Mandl will "Arbeitsplatz der Zukunft" schaffen - Skepsis gegenüber Neuer Mittelschule
Wien - Einstimmig hat der ÖAAB-Bundesvorstand am Freitag den niederösterreichischen Landtagsabgeordneten Lukas Mandl zum neuen Generalsekretär der ÖVP-Arbeitnehmerorganisation gewählt. Er löst damit die zur Wissenschaftsministerin aufgestiegene Beatrix Karl ab.
ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger würdigte den von ihm vorgeschlagenen Mandl in einer Pressekonferenz als "starke Persönlichkeit" mit "Ecken und Kanten". Trotz seiner Jugend habe der 30-jährige schon einige Erfahrungen gesammelt und sich auch in der Bildungspolitik seine Sporen verdient. Dies sei für den ÖAAB wichtig, weil man derzeit dabei sei, ein Bildungskonzept zu finalisieren. Mandl sei ein Garant dafür, dass dies gelingen werde.
"junger Löwe"
Der neue Generalsekretär selbst will "zuerst zuhören, dann nachdenken und dann umsetzen", beschrieb er seine Arbeitsweise. Als Schwerpunkt seiner Arbeit nannte er die Schaffung des "Arbeitsplatzes der Zukunft". Das Hauptaugenmerk dafür müsse im Bildungsbereich liegen, damit die Arbeitnehmer wettbewerbsfähig bleiben und Österreich seinen Wohlstand und sein Sozialsystem erhalten könne.
Die Wiener Landtagsabgeordnete Ingrid Korosec bezeichnete Mandl als "gute Lösung". Volksanwältin Gertrude Brinek meinte unter Hinweis darauf, dass Mandl und Spindelegger aus dem gleichen Wahlkreis stammen, das wichtigste sei, dass der Obmann und sein Generalsekretär gut miteinander können. Beide sehen auch einen Vorteil darin, dass mit dem 30-jährigen Mandl ein junger Kandidat zum Zug kommt. Korosec meinte, es sei gut, dass "junge Löwen" an die Reihe kämen. Brinek ergänzte, man müsse dem Nachwuchs eine Chance geben.
"Es muss nicht immer eine Frau sein"
ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger hat seine Entscheidung verteidigt, dass mit Lukas Mandl ein Mann zum
Nachfolger von Beatrix Karl als Generalsekretär bestellt wurde. Es
gebe "keine Automatik, dass es immer ein Frau sein muss". Er habe
mehrere Möglichkeiten erwogen, seine Wahl sei aber auf Mandl gefallen
und er sei überzeugt, dass dieser seine neue Aufgabe gut erledigen
werden, sagte Spindelegger. Seine Durchsetzungsfähigkeit habe er
schon bewiesen, als er 2008 über Vorzugsstimmen den Einzug in der
niederösterreichischen Landtag geschafft habe.
Obmann und Vorstand aus Niederösterreich
Der Außenminister betonte auch, dass es im ÖAAB-Vorstand kein
Problem damit gegeben habe, dass nun sowohl der Obmann als auch der
Generalsekretär aus Niederösterreich kommen. Zudem äußerte
Spindelegger die Hoffnung, dass Mandl nicht auch wieder nach einem
halben Jahr in eine Regierungsfunktion aufsteigt, wie ihm das mit
Karl passiert ist.
Skeptik gegenüber Neuen Mittelschule
Mandl selbst machte gleich in seiner ersten Pressekonferenz
deutlich, dass er in Schulfragen nicht zu den visionären Reformen
zählt und eher auf der alten Linie der ÖVP liegt. So äußerte er sich
zu der von der SPÖ forcierten Neuen Mittelschule betont skeptisch und
meinte, diese sei nicht ausgereift und noch ein Fleckerlteppich. Man
solle die Kinder nach ihren Talenten fördern und dem entsprechend
gute Angebote machen. Gegen die Hauptschule solle man auf lange
Sicht "keine negative Stimmung" machen. Mandl plädierte
grundsätzlich dafür, in der Bildungspolitik Talente zu fördern und
Defizite zu beseitigen. Bezüglich der Sprachdefizite trat er für
"verpflichtende Deutschkurse" für Kinder, die nicht ausreichend
Deutsch können, ein.
Den ÖAAB will der neue Generalsekretär als Denkwertstatt weiter
ausbauen. So will er zur Entwicklung neuer Ideen auch Experten sowie
informelle Gruppen beiziehen und über den Tellerrand hinaus blicken.
Gesundheits- und Jugendsprecher steigt auf
Spindelegger holt sich mit Mandl ein zwar ein in der Öffentlichkeit weitgehend unbeschriebenes Blatt als Generalsekretär an seine Seite in den Arbeitnehmerbund der ÖVP. Der Außenminister selbst kennt und fördert den Bezirksparteiobmann von Wien-Umgebung aber schon seit längerem - beide kommen aus dem gleichen Wahlkreis.
In der Niederösterreichischen ÖVP fungiert Mandl als Gesundheitssprecher sowie als Kinder- und Jugendsprecher. In seinem Brotberuf ist Mandl als Kommunikationsberater und Texter tätig. Studiert hat er Kommunikationswissenschaften und Wirtschaftspsychologie an der Universität Wien. Derzeit absolviert er einen postgradualen Lehrgang an der juridischen Fakultät in Wien.
"Lieber Bier als Wein"
Trinken tut Mandl nach eigenen Angaben "lieber Kakao als Kaffee, lieber Wasser als Saft, lieber Bier als Wein". Beim Essen liebt er es bodenständig, Schnitzel mit Erdäpfelsalat oder Spaghetti nennt er als Lieblingsgerichte. (APA)