Funktionale Grundsicherung

Paul Kellermann, 12. März 2010 13:50

Oder: Die Neidgesellschaft auf der sozialen Hängematte - Von Paul Kellermann

Nach der Milliarden-Stütze des Finanzsystems durch den Staat sei Sparen angesagt, um die Staatsschulden zurückzuführen. Wenn es nur um die Staatsschulden ginge, wäre Sparen wohl die richtige Maßnahme. Doch es geht um weit mehr: um die Sicherung und - im guten Fall - die Verbesserung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Da die Staatsbürger und auch die Betriebe als Einzelne in dieser Hinsicht ziemlich ohnmächtig sind - alle paar Jahre ein Wahllokal besuchen zu dürfen, bedeutet ja nicht wirklich, Macht zu haben -, fällt die Aufgabe dem Staat zu. Aktuell entsteht in dieser Konstellation ein Spannungsverhältnis zwischen Staatsaufgaben und Staatssparen. Dieses Spannungsverhältnis sollte Anlass geben zur Überprüfung der Treffsicherheit staatlicher Maßnahmen und Einrichtungen. Doch, da ist noch mehr zu berücksichtigen - vor allem anderen das Verhältnis von Wirtschaftsleistung und Geld.

Allein die materiellen Wirtschaftsleistungen - also die laufenden Ergebnisse der Arbeitsprozesse (diese werden meist falsch pauschal mit "Arbeitsmarkt" bezeichnet) in Form von verfügbaren realen Gütern und Diensten - sichern bzw. verbessern die Lebensbedingungen. Als Mittel zur Steuerung der Arbeitsprozesse und der Leistungsverteilung dient in Geldgesellschaften das generelle Medium "Geld". Wird Geld gespart, bedeutet das nicht nur eine Reduzierung des Steuerungsmittels. Sparen heißt in Gesellschaften, die ihre Leistungen als Waren über Geld tauschen, gleichzeitig eine Reduzierung der Möglichkeit des Leistungstausches, sofern das gesparte Geld von anderer Seite nicht wieder zum Ausgleich verwendet wird. Spart der Staat, spart er letztlich an Gehältern, was durch die Streichung von Arbeitsplätzen erfolgt. Sparen in gleicher Weise auch die Unternehmen, steigt die Quote der Erwerbslosigkeit weiter. Ohne Ausgleichszahlungen ist die Folge eine geringere Kaufkraft nicht nur der Erwerbslosen, also Nachfragerückgang an Märkten.

Nachfrageausfall bedrängt jene Betriebe, die auf Nachfrage ihres Leistungsangebot angewiesen sind, was wiederum Anlass zu Einsparungen gibt. Doch im Unterschied zu Einsparungen im staatlichen Bereich führen im Bereich der Privatwirtschaft Einsparungen nicht nur zu Entlassungen, sondern überdies zu Rationalisierungen und Zusammenbrüchen. Firmenzusammenbrüche verursachen Leid und Not für viele, bedeuten allerdings gleichzeitig Wandel - Wandel zur Verbesserung oder zur Verschlechterung gesellschaftlicher Lebensbedingungen.

Weil der Staat über die Macht der Steuerung des Geschehens durch Gesetze, Verordnungen, Gebühren und eben Steuern, aber auch durch Transferzahlungen und der Gleichem verfügen kann, bestimmt er - bewusst oder unbewusst - die Richtung des Wandels. Wie diese Macht wahrgenommen wird, hängt von der Kompetenz der Regierenden und nicht zuletzt von ihrem Geldverständnis ab. Verstehen sie Geld als etwas, das "von irgendwo herkommen muss", also als eine absolute Größe, der sogar Aktivität zugeschrieben wird - "Geld regiert die Welt" oder "Geld arbeitet" -, ist das Ausdruck von besonderer Inkompetenz. Inkompetent ist in diesem Fall, wer nicht versteht, dass Geld nur Wert hat, wenn es gleichbedeutend mit Kaufkraft ist. Und das ist nur dann der Fall, wenn Waren - also Güter und Dienste - angeboten werden. Diese Waren entstehen durch Produktionsmittel, von denen das wichtigste die qualifizierte menschliche Arbeitskraft ist.

Seit Jahrhunderten haben Menschen unter Einsatz ihrer Qualifikation mit steigendem Erfolg die Effizienz ihres Arbeitseinsatzes auch durch angewandte Technologie erhöhen können, so dass immer häufiger Waren ohne direkte menschliche Anstrengung durch programmierte Maschinen, also Automaten, entstehen.

Auch Maschinen sind Waren, die in der Privatwirtschaft als Investitionsgüter zur Rationalisierung - das heißt, vor allem zur Einsparung von Löhnen und Gehältern - gekauft werden. Im Erfolgsfall ist der gewünschte Effekt höhere Produktivität pro zu bezahlender Arbeitsstunde. Offensichtlich ist, dass sich dadurch das Verhältnis von Warenangebot und Nachfragemöglichkeit verändert, sofern nicht auch die Nachfrage gewissermaßen "effizienter" wird. Voraussetzung der Nachfrage ist zweierlei: Bedarf und Geldverfügbarkeit.

Es besteht aktuell nach Finanz- und Wirtschaftskrise kaum noch ein Zweifel daran, dass Bedarf und Geldverfügbarkeit in der Gesellschaft deutlich unausgeglichen sind. Man sagt, dass ein Prozent der Bevölkerung 90 Prozent beziehungsweise zehn Prozent schon 99 Prozent des Geldvermögens besitzen; umgekehrt 90 Prozent mit einem Prozent des Geldvermögens auskommen müssten. Das trifft sicherlich so nicht zu, weil auch in diesem Fall Geld zu undifferenziert gesehen wird. Beispielsweise wird hier nicht zwischen Geld als Tauschmittel für Waren auf Märkten und Geld als Ware, die an Börsen gehandelt wird, unterschieden; beides bildet "Finanzvermögen". Richtig ist aber, dass Geldverfügbarkeit und Bedarf sehr ungleich gegeben sind. Das wird von Kirchen und anderen Sozialeinrichtungen moralisch kritisiert und es wird eine Neuverteilung, beispielsweise in Form von "Reichensteuer" oder von „Grundeinkommen", gefordert. Dagegen stehen andere auf und verteidigen die Millionengagen von Managern, in dem sie von "Leistungsträgern" und "Neidgesellschaft" reden, während sie hinsichtlich einer garantierten Mindestverfügbarkeit von Geld mit den Sprüchen von "sozialer Hängematte" und "anstrengungslosem Wohlstand" polemisieren. Doch das zeigt ebenso wie die moralische Kritik nichts anderes als jene kognitive Barriere, die durch Geldgläubigkeit, also durch "Moneyismus", entsteht.

Vielleicht wäre es sinnvoller, funktional zu argumentieren: Wenn gewollt wird, dass Geld im Interesse aller seinen Wert in Form von Kaufkraft behält, muss für stetige Nachfrage nach dem wachsenden Angebot von Waren gesorgt werden; ansonsten schwindet das Angebot, weil weitere Waren zu produzieren nichts verdienen lässt , wenn die produzierten Waren nicht verkauft werden können. Wenn nichts verdient wird, wird nicht weiter produziert. Ist dieser Fall gegeben, werden weder bisherige Arbeitskräfte noch andere Produktionsmittel gebraucht und der wirtschaftliche Zusammenbruch ist nahe. Angebot und Nachfrage sind folglich voneinander abhängig. Das heißt nichts anderes als die Aufgabe, bei stetig steigender Produktivität die Nachfrage zu stabilisieren. Es geht also nicht nur um temporäre Wirtschaftskrisen, für deren Milderung J.M. Keynes Vorschläge gemacht hatte; es geht auch um den Wandel im Arbeits- und Wirtschaftssystem, der sich durch ständige Produktivitätssteigerungen stetig fortsetzt und sich nach Wirtschaftskrisen durch noch produktivere Verfahren beschleunigt.

Nochmals - Nachfrage kommt nur zustande, wenn beides gegeben ist: Bedarf und Geldverfügbarkeit. Doch zurzeit haben viele Menschen - weltweit etwa eine Milliarde - dringenden Bedarf, aber nicht ausreichende Kaufkraft, während andere über weit mehr Geld verfügen als sie tatsächlich zur Stillung ihres Bedarfs brauchen. Wenn Interesse an Verhinderung oder Milderung der Folgen wirtschaftlicher Zusammenbrüche beziehungsweise an der Sicherung oder gar Verbesserung gesellschaftlicher Lebensbedingungen besteht, ist es funktional, Bedarf und Geldverfügbarkeit aufeinander abzustimmen. Die wirtschafts- und gesellschaftpolitischen Ziele der Stabilisierung zu erreichen ist durch einen Ausgleich des Geldvermögens, nicht durch krasse Unterschiede im Besitz von Sach- und Geldwerten zu erreichen.

Ein den jeweils gegebenen Umständen angepasstes Grundeinkommen für alle ist ein funktionaler Schritt in diese Richtung. Und überdies befreite diese Garantie die Menschen von Existenzängsten und Arbeitszwängen, was nicht nur die Lebensqualität wesentlich verbesserte, sondern auch die in den Menschen angelegte Produktivität sich entfalten ließe. Doch auch das nur unter Bedingungen einer vernünftigen Arbeitsorganisation, die zugleich soziale Einbindung und subjektive Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns ermöglicht. Die konsequente Einsicht müsste sein: Wirtschaftspolitik ist Arbeitspolitik ist Gesellschaftspolitik ist Lebenspolitik. (derStandard.at, 12.3.2010)

Zur Person

Paul Kellermann, Jg. 1937, ist emeritierter Soziologie-Professor und Mitglied des Forschungsbeirats an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wirtschafts-, Bildungs- und Geldsoziologie. Er ist Herausgeber einschlägiger, interdiszilinärer Bücher wie "Die Geldgesellschaft und ihr Glaube" und "Geld und Gesellschaft". Zum "Garantierten Grundeinkommen" hat Paul Kellermann schon 1979 und 1980 (Rowohlt) publiziert.

 

  • Burn out-Falle

    Ausgebrannt [34]

    Die totale Erschöpfung: Niemand kann auf Dauer alle Aufgaben immer noch besser, noch schneller und noch gewinnbringender erledigen, ohne dabei sich selbst und/oder andere auszubeuten

  • 8.11.2011
Kommentar posten
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liebkind
30.03.2010 19:52
zwergleviathan
23.03.2010 15:04
es ist lächerlich darüber zu reden daß alle bezahlen und manche mit dem BGE abgesichert werden müssen

und zwar aus einem Grund:

VOLLBESCHÄFTIGUNG wird es nie mehr geben

also wie stellen sie sich zur Hölle nochmal vor, daß jeder arbeiten soll wenn es nicht genug Arbeit für alle gibt (Tendenz sinkend)?

Arbeitslose in Lager stecken und nach China in Fabriken karren damit sie dort ihren Anteil leisten?

wenn ich mich der Engstirnigkeit von Martin Schwarwasauchimmer ausgesetzt sehe bekomm ich Angst...

andreas wreiser
 
14.03.2010 11:10
Es ist lächerlich anzunehmen, dass keiner mehr arbeiten wird

wenn heutzutage fast doppeltsoviele ehrenamtliche, unbezahlte Arbeit geleistet wird,
als durch bezahlte Arbeit.

Statistisch Bundesamt
BRD 96 MRD STD Unbezahlte Arbeit
56 MRD STD Bezahlte Arbeit pro Jahr
Jeder 3. Erwachsene arbeitet 15 STD in der Woche ehrenamtlich.

Martin Schwarzbauer
 
14.03.2010 14:38
Interessanter Gedanke

Haben Sie eine Quellenangabe für diese Zahlen? Es würde mich nämlich schon wundern, wenn so viel ehrenamtliche (und gemeinnützige) Tätigkeiten verrichtet würden. Oder sind da Haushaltsarbeiten mit eingerechnet? Unbezahlt heißt ja nicht gleich ehrenamtlich und gemeinnützig.

Natürlich würden viele Menschen noch arbeiten. Wenn es allerdings auf Freiwilligkeit basiert, ohne unmittelbare Konsequenzen für Verweigerung, dann werden erstens manche Tätigkeiten gar nicht geleistet werden und die meisten (wie auch ich) werden nicht mit der Rigorosität einer 40-Stunden-Woche mit koordinierten (vorgegebenen) Arbeitszeiten an die Arbeit gehen. Ganz zu schweigen von den Arbeitswegen, die man dann noch in Kauf nähme.

Was meinen Sie dazu?

zwergleviathan
16.03.2010 16:18
Hausarbeit ist nicht unbezahlt, sie erzeugt einen Anspruch auf geldleistung beim ehepartner

aber aufgrund der hier in solchen Dingen immer schon starken misandrischen Tendenzen gehe ich davon aus, daß auch diese als "unbezahlte" Arbeit bezeichnet wird, wie in den aderen standard-artikeln ebenso

Martin Schwarzbauer
 
17.03.2010 00:44

Das mit dem Unterhalt stimmt schon, in der genannten Statistik ist die haus- und Gartenarbeit aber mit erfasst und macht den Großteil der unbezahlten Arbeit aus. Siehe mein Posting weiter unten.

Deadly Dust
14.03.2010 16:14
Wer geht dann noch arbeiten? Diskussion über das Grundeinkommen

http://www.youtube.com/watch?v=f... re=related

laut google:

http://www.destatis.de/jetspeed/... y=file.pdf

Blatt 7.

Martin Schwarzbauer
 
14.03.2010 17:04

Wie ich schon dachte beziehen sich die unbezahlten Tätigkeiten auf:
- Haushaltsführung (Haus- und Gartenarbeit, Bauen und handwerkliche Tätigkeiten, Einkaufen und Haushaltsorganisation)
- Pflege und Betreuung (Kinderbetreuung, Unterstützung, Pflege und Betreuung erwachsener Haushaltsmitglieder)
- Ehrenamt
- Informelle Hilfe für andere Haushalte

Bei einer Umrechnung in bewertete Arbeitszeit machen "ehrenamtliche Tätigkeiten" mit 28 Mrd. Euro gerade einmal 4,1% der unbezahlten Arbeit aus, der Löwenanteil von 56,3% entfällt auf Haus- und Gartenarbeit, gefolgt von "Einkaufen und Haushaltsorganisation" (21,8%).

Die Menschen arbeiten also unbezahlt zum größten Teil für sich und ihre Familie, nicht gemeinnützig.

truly
14.03.2010 16:08
lösungen für unliebsame tätigkeiten

es gibt 3 lösungen für solche tätigkeiten:

- viel mehr dafür bezahlen (siehe zb leichenwäscherInnen in NL)
- automatisieren/wegrationalisieren (siehe zb hühnertöter in schlachthäusern)
- selber machen (siehe zb "liftboy" oder "türaufhalter")

naihoit
14.03.2010 10:22
Ein erstklassiger Artikel, und so viele verständnislose Postings

Vereinfacht für die, denen die Angst davor, ausgenutzt zu werden, die Sicht verstellt:
kann nur wenig verkauft werden zahlt es sich nicht aus, viel zu produzieren, daher werden weniger Produktionskapazitäten gebraucht, also auch weniger Beschäftigte.
Bisher alles verstanden?
Gut. Dann weiter: weniger Beschäftigte heißt weniger Kaufkraft, ergo geringere Nachfrage und somit zurück an den Start.
Nach ein paar Runden sind wir alle arm.
Daß das nur für überschaubare Gesellschaften gilt und weltwirtschaftlich nicht liegt nur daran, daß ganze Gesellschaften sich auf Kosten anderer bereichern, macht die obige Überlegung aber nicht weniger wahr, wenn auch nur für entwickelte, also solidarische Gesellschaften.

Martin Schwarzbauer
 
14.03.2010 14:32
Wenn man diese Logik konsequent fortführt

kommt man zu dem Schluss, dass Wohlstand also durch Verschenken von Waren erzeugt wird. Denn nichts anderes ist ein bedingungsloses Grundeinkommen: es wird Kaufkraft und damit indirekt Waren verschenkt.
Das Geld für das BGE muss ja irgendwo herkommen - klar kann man sagen, dass man es von dort abzieht, wo es rumliegt ohne in der Realwirtschaft zu zirkulieren, aber 1) ist das realistisch? und 2) irgendwer muss die Waren, die für das Geld gekauft werden, ja trotzdem produzieren (und diese Produktion verursacht Kosten).
Wenn ich nur dadurch mehr Produkte verkaufen kann, dass ich Steuern zahle, die an BGE-Empfänger ausgeschüttet werden, habe ich nichts von dem größeren Absatz - weil vorher durch die Steuern mein Gewinn beschnitten wurde.

zwergleviathan
16.03.2010 16:41
lol die mindestisicherung ist nicht das was man KAUFKRAFT nennt, zumal diese Mittel eher für lebensnotwendigkeiten draufgehen als für Luxusartikel die wirtschaftlich interessante Gewinnspannen abwerfen....

übrigens würde die grundsicherung sicherlich zumindest für jene die atm NOCH WENIGER bekommen sicherlich eine Erhöhung ihrer "Kaufkraft" und damit einen Impuls für die Konsumwirtschaft bedeuten...

die steuern zahlen sie soweiso, also raunzen sie bitte nicht wie ein kind herum, ich hab z.b. kein auto, zahle aber trotzdem für alle Individualverkehrer verwendete Mittel über meine Steuern....

für mich also de facto kein unterschied ob BGE oder neue Autobahn...

sollten sie weiter im Neid schwelgen wollen, so tun sie das bitte im stillen eck, wenn sie soooo viel verdienen daß sie sooooo viel steuern zahlen müssen sie armer brauchen sie es ja auch keinem zu neiden.... schliesslich leben sie gut hier....

Martin Schwarzbauer
 
16.03.2010 21:57
So viele Denkfehler in einem Beitrag sind bemerkenswert

Zunächst einmal ist Kaufkraft neben Bedarf die zweite Zutat zur Nachfrage, betrifft also auch Dinge des täglichen Lebens.

Das Argument "bringt den Empfängern Kaufkraft, daher mehr Konsum, daher Wirtschaftswachstum" habe ich eben widerlegt: verschenken kann keinen Wohlstand schaffen. Siehe auch http://derstandard.at/plink/126... 1/16008032

Die Steuern können aber für verschiedene Dinge verwendet werden, z.B. für Bildungseinrichtungen oder Infrastruktur. Oder man kann die Steuern senken! Infrastruktur wie Straßen nützen übrigens allen - oder glauben Sie, dass Ihr Joghurt in den Supermarkt gebeamt wird?

Wie schon mehrmals festgestellt geht es nicht um Neid, sondern um Gerechtigkeit - wer nichts leistet obwohl er könnte, bekommt nichts.

zwergleviathan
23.03.2010 14:59
soviel unvermögen zu lesen ist bedenklich:

wenn sie auf meinen post antworten dann erwarte ich daß sie ihn lesen.

und ja, bei ihnen gehts nur um neid...
"warum soll der was bekommen wenn er nix tut dafür" ist ihre Maxime --> ergo Neid...

und ganz ehrlich: wenn sie einen Job haben seien sie froh. Brechen sie aber nicht den Stab über jene die keinen haben oder ihrer Meinung nach nix beitragen. Sehr oft werden sie feststellen, daß sie sowas von keine Ahnung von den konkreten Umständen haben...

und wie war das? wenn einer keine Ahnung hat, einfach mal die ... halten?

genau... so war das...

Martin Schwarzbauer
 
23.03.2010 17:48

Ich habe Ihren Beitrag nicht nur gelesen, sondern Punkt für Punkt geantwortet:
1) Begriffsdefinition "Kaufkraft"
2) BGE bringt Konsum, daher Wirtschaftswachstum => durch Verschenken erzeugt man aber keinen Wohlstand
3) Steuern zahlt man sowieso => Höhe und Widmung sind aber entscheidend
4) BGE-Gegner sind Neidhammel => falsche Begriffsvorstellung von "Neid"

Ich erkläre Ihnen gerne den Unterschied zwischen Neid, Missgunst und Leistungsgerechtigkeit, wenn das wirklich notwendig ist. Der Leitspruch des Sozialismus lautet übrigens: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen."

Wenn Sie also die ad hominem-"Argumente" und inhaltsleeren Stehsätze beiseite lassen würden, könnten wir auch mal inhaltlich diskutieren.

Elfmeter
14.03.2010 08:35
Eine fantastisch-scheinlogische Verknüpfung von Irrtümern....

...... und in letzter Konsequenz stelle ich mir die Verteilung des Grundeinkommens so vor, wie die unheilvollen Gesichter Haider/Dörfler das in Kärnten praktiziert haben: Wir rutschen zum Landeshauptmann und holen uns das Geld ab. Fürchterlich! Herr Kellermann; vielleicht liegt der Vater ihrer Irrtümer in der Annahme, dass "..... für die Verbesserung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen......die Staatsbürger und auch die Betriebe als Einzelne in dieser Hinsicht ziemlich ohnmächtig sind". Wenn Sie das glauben, MÜSSEN Sie ja förmlich dem Grundeinkommen gut zureden. Diese Ihre Ansicht 8 Millionen mal in Österreich zu Ende gedacht, führt in die Sackgasse der Wirtschaft. Und wie wollen Sie dann Sozialliestungen finanzieren?

santa fe
 
14.03.2010 01:08

wow, thank you, standard. langsam wird die seriosität des BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMENS honoriert.

nur eine kleine bitte: der terminus "grundsicherung" könnte missverständlich sein.

auf jeden fall: mein vertrauen in diese zeitung hat sich als gerechtfertigt erwiesen.

und jetzt lese ich die postings.

santa fe
 
14.03.2010 01:26

ok. wie immer regen sich die leute auf, dass sie für das grundeinjkommen anderer arbeiten sollen. sie arbeiten aber auch dafür, dass sie selber das BGE erhalten.

dann diese angst, dass alle nur noch idiotisch rumhängen.

es entspricht nicht den wahren bedürfnissen der menschlichen natur, das zu tun. diejenigen, die das machen wollen, machen es jetzt schon.

und ausserdem, wenn gewisse menschen an eine selbstverwirklichung ohne berufliche(!) arbeit glauben, warum sollen sie dieses eigenexperiment nicht versuchen?

dass arbeit und moral gleiuchzusetzen sind, ist angesichts der katastrophalen auswirkungen auf umwelt und psyche höchst zweifelhaft.

das BGE fliesst in die wirtschaft zurück, es wird niemandem weggenommen.

freiwillige arbeit!

santa fe
 
14.03.2010 15:34
@martin schwarzbauer

sie sagen, das geld für das BGE wird DOCH jemandem weggenommen, und zwar in form von besteuerungen.

umverteilung bedeutet auch umverteilung von steuern. das BGE braucht kein erhöhtes steuer-aufkommen. wenn 10% der bevölkerung 99% des volksvermögens besitzen, ist das kein beweis für ein gerechtes steuersystem.

die diskussion um die finanzierung des BGE zeigt auch einen trend zu einer spezifischen konsumsteuer. konsumwahn und der ökonomische aberglaube an die notwendigkeit von wirtschaftswachstum (=konsumsteigerung) sind auslaufmodelle, müssen es sein, wenn wir überleben wollen.

das BGE bedeutet eine erneuerung der ökonomischen, sozialen und humanistischen vernunft.

Martin Schwarzbauer
 
14.03.2010 19:14
"wenn 10% der bevölkerung 99% des volksvermögens besitzen, ist das kein beweis für ein gerechtes steuersystem."

Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht - die Besteuerung von Lohn und Konsum müsste zugunsten der Besteuerung nicht erarbeiteter Vermögen, von Mehrwertschaffung losgelöste Profite und nicht erneuerbarer Ressourcen aufgegeben werden. Wenn aber derzeit nicht konsumwirksames Geld über Steuern in die reale Wirtschaft eingespeist wird, bedeutet das Inflation.

Beim BGE bleibt aber unterm Stich: auch wer trotz Fähigkeit nichts arbeitet, wird mitversorgt - das ist nicht gerecht und auf Dauer auch nicht leistbar.
Sogar "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen." fordert Leistung ein.

Eine zeitliche Begrenzung (z.B. insgesamt 5 Jahre im Leben) würde das BGE zu einem Sprungbrett machen, zeitlich unbegrenzt ist es eine Hängematte.

santa fe
 
14.03.2010 19:51

freiwilligkeit von arbeit ist im grunde ein menschenrecht. und freiwillige arbeitslose braucht die wirtschaft, deren automatisation eskaliert.

noch eines: es gibt eine menge radikaler kritiker des bestehenden wirtschaftssystems, die sich aus ideellen gründen verweigern und ihre kollaboration minimalisieren. das BGE bedeutet eine radikale änderung des wirtschaftssystems und holt auch dissidenten zurück in den sozialen gesamtzusammenhang. viele dieser leute haben ihre arbeitsplätze verloren, weil sie ein gewissen hatten. viele warten auf eine neue chance unter neuen bedingungen.

selbst eine wirklich "asoziale minderheit" hat ein recht, zu leben, sie ist nicht amoralischer als die minderheit der superreichen ohne soziales gewissen.

Martin Schwarzbauer
 
14.03.2010 14:49
"das BGE fliesst in die wirtschaft zurück, es wird niemandem weggenommen"

Die Argumentation läuft ja auch im Artikel ungefähr so:
1) Durch das BGE wird Kaufkraft erzeugt
2) Bedarf ist schon da, d.h. durch 1) wird der Konsum angekurbelt
3) Mehr Konsum bedeutet mehr Profit für die Produzenten und Händler
4) Diese können dadurch expandieren, d.h. auch Arbeitsplätze schaffen
5) Menschen mit Arbeit brauchen kein BGE mehr, die Kosten sinken.
6) Alles ist super

Leider fehlt in diesem Bild folgendes:
0) Zur Finanzierung des BGE werden Steuern eingehoben
1') Dadurch sinkt die Kaufkraft der Steuerzahler
2') und somit die Nachfrage, der Konsum sinkt
usw.

Natürlich wird das BGE jemandem weggenommen - schließlich kann ohne Gegenleistung konsumiert werden, das muss ja irgendwo herkommen.

truly
14.03.2010 16:29

ad 5) menschen mit arbeit bekommen trotzdem ein bge. sonst wäre es nicht "bedingungslos".

oder habe ich 5) falsch verstanden?

santa fe
 
14.03.2010 18:31

ihr verständnis ist absolut korrekt

Martin Schwarzbauer
 
14.03.2010 16:44

Ok, stimmt wohl. Das würde aber eben sicher "weg-besteuert", wie es auch im Konzept des Liberalen Forums vorgesehen ist. Das heißt, je nach Höhe des erzielten Erwerbseinkommens wird durch zusätzliche Einkommens-Steuern der BGE-Betrag wieder eingehoben, was auf das gleiche hinausläuft wie eine "Zuverdienstgrenze" mit Einschleifregelung.

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