratz, Blecha, Einem, Konrad, Staribacher jun., Außerwinkler, Ambroszy, Rösch, Haiden, Karl, Sallinger, Steirer, Moser und wie sie alle so hießen und nach ein paar Jahren verschwanden. Wobei einen Sekanina und Gratz toppt gleich wer.

systemfehler1
03
16.3.2010, 12:12
Was sich wie ein roter Faden hier durchzieht:

Die "Kritiker" sind offensichtliche Anti-SPler und nicht in der Lage, die Namen der Angefeindeten richtig zu schreiben.
Find´s immer witzig, wenn sich Schwarze, Grüne und Blaue "Sorgen" um die SP machen und gute Tipps platzieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 252
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.