Briten setzen trotz US-Kritik auf Zusammenarbeit mit Iran und Syrien

10. April 2003, 17:28
2 Postings

Außenminister Straw: "Syrien und Iran haben die Chance, ihren Teil zu einer besseren Zukunft Iraks beizutragen"

Washington - Trotz der jüngsten Kritik der USA an Syrien und dem Iran setzt Großbritannien weiter auf Zusammenarbeit mit den beiden Staaten. "Es ist wichtig, den Dialog mit diesen beiden Ländern fortzusetzen", sagte der britische Außenminister Jack Straw am Donnerstag im Parlament in London. Die von US-Regierungsmitgliedern geäußerte Kritik hatte der Diskussion über erzwungene Machtwechsel in Syrien und Iran zuvor neue Nahrung gegeben.

"Syrien und Iran haben nun die Chance, ihren Teil zu einer besseren Zukunft Iraks beizutragen", sagte Straw weiter und fügte hinzu: "Soweit es Syrien betrifft, hoffen wir, dass das Land nun die Gelegenheit nutzt, mit seiner bisherigen Politik bricht und so zu einer besseren Zukunft der gesamten Region beiträgt."

Rumsfeld erneuerte Vorwürfe gegen Syrien

US-Verteidungsminister Donald Rumsfeld hatte Syrien am Vorabend erneut die Unterstützung Saddam-treuer Kräfte im Irak vorgeworfen. Es gebe Geheimdienstinformationen, dass Syrien diesen Personen, darunter auch Verwandte Saddams, zur Flucht verhelfe, sagte er. Auch US-Außenminister Colin Powell hatte Ende März erklärt: "Syrien kann mit der direkten Unterstützung terroristischer Gruppen oder des sterbenden Regimes von Saddam Hussein fortfahren oder es kann einen anderen, hoffnungsvolleren Kurs einschlagen." So oder so werde Syrien die Konsequenzen für sein Verhalten tragen.

Auf die Frage nach einer Militäraktion gegen Syrien hat Rumsfeld bisher ausweichend geantwortet. Der britische Premierminister Tony Blair hatte derartige Überlegungen bestritten. "Sie (die Amerikaner) haben keinerlei Pläne, diese beiden Länder anzugreifen", sagte er Anfang April.

Syrien wies bisherige Vorwürfe zurück

Syrien hat die bisherigen Vorwürfe einer militärischen Unterstützung des Irak stets zurückgewiesen. Auf die Vorwürfe ging die Regierung in Damaskus zunächst nicht ein. Das Außenministerium forderte am Donnerstag vielmehr zur Beendigung der "Besatzung" des Iraks auf und verlangte internationalen Einsatz für die Selbstbestimmung des irakischen Volkes.

Konservative in den USA fordern schon länger, einen Machtwechsel in Syrien und im Iran zur Regierungspolitik zu machen. "Es ist Zeit, die anderen Herren des Terrors zu stürzen", schrieb Michael Ledeen vom American Enterprise Institute kurz vor dem Fall Bagdads. Der Iran biete den USA die Möglichkeit eines "denkwürdigen Sieges", weil das iranische Volk die Regierung dort offen hasse. "Syrien kann nicht allein gegen eine erfolgreiche demokratische Revolution bestehen, die tyrannische Regime in Kabul, Teheran und Irak stürzt", schrieb Ledeen.

Frank Gaffney, ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums unter US-Präsident Ronald Reagan, forderte, dass ein Regierungswechsel in diesen Staaten zur US-Politik erklärt werden solle. Dabei dürfe auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen werden. "Falls die Bedrohung sich derart ausbreitet, dass wir aus unserer Sicht keine andere Wahl als den Einsatz militärischer Mittel haben, dann müsste das eine Option sein", sagte er. Die Versuche, einen Machtwechsel in Iran, Syrien "und vielleicht auch in anderen Teilen der Region" herbeizuführen, würden sich vermutlich als "natürliche Entwicklung" im Krieg gegen den Terror herausstellen.(APA/Reuters)

Share if you care.