"Gelernt wird wie im Mittelalter"

12. März 2010, 19:27
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    Helmut Willke

Helmut Willke ist seit 2008 Professor für Global Governance an der Zeppelin University und Gastprofessor in Washington D. C., Genf und Wien

Standard: Nach drei Jahrzehnten an staatlichen Unis lehren und forschen Sie seit 2008 an der - privaten - Zeppelin University. Welche Veränderung war am stärksten?

Willke: Die Studierenden sind nicht mehr eine anonyme Herde, die irgendwie dahintrottet, sondern tatsächlich wieder eine Lerngemeinschaft, in der Teamarbeit und Austausch - Anspornungen und Konkurrenz - gelebt werden.

Standard: Hat das direkte Auswirkungen auf die Lehrinhalte?

Willke: Ja, die Inhalte sind anspruchsvoller, weil ich den Studierenden mehr zumuten kann und weil sie mehr erwarten.

Standard: Womit konfrontieren Sie die Studierenden am häufigsten?

Willke: Mit ihrer mangelhaft ausgebildeten Fähigkeit, effektiv und effizient zu lernen. Gelernt wird weitgehend wie im Mittelalter.

Standard: Was heißt das?

Willke: Texte werden immer noch mit Stift auf Papier ausgewertet und in irgendeinen Ordner verbannt. Wird der Text wieder gebraucht, muss er nochmals gelesen werden. Jeder Ansatz von Wissensmanagement fehlt.

Standard: Fühlen Sie sich heute mehr als Lehrer oder Forscher?

Willke: Ich fühle mich mit zunehmender Gelassenheit mehr als Lehrer. Ich betrachte Forschung - anders als früher - heute als Vorbereitung meiner Lehre.

Standard: Was haben Sie aus Ihrem beruflichen Wechsel gelernt?

Willke: Es kommt nicht auf den Ort an, ob es eine staatliche oder private Uni ist. Sondern darauf, wie ernst Lehre und Studierende genommen werden können. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.3.2010)

evolution hunter
01
12.3.2010, 20:52

Ich mag die Bücher von Helmut Willke recht gern, muss aber sagen, dass sie durch den elitären Duktus und die oftmals aufgebauschte Komplexität leider etwas an Qualität verlieren. Hier scheint Willke allzu sehr seinem Vorbild Luhmann nachzueifern.

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