Brasilien: Über eine Million ohne Trinkwasser

10. April 2003, 19:20
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Rios Strände gesperrt- Wasserverseuchung in drei Bundesstaaten - 40 Millionen Liter Gifte in Papierfabrik ausgetreten

Porto Alegre - Massenhaftes Fischsterben, rund 1,2 Millionen Menschen von der Trinkwasserversorgung ausgeschlossen, laut Experten die bisher schwerste derartige Umweltkatastrophe in Brasilien - das sind die Folgen eines Lecks in einem Tank der Papierfabrik "Cataguazes Papel" im Bundesstaat Minas Gerais.

40 Millionen Liter Gifte

Dort waren am 29. März mindestens 40 Millionen Liter giftiger Substanzen ausgetreten. Das schwarze Gemisch aus Abfallstoffen zur Herstellung von Zelluloid, das über die Flüsse Paraíba do Sul und Pomba in den Staaten Minas Gerais und Rio de Janeiro in Richtung Meer geflossen war, hat inzwischen im Bundesstaat Espírito Santo die Küste erreicht. Dort schwappt das Gift in Form von weißem Schaum an Land.

Strände gesperrt Rios Umweltbehörde sperrte 21 Strände, aber die Informationen über die Umweltkatastrophe laufen spärlich. Die Regierung von Rio zögerte tagelang die Bekanntgabe eines Gutachtens der Bundesumweltbehörde hinaus; laut Aussagen eines Funktionärs deshalb, weil die Daten eine Panik hätten auslösen können.

In dem Gutachten wird die Landesregierung für ihre mangelhafte Informationspolitik kritisiert. Übereilt sei auch die Ankündigung, die Trinkwasserversorgung solle wiederhergestellt werden.

Fabrik wurde geschlossen

Die Fabrik wurde geschlossen. Die Firmenverantwortlichen hatten kurz nach dem Unfall beteuert, die Giftstoffe seien für Menschen völlig ungefährlich. Inzwischen sind sie untergetaucht, nachdem die Behörden gegen sie Haftbefehle erlassen haben.

Neben den Gefahren für Menschen sind die Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Landwirtschaft sind noch nicht absehbar. Brasilianische Ökologen sagen, es könne bis zu 15 Jahre brauchen, bis sich die Natur von dieser Vergiftung erholt hat.

Schwere Ölpest in Ecuador Der Bruch einer Öl-pipeline in Ecuador gefährdet auch die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt Quito und hat schwere Schäden in empfindlichen Naturschutzgebieten angerichtet. Geschätzte 1,6 Millionen Liter Erdöl seien den Fluss Sucus-San gelangt, berichtete die Zeitung El Comercio am Mittwoch.

Die nationale Öl-Gesellschaft "Petroecuador" machte das Baukonsortium einer in diesem Bereich parallel verlaufenden neuen Öl-Pipeline für die Havarie verantwortlich. Der Einsatz von schweren Baumaschinen und die Verschiebung der alten Pipeline um mehrere Meter habe zum Bruch einer Schweißnaht geführt.

Mehrere Umweltschutzverbände kämpfen seit Jahren gegen den Bau von Pipelines durch diese Region. (dpa, Gerhard Dilger aus Porto Alegre, DER STANDARD Printausgabe 11.4.2003)

Mehr als eine Million Brasilianer ohne Trinkwasser Drei Bundesstaaten in Brasilien sind von einer Wasserverseuchung betroffen, die vor knapp zwei Wochen durch Giftaustritt ausgelöst wurde.
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    Der "Acu"-Strand vor Sao Joao da Barra ist einer der verseuchten Gebiete durch Gifte aus der Papierfabrik

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