Kein Haus für Mozart

10. April 2003, 18:05
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Kommentar von Thomas Neuhold

Der Umbau des Kleinen Festspielhauses zu einem "Haus für Mozart" ist schon jetzt eine Skandalgeschichte. Im Herzen des Salzburger Festspielbezirkes droht ein architektonisches, kulturpolitisches und finanzielles Desaster. Dabei hat bisher niemand auch nur einen einzigen Ziegel angerührt.

Begonnen hat die Skandalchronik mit der Auftragsvergabe an das Duo Holzbauer/Valentiny, obwohl andere Projekte davor gereiht worden waren. Die Bewertung dessen, was die Planungsgemeinschaft vorgelegt hat, ist vernichtend: Statt eines Umbaus soll jetzt ein Totalabriss erfolgen. Namhafte Architekten bezweifeln die Funktionalität des Entwurfes. Vor allem die Akustik und die Sichtdistanzen zur Bühne werden kritisiert. Deutsche Consultingbüros wiederum bemängeln die magere technische Ausstattung und prognostizieren eine Kostenexplosion. Dazu kommt, dass die Terminplanung bis zum Mozartjahr 2006 äußerst knapp bemessen ist. Dass in dieser Situation wichtige Lokalpolitiker einen Planungsstopp und eine Neuausschreibung fordern, ist aber mehr als nur Politgezänk. Mozart und die Festspiele sind immerhin der Motor der Kultur- und Tourismusstadt Salzburg und sind von österreichweiter Bedeutung.

Mit einem vermurksten Fußballstadion vor Schloss Kleßheim mag man ja noch leben können. Ein Festspielhaus, in dem man kaum etwas hört und sieht, wäre jedoch eine Katastrophe. Ganz zu schweigen vor dem Horrorszenario einer Bauverzögerung. Dann wäre das Festspielhaus im Mozartjahr eine Baustelle. Auch die Felsenreitschule wäre nicht verfügbar. Die Mitglieder des Festspielkuratoriums wären also gut beraten, den Auftrag zurückzuziehen und den Baubeginn nach 2006 anzusetzen. Auch wenn man so auf einen Spatenstich knapp vor den Landtagswahlen 2004 verzichten muss.

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