Kinder psychisch kranker Eltern stellen eine Hochrisikogruppe für Vernachlässigung dar - In Deutschland sind mehr als drei Millionen Kinder betroffen
Vor drei Jahren wurde am Universitätsklinikum Greifswald das Modellprojekt "Rückenwind - Hilfe für psychisch und suchtgefährdete Kinder und Jugendliche" ins Leben gerufen. Auf einer Fachtagung sollen am Mittwoch, dem 17. März 2010, in Greifswald erstmals öffentlich die Ergebnisse der dreijährigen Arbeit öffentlich vorgestellt werden. Zu der Veranstaltung für Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe, Schulen, Kindergärten, Einrichtungen der medizinischen Versorgung, Beratungsstellen und Interessierte werden 200 Teilnehmer erwartet.
Im März 2007 wurde mit Unterstützung der Landesregierung und des Unternehmens HanseYachts AG die Beratungsstelle "Rückenwind" etabliert, in der betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie ihren Angehörigen Unterstützung angeboten wird. Im Rahmen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen und gefördert durch das Bundesfamilienministerium konnte zudem in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt und der AWO ein zweiter Standort in Schwerin eröffnet werden. Inzwischen haben rund 100 Familien das Hilfsangebot angenommen. An der Universität Greifswald wird das Projekt wissenschaftlich begleitet und die Familien umfassend zu ihrer Situation befragt, um Rückschlüsse über das konkrete Risikopotenzial und seine Ursachen sowie entsprechende Eingreifmöglichkeiten zu erhalten. Fakt ist, dass Kinder von Eltern mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen um ein vielfaches stärker gefährdet sind als ihre Altersgenossen aus gesunden Familien.
Hilfe für Eltern und Kinder
"Psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter haben in den letzten Jahren zugenommen. Das Modellprojekt zeigt auf, wie die Gefährdungslage im Nordosten zu bewerten ist und wie wir den Kinder und Jugendlichen helfen können, trotz der Probleme ihrer Eltern ihr Leben zu meistern", so der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Harald Freyberger
Mütter und Väter, die unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Suchterkrankungen leiden, haben nicht immer ausreichend Zeit und Kraft, sich den Bedürfnissen ihrer Kinder zu widmen. Sehr oft gehen zudem weitere Probleme mit der Erkrankung einher wie Krankenhausaufenthalte, Familien- und Partnerschaftskonflikte, Arbeitslosigkeit und finanzielle Engpässe sind nur einige dieser zum Teil erheblichen Belastungsfaktoren. Dieses Bündel von Problemen kann die psychische Entwicklung des Kindes schon früh massiv beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, für diese Eltern und ihre Kinder besondere Präventions- und Hilfsangebote zu stellen. Doch welche Hilfsangebote sind wirklich nützlich? Welche Hilfen können Eltern annehmen? Und was bringt wirklich etwas? Möglichkeiten für Hilfe und Präventionen sollen im Rahmen des Fachsymposiums vorgestellt werden. Zudem besteht die Gelegenheit, neue Forschungsergebnisse und praktische Erfahrungen auszutauschen. (red)