Breitgefächert und zerstritten: Irakische Opposition im Exil

10. April 2003, 15:59
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Viele schmieden Pläne für Wiederaufbau und Neuordnung des Landes an Euphrat und Tigris

Dubai/Bagdad - Nach dem Machtzerfall der irakischen Führung unter Saddam Hussein gilt es nun, Pläne für Wiederaufbau und Neuordnung des Landes an Euphrat und Tigris zu konkretisieren. Dabei könnten diverse irakische Oppositionsgruppen eine Rolle spielen - allerdings sind sie ausnahmslos im Ausland angesiedelt und überdies untereinander zerstritten.

- Die größte Oppositionsgruppe ist die "Oberste Versammlung der Islamischen Revolution im Irak" (SAIRI), eine 1982 gegründete Vereinigung von Schiiten mit Sitz im Nachbarland Iran. Die Schiiten sind die Bevölkerungsmehrheit im Irak, die Führungsschicht wurde aber bisher stets von Sunniten gestellt. Unter dem Vorsitz von Ayatollah Mohammad-Baker Hakim tritt die SAIRI für die Gründung einer Islamischen Republik nach dem Vorbild des Iran ein. Die SAIRI hat im September 2000 erstmals einen Umsturz Saddam Husseins durch die USA befürwortet, ist aber Washington gegenüber sehr kritisch eingestellt.

- Der "Irakische Nationalkongress" (INC) ist ein Sammelbecken verschiedener Oppositionsbewegungen: Radikalislamische, kommunistische und nationalistische Gegner Saddam Husseins fanden sich bei seiner Gründung 1992 in London zusammen. Die Bewegung unter dem umstrittenen Bankier Ahmed Jalabi wird von der britischen Regierung unterstützt und erhält seit Februar 2001 auch Mittel aus Washington, um im Irak Informationen über Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu sammeln. Jalabi gilt in gewissen US-Regierungskreisen als Favorit für eine führende Rolle im Irak nach dem Krieg.

- Für die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie tritt eine Bewegung ein, die vom Cousin des letzten irakischen Königs Faisal II, der 1958 entmachtet wurde, geleitet wird. Die Gruppe von El Sherif Ali Bin El Hussein versteht sich als föderalistische Volksbewegung, die auch Mitgliedern anderer Parteien und Unabhängigen offensteht.

- Eine pluralistische Demokratie auf Basis der Menschenrechte verlangt die "Bewegung der nationalen Verständigung" unter ihrem Generalsekretär Ijad Alaui. Die Gruppe wurde 1976 von ehemaligen Mitgliedern der Baath-Partei in London gegründet. In der britischen Hauptstadt scheiterte 1978 auch ein Attentat auf Generalsekretär Alaui. Im März 1991 nahm die Bewegung am ersten großen Treffen der irakischen Opposition in Beirut teil und eröffnete 1996 ein Pressebüro in der jordanischen Hauptstadt Amman. Im März 2002 schrieb die Gruppe an den Arabischen Gipfel in Beirut mit der Aufforderung an die Teilnehmerstaaten, den Kampf gegen Saddam Hussein zu unterstützen.

- Der Norden des Irak wird von zwei konkurrierenden kurdischen Bewegungen kontrolliert: Die Demokratische Partei Kurdistans (DKP) und die Patriotische Union Kurdistans (PUK) übernahmen unter dem Schutz der Alliierten nach dem Golfkrieg 1991 die Macht im überwiegend kurdisch besiedelten Norden des Landes. Die Meinungsverschiedenheiten führten 1994 sogar zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der KDP von Massud Barsani und der PUK unter Jalal Talabani. Unter Federführung der USA schlossen die beiden Gruppierungen 1998 Frieden. Die KDP ist die älteste irakische Kurdenbewegung und wurde schon 1946 von Mustafa Barsani, dem Vater des jetzigen Parteichefs, gegründet. Die PUK wurde 1977 von dem ehemaligen KDP-Mitglied Talabani gegründet, der die Barsani-Gegner aus der Bewegung um sich scharte.

- Ein bis dahin unbekannte "Demokratische Irakische Opposition Deutschlands" trat im August 2002 mit der Besetzung der irakischen Botschaft in Berlin in Erscheinung. Sie wolle "das irakische Land befreien", sagte die Gruppe bei ihrer Aktion im August, für die sich sechs Exil-Iraker seit Ende März vor einem Berliner Gericht verantworten müssen.(APA)

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