Schönborn: "Selbstmitleid der Kirche unangebracht"

12. März 2010, 13:37

"Es muss uns zuerst um das Leid der Opfer und nicht um die eigene Befindlichkeit gehen"

Wien - Kardinal Christoph Schönborn hält angesichts der Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Selbstmitleid für "unangebracht". Auch wenn es schmerzlich sei, müssten die Mitglieder der Kirche in diesen Tagen Anfeindungen aushalten. "Es muss uns zuerst um das Leid der Opfer und nicht um die eigene Befindlichkeit gehen", sagte Schönborn bei einer Pressekonferenz am Freitag im Rahmen der Zweiten Diözesanversammlung.

Es sei ihm klar, dass alle Menschen, die sich aktiv zur katholischen Kirche bekennen und für die Missbrauchsfälle keine Verantwortung tragen, mit schmerzlicher Kritik und Anfeindungen konfrontiert würden. Aber: "Das sind 'Peanuts' im Vergleich zu dem, was die Missbrauchsopfer oft ein Leben lang zu ertragen haben", so der Kardinal. Die Kirche stelle sich der Realität von Missbrauchsfällen. Man wolle offen und ehrlich damit umgehen und nichts vertuschen.

Der Kardinal wies erneut auf die im Rahmen der Bischofskonferenz beschlossenen Maßnahmen hin. Die diözesanen Ombudsstellen sollten in Zukunft besser vernetzt werden und besser mit zivilen Organisationen, die sich um Missbrauchsopfer und Täter kümmern, zusammenarbeiten. Und die Kirche plane auch hinsichtlich der Prävention von Missbrauchsfällen weitere Maßnahmen. Dies wolle man in den nächsten Wochen umsetzen, kündigte der Kardinal an: "Wir können nie ein Garantie abgeben, aber wir können alles Menschenmögliche versuchen, damit so etwas nicht wieder vorkommt."

"Gesellschaftliches Problem"

Das Thema Missbrauch sei "auch ein gesellschaftliches Problem, nicht nur ein kirchliches", sagte Schönborn. Dies entschuldige Missbrauchsfälle in der Kirche freilich in keiner Weise: "Dass die katholische Kirche besonders kritisch angesehen wird, liegt an den hohen moralischen Ansprüchen, die sie stellt."

"Wenn der Zölibat der Grund für sexuellen Missbrauch wäre, dürfte es überall dort, wo es den Zölibat nicht gibt, auch keinen Missbrauch geben", reagierte der Kardinal auf die wieder aktuell gewordene Zölibatsdebatte. Er selbst habe nicht den Zölibat infrage gestellt. In seinem Kommentar für das Wiener diözesane Mitarbeitermagazin "thema kirche" habe er vor allem auf die Priesterausbildung abgezielt, betonte Schönborn.

Das Missbrauchsproblem stehe in engem Zusammenhang mit der persönlichen Reife von Menschen, so Schönborn. "Zur persönlichen Reife jedes Menschen gehört auch die Integration und der Umgang mit Sexualität - egal in welcher Lebensform." Die Kirche müsse sich allerdings fragen, ob die Integration von Sexualität für die persönliche Reife in den Priesterseminaren genügend thematisiert worden sei. Zwar habe man schon in den letzten Jahren sehr bewusst darauf geachtet, aber: "Vielleicht zeigen uns die Missbrauchsfälle, dass es noch besser gemacht werden muss." Ziel der Priesterausbildung sei eine freie Entscheidung zum Zölibat und die Förderung der dafür notwendigen menschlichen Reife, so der Kardinal. (APA)

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werwolfi
00
22.3.2010, 11:55

ja, so hört es sich an, wenn eiskalte hardliner sich plötzlich gezwungen sehen, kreide zu fressen... aber zugegeben wird eh immer nur das, was sich nicht mehr leugnen lässt.
noch ein paar hübsche beteurerungs- und beschwichtigungsphrasen, und passt scho - die schäfchen werden's schlucken...

Sophie Reicht
01
18.3.2010, 20:16

»Wenn ihr uns gehorcht«, sagten die Hirten zu den Schafen, »dann kommt ihr alle in den Himmel« Und die Schafe glaubten ihnen und gehorchten.

aus den Schafgeschichten

Camilla Vanilla
01
18.3.2010, 02:16
die selbstgerechtigkeit der katholischen kirche geht so weit, dass sie in ihrer medienausbildung gefordert hat,

nur kircheninterne sollen über die kirche berichten dürfen.... ja was sollte denn das?

Camilla Vanilla
00
18.3.2010, 01:33

"Dass die katholische Kirche besonders kritisch angesehen wird, liegt an den hohen moralischen Ansprüchen, die sie stellt." - der Skandal wird in der Kirche nicht besonders stark gesehen, weil sie sich selbst so hohe ansprüche stellt - SONDERN, WEIL DIE KATHOLISCHE KIRCHE; NICHT NUR IN BELANGEN DES (SEXUELLEN) MISSBRAUCHS IN JAHRZEHNTE- (JAHRHUNDERTE-?) LANGER SELBSTGERECHTIGKEIT GEBADET HAT.
außerhalbt der derzeitig sichtbar werdenden skandale sei an die behandlung der punkte des kirchenvolksbegehrens (frauen in der kirche war einer der wichtigsten punkte) einfach nicht wie vereinbart eingehalten wurde.
und jetzt sagt die kirche (predigt kölner dom letzten so), es sei nicht die kirche sondern nur einige einzelne schuld an den taten, u.ä

josefa maier449
02
16.3.2010, 17:20
Es tut einfach nur weh ...

... wie weltfremd dieser Schönborn ist, es ist grauenhaft zu lesen, dass die Wurzel des Übels die Machtstruktur von Männern der kath. Kirche selbst ist.

josefa maier449
02
16.3.2010, 17:16
Bin für Abschaffung des Zöllibates

..."Wenn der Zölibat der Grund für sexuellen Missbrauch wäre, dürfte es überall dort, wo es den Zölibat nicht gibt, auch keinen Missbrauch geben"...

Doch dann gäbe es vielleicht weniger Missbrauch - es ist doch krank NUR eine tiefe schizophrene Beziehung zu einem eingelbildeten autoritären Gott zu haben. Gebe es mehr Frauen in der Kirche, da bin ich mir sicher, gäbe es weniger krankhafte Männer, die es auf schwache Kinder abgesehen haben.

A Voice
02
16.3.2010, 13:03
nötige menschliche Reife

Sorry, aber bei all den sonstigen schönen (wenn auch sehr, vielleicht zu späten) Worten ist das kompletter Blödsinn. Zölibat ist kein Zeichen von Reife sondern wenn, dann von Beziehungsstörung. Der Mensch ist ein Sozialtierchen, das Bindungen eingeht. Zu verlangen, die besondere Bindung an einen Partner zu "opfern" ist einfach daneben.

darkestblack
02
15.3.2010, 01:25
die gesellschaft

seien auch schuld daran ... aha, müssen wir auch was zahlen, dafür dass die opfer jetzt am boden liegen?

Mirabeau
00
16.3.2010, 06:42

Ich glaube, er hat damit gemeint, daß Mißbrauch nicht ein exklusives Problem der Kirche, sondern ein Problem der ganzen Gesellschaft ist.
Irgendwo in den Foren zu dem Thema hat ein Obmann eines Vereines, der Mißbrauchsopfer betreut, gepostet, daß 95% seiner Klienten in der Familie zu mißbraucht wurden, von verheiratetet Männern oder Männern, die in einer Beziehung leben.

Gerhard Schwarz
 
07
14.3.2010, 19:42

Wer soll denn das glauben, dass die Kirche jetzt vor Mitleid trieft für die Opfer ihrer eigenen autoritären Strukturen? An denen sie aber gar nichts ändern will?
Hätten alle - so wie früher - den Mund gehalten, wär ja eh alles in Ordnung. :))

minski
33
12.3.2010, 18:00
Schönborn zeigt Rückgrat und Anstand

Doch solange Ursachen wie das Zwangszölibat nicht beseitigt sind, kann sich nicht viel ändern. Der Schritt ist ebenso zu tun, wie die scharfe Sanktionierung von Tätern.

PegasusNbW
12
12.3.2010, 18:54
Der Zölibat ist weder Zwang noch Ursache.

Sexueller Missbrauch an Kindern/Jugendlichen kommt bei Zölibatären wie Nicht-Zölibatären vor. Er kommt im autoritären (kirchliche Internate) wie auch im anti-autoritären Umfeld (zB Odenwaldschule) vor. Er kommt im Konservativen Kreisen genauso wie im progressiven (Mühl, Cohn-Bendit) vor. Und: er wurde bis vor kurzem überall nicht beachtet - entweder weil er totgeschwiegen wurde (Kirche), weil man nichts dabei fand und es sogar lauthals hinausposaunte und es chic war (vor allem in den 1970er Jahren - man lese den interessanten Emma-Artikel über Cohn-Bendit und Kentler).

Was man dem Zölibat vorwerfen kann, ist höchstens eine gewisse Verschleierung, da sich zölibatäre Päderasten vor der Frage nach Freundin/Frau/Familie drucken konnten.

Mirabeau
01
16.3.2010, 06:48

Stimmt.
Daß die Opfer der Kirche allerdings fast immer männlichen Geschlechts sind, hat sehr wohl etwas mit dem Zöllibat zu tun.

Dimple
02
16.3.2010, 15:43
Das glaube ich nicht

Daß die Opfer des sexuellen Mißbrauches durch Männer meist Buben waren, liegt eher an den Strukturen in der Kirche und den kirchlichen Internaten: Ministranten waren lange Zeit nur männlich & reine Bubenschulen

lg
Dimple

The Dark
23
12.3.2010, 18:00
Sagt jemand

der selbst jahrelang weggeschaut hat. Überall anders würden ganz oben Köpfe rollen bzw. würden Leute wie Schönborn oder Ratzinger die Veranwortung übernehmen und ZURÜCKTRETEN!

Matt Canalegrande
22
12.3.2010, 17:41
Vieviel Zoll erzeugt der Zölibat?

Der Zölibat wird jetzt auch auf Orangen augedehnt. Die kernlosen Orangen werden vom Erzbischof gebannflucht, weil sie nur der Lust dienen; nicht aber der Fortpflanzung. Tja, Lebensformen gibts!

Lectrice
23
12.3.2010, 17:26

Aha - jetzt wo nichts mehr aufzuhalten ist, treten wir die Flucht nach vorne an. Und die Gesellschaft, die so u. so in kath. Belangen nichts zu melden hat ist auch noch Schuld an den internen Problemen.

Seine säuselnde Bischöflichkeit wirkt auf mich etwas angestrengt aber nicht ehrlich.

Erst vertuschen und dann säuseln. Reagierts mal auf das Leben realistisch und zeitgemäss und nicht mit jahrhundertelangem Zusammengeschwurbeltem, dann hätten viele Kinder nicht so viel erleiden müssen.

Bin ich froh, dass die zusehends an Einfluss u. Macht verlieren.

FFluXXuSS
13
12.3.2010, 17:07
Schönborn will "offen und ehrlich damit umgehen"??

Er geht mit seinen Mitarbeitern alles andere als "offen und ehrlich" um.

So hat es mir einer seiner Brüder bezeugt.

Es geht dort zu wie in einer stinknormalen Firma. Personen, die im Habitus ihrem Chef entsprechen, haben das Sagen und die Macht.

So ist garantiert, dass die Kacke in Ewigkeit am Köcheln bleibt.
[amen]

Beliar
02
12.3.2010, 16:32
menschliche reife und zölibat

ich denke da gehts eher um machtausübung über sexualität als sex an sich, so ähnlich wie bei vergewaltigungen, nur dass es halt keine frauen, die sind eh nicht in der nähe, sondern kinder trifft. na schönborn tritt die flucht nach vorn an, mich täts nur interessieren wie jetzt bzw in zwei wochen das verhältnis von missbrauch bei priestern zum rest der bevölkerung steht

Schneeglöckchen
 
33
12.3.2010, 16:07
"Kein Selbstmitleid!"

"Auch wenn es schmerzvoll ist, müssen wir die Anfeindungen aushalten!" selbstbemitleidet sich
Herr Schönborn.

Bertel Mann
33
12.3.2010, 15:54
"Dass die katholische Kirche besonders kritisch angesehen wird, liegt an den hohen moralischen Ansprüchen, die sie stellt."

Nein - das liegt vor allem daran, dass es eine signifikante Häufung solcher Verbrechen bei Mitgliedern dieses Vereins gibt.

gnadevorrecht
23
12.3.2010, 15:51
Mir ist unverständlich, dass ständig auf den Zölibat eingedroschen wird. Faktum ist, dass der Zölibat ...


1) ... FREIWILLIG vom Priesterkandidaten versprochen wird und
2) logischerweise NICHT Schuld an Missbrauchsfällen o.ä. ist. Begründung: Es gibt ja wohl genug Fälle, in welchen andere (nicht dem Zölibat verpflichtete) Berufsgruppen ebenso Täter aufweisen (Lehrer, Sporttrainer...)!

Dass auch andere Religionen als die hl. röm. kath. Kirche Lebensformen kennen, in welchen eine geschlechtliche Enthaltsamkeit geboten ist (inbes. zB Mönchstum in diversen asiatischen Religionen), verkennen unsere Kirchenfeinde großzügig. Dieses Phänomen erkennt man auch gut bei der Diskussion um das so genannte Frauenpriestertum: Nur der hl. röm. kath. Kirche werden ungefragt Ratschläge erteilt, während andere Religionen ungeschoren davonkommen.

A Voice
01
16.3.2010, 13:06
Jo eh

ganz, ganz freiwillig. Sonst - werden s' halt keine Priester.

Lectrice
05
12.3.2010, 17:28

Ich kann mich aber erst für oder gegen was entscheiden, wenn ich beides kenne.

Ein freiwillig gewähltes Zölibat zB nach e. Ehe oder im Verlauf einer Ehe, wenn von beiden Partnern akzeptiert wie zB Ghandi das lebte, lasse ich mir noch einreden.

Dieses kath. Zölibat (übrigens eine reine Erbrechtssache) ist doch völliger Schwachsinn und was dabei rauskommt sieht man ohnehin. Obwohl ich mir auch sicher bin, dass es neben einigem anderen (Körperfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Sinnes- u. Lustfeindlichkeit - eben das Leiden als Passion) nur ein Teil des Problems ist.

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