USA

Wallstreet feiert einjährige Auferstehung

12. März 2010 14:24

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Vor exakt einem Jahr waren die US-Börsen auf den tiefsten Stand seit 12 Jahren gerutscht. Seitdem legten S&P 70%, Dow Jones 61% und Nasdaq Composite 85% zu. Auch in der Vorwoche konnten die US-Indizes den Rekordlauf fortsetzen. S&P (2,43%), Dow Jones (1,61%) und Nasdaq Composite (1,61%) klettern auf den höchsten Stand seit knapp 16 Monaten.

Das Haushaltsbilanzdefizit belief sich im Februar auf USD 220 Mrd., dies bedeutet ein Rekorddefizit sowie das 17. monatliche Defizit in Folge. Die Ausgaben stiegen um 17% auf USD 328 Mrd., die Einnahmen kletterten um 23% auf USD 107 Mrd. Bei einem Unternehmen wäre dies wohl eine eindrucksvolle Bankrotterklärung. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Ölimporte auf den niedrigsten Stand seit 11 Jahren sanken. Die Arbeitsmarktdaten enttäuschten erneut. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich im Februar um 36.000 Stellen, die Arbeitslosenrate blieb bei 9,7%. In 30 Bundesstaaten stieg die Arbeitslosigkeit im Jänner. Kalifornien (12,5%), South Carolina (12,6%), Florida (11,9%), North Carolina (11,1%) sowie Georgia (10,4%) meldeten Rekordarbeitslosigkeit. In Michigan sind derzeit offiziell 14,3% arbeitslos, die wahre Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen.

Cisco profitierte von der Präsentation eines neuen Routers. Das neue Produkt solle bis zu 12x schnellere Datentransfers im Internet ermöglichen. Die Einführung dürfte aber noch einige Zeit auf sich warten lassen, AT&T berichtete jedoch bereits von erfolgreichen Tests. JPMorgan reagierte mit einer "Overweight" Empfehlung und einem Kursziel von USD 28. Texas Instruments schraubte den Ausblick für Quartalsgewinn und Umsatz nach oben. Es gäbe allerdings Lieferengpässe, nachdem die Nachfrage deutlich höher als erwartet sei. Netflix profitierte vom positiven Geschäftsverlauf. Derzeit können Kunden gegen eine monatliche Gebühr in Höhe von USD 9 unlimitiert Downloads sowie DVD's bestellen. Der deutlich steigende Anteil der Streaming-Downloads erhöhte die Profitabilität, zudem konnten die Kosten für Neukundenakquisitionen deutlich verringert werden.

Bankenindex auf höchstem Stand seit November 2008

Klare Wochengewinner waren die Financials, der KBW Bankenindex kletterte auf den höchsten Stand seit 16 Monaten. Citigroup (+21,9%) profitierte von Meldungen, wonach Barclays eine große Akquisition im US-amerikanischen Retail-Bereich plane. AIG haussiert 31,4%, nachdem man die Lebensversicherungssparte Alico an den Konkurrenten Met Life verkauft hatte. Zudem verkauft man die verbleibende Beteiligung an Transatlantic Holdings. AIG werde nun USD 32 Mrd. an die Federal Reserve of New York zurückzahlen. Insgesamt hatte man AIG USD 83 Mrd. geliehen.

Zu den größten Gewinnern zählte auch Abercrombie & Fitch. Die Umsatzerlöse stiegen im Februar um 16%, die vergleichbaren Umsätze kletterten um 5%. Auch Konkurrent American Eagle Outfitters meldete einen Anstieg bei den Same Store Sales von 5%. Der Quartalsgewinn konnte im Q4 nahezu verdoppelt werden. Abbott Laboratories meldete die Übernahme des Biotechnologie-Konzerns Facet für knapp USD 500 Mio. Facet entwickelt derzeit ein Multisklerose-Medikament.

Northrop Grumman und EADS haben ihr Angebot für die Belieferung der US-Luftwaffe zurückgezogen. Der Auftrag über 179 Tankflugzeuge im Ausmaß von USD 35 Mrd. könne aufgrund von unfairen Wettbewerbsbedingungen nicht erfüllt werden, nachdem Konkurrent Boeing in der Ausschreibung klar bevorzugt wurde. Eigentlich hatten EADS und Northrop die Ausschreibung bereits 2008 für sich entschieden und wollten das Tanklugzeug KC-45 in einem neuen Werk in Alabama herstellen. Nach Protesten von Boeing wurde das Verfahren nochmals ausgeschrieben.

Chevron möchte weiter gesundschrumpfen und Kosten senken. Man werde Töchter in UK, der Karibik sowie Zentralamerika verkaufen. Man wolle die Kosten im Downstream-Bereich massiv senken, im ersten Quartal werden Sonderbelastungen von USD 200 Mio. erwartet. BP übernimmt für USD 7 Mrd. zahlreiche Lizenzen des Konkurrenten Devon Energy in Brasilien, Aserbaidschan und im Golf von Mexiko. Konkurrent Exxon Mobil meldete im Rahmen der jährlichen Analysten-Präsentation, man werde 2010 USD 28 Mrd. investieren. In den nächsten 5 Jahren sollen im Schnitt 28 Mrd. investiert werden. Man sieht sich weiterhin auf gutem Wege, die 3 Sparten Upstream, Downstream und Chemicals entwickeln sich deutlich besser als in der Peer-Group.

In der nächsten Handelswoche werden kaum relevante Unternehmensnachrichten gemeldet. Für Impulse sollten der Empire Manufacturing Index, die Zahlen vom Immobiliensektor sowie die Frühindikatoren sorgen. Nachdem der S&P den massiven Widerstand bei 1.150 bereits geringfügig überschreiten konnte, rechnen mir mit einer Fortsetzung der Rallye. Die Marktbreite ist weiterhin gesund, der Bullenmarkt steht auf gesunden Beinen. 81% der Aktien befinden sich über dem 50-Tage-Schnitt, 92% über dem 20-Tage-Schnitt.

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