Caritas fordert Modernisierung der Sozialhilfe

10. April 2003, 15:58
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Küberl verlangt "Hilfe statt Sanktionen" für Arbeitslose - Hilfsprojekte gegen "Armutsfaktor Nummer eins"

Wien - Caritas-Präsident Franz Küberl forderte von der Regierung den Umbau und die Modernisierung der Sozialhilfe. Diese sei "kein Gnadenakt des Staates, sondern Überlebenshilfe für Menschen", betonte Küberl am Donnerstag in Wien bei der Vorstellung EU-geförderter Qualifikations- und Reintegrationsprojekte in den Arbeitsmarkt, an denen die Caritas beteiligt ist.

Der Caritas-Chef setzt sich für die Verknüpfung der arbeitsaktivierenden Maßnahmen mit der Sozialhilfe ein. "Hilfe statt Zwang" müsse dabei das Leitmotiv sein: "Sanktionen helfen nicht." Laut Küberl bedeutet es einen "pädagogischen Umstieg", Menschen nicht nach ihren Defiziten zu behandeln. Wo der Markt versage, sei auch der Staat gefordert, fügte der Caritas-Präsident hinzu. Ein Arbeitsmarkt mit gestuften, differenzierten und durchlässigen Angeboten trage der Erfahrung Rechnung, dass Arbeit "nicht nur entscheidend für die Existenzsicherung, sondern auch Basis für Selbstwertgefühl, für ein Leben in der Mitte der Gesellschaft" sei.

Küberl bezeichnete die Arbeitslosigkeit als "Armutsfaktor Nummer eins". Die Reintegration Langzeitarbeitsloser in den Erwerbsprozess gestalte sich besonders bei den Sozialhilfe-Empfängern extrem schwierig. Die Statistiken des Arbeitsmarktsservices (AMS) listeten die Betroffenen, die so genannten "Outsider" am Rande der Gesellschaft, nur zum Teil auf. "Viele dieser Menschen sind nicht zu 100 Prozent leistungsfähig, sind körperlich oder psychisch beeinträchtigt", weist Küberl auf die Schwierigkeiten hin. Die Gründe für die Arbeitslosigkeit lägen nicht am "mangelnden Wollen, sondern am mangelnden Können und sozialen Angenommensein". Notwendig seien auch Pünktlichkeit, Konfliktfähigkeit, Ausdauer und Teamfähigkeit: auf diese sozialen Kompetenzen werde in den Caritas-Projekten besonders geachtet.

"Integration durch Arbeit" (ida) heißt das durch die EU geförderte Programm, das die Caritas in Zusammenarbeit mit neun weiteren Organisationen durchführt. "ida" gibt es in fünf Bundesländern und richtet sich an die unterschiedlichsten Zielgruppen: In Wien und Salzburg sind besonders Langzeitarbeitslose und Obdachlose beteiligt. Ein Projekt im burgenländischen Oberwart ist speziell für Angehörige der Roma-Minderheit konzipiert worden. In Tirol werden drogenkranke Menschen, in der Steiermark Sozialhilfe-Empfänger in ländlichen Regionen in den Arbeitsprozess integriert. In den ersten drei Monaten haben bereits 170 Menschen in fünf Projekten ihre Arbeit begonnen. In insgesamt neun Projekten sollten ursprünglich 680 Männern und Frauen die Möglichkeit gegeben werden, stundenweise Arbeitserfahrungen zu sammeln. Nach den bisherigen positiven Erfahrungen rechnet die Caritas aber bereits mit weit über 1.000 Personen. (APA)

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