"Marthaler-Festwochen" in Berlin

11. April 2003, 15:24
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Er selbst inszeniert inzwischen "Tristan" in Bayreuth

Berlin - Mit der Uraufführung von "Lieber nicht. Eine Ausdünnung", der neuesten Produktion des künstlerischen Leiters des Schauspielhauses Zürich, Christoph Marthaler, werden an der Volksbühne Berlin "Marthaler-Festwochen" eröffnet. Marthaler inszeniert das Projekt nach Melvilles "Bartleby", Premiere ist am Donnerstag. Im Rahmen einer zehntägigen "Premierenfeier" werden Marthalers Volksbühne-Inszenierungen "Die zehn Gebote" (18.4.) und "Murx den Europäer" (19.4.) sowie als Gastspiel des Schauspielhauses Zürich "Kasimir und Karoline" (23.-25.4.) gezeigt.

Strategie zur Souveränität

"I would prefer not to" - "Ich möchte lieber nicht" - lautet die berühmte Formel, mit der der brave Wall-Street-Schreiber Bartleby zuerst die Kontrolle, dann die Arbeit und schließlich die Nahrungsaufnahme verweigert. Laut Volksbühne-Programm ist Bartlebys Verweigerungs- und Ausdünnungs-Methode die einzige Strategie, wie ein einfacher Mensch gegenüber einem undurchschaubaren Konzept des Nationalen als Individuum souverän bleiben kann. Der Bezug zur spezifisch US-amerikanischen Nationalstaatsgründung und zur Rolle der USA in der Gegenwart ist evident.

Einmal mehr ist für Marthaler die Musik wichtiges Ausdrucksmittel. Gespielt wird auch an und auf zehn Klavieren. Anna Viebrock besorgt das Bühnenbild, es spielen unter anderen Winfried Wagner und Matthias Matschke.

Bayreuth

Christoph Marthaler selbst übernimmt die für 2005 geplante Neuinszenierung "Tristan und Isolde" bei den Bayreuther Richard Wagner-Festspielen. "Tristan" wird seine erste Wagner-Inszenierung sein. Anna Viebrock, Marthalers wichtigste künstlerische Partnerin der vergangenen Jahre, wird Bühne und Kostüme gestalten.

Die musikalische Leitung werde in den Händen des japanischen Dirigenten Eiji Oue liegen, teilte Festspielleiter Wolfgang Wagner, der mit der Verpflichtung des Leitungsteams für "Tristan" die Planungen für die kommenden Jahre abgeschlossen hat, am Donnerstag mit. (APA/dpa)

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    Christoph Marthaler

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