Erste nimmt nächsten Zukauf in Angriff

10. April 2003, 15:55
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Offert für bulgarische DSK

Wien - Die Erste Bank nimmt die nächste Bank in Osteuropa ins Visier. Am Donnerstag hat das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen ein Offert für die bisher staatliche bulgarische Großsparkasse DSK (Durshavna Spestovna Kassa), das zweitgrößte Bankinstitut des Landes, gelegt. "Wir haben heute ein verbindliches Angebot für die DSK abgegeben", sagte Erste-Pressesprecher Michael Mauritz am Donnerstag. Bei einem Zuschlag für die DSK würde sich die Erste das Tor in den für sie neuen osteuropäischen Markt Bulgarien aufstoßen.

OTP Bank einzige Konkurrentin im Bieterkampf

Bei der bulgarischen DSK Bank stehen 100 Prozent zum Verkauf. Neben der Erste Bank hat nur die ungarische OTP Bank ein verbindliches Kaufoffert an Bulgariens Regierung gerichtet. Die griechische Piraeus Bank, die zuletzt noch im Bieterrennen war, hat laut Auskunft einer Erste-Sprecherin darauf verzichtet, ein Angebot abzugeben.

Gemessen an ihrer Bilanzsumme von rund einer Milliarde Euro (per Ende 2002) ist die DSK die zweitgrößte Bank in Bulgarien. Nach Angaben der Erste Bank, für die Bulgarien noch ein weißer Fleck ist, verfügt das Geldinstitut mit mehr als 300 Geschäftsstellen über das größte Filialnetz des Landes.

Führend im Retail Banking

Im Retail Banking gilt die DSK - sie beschäftigt derzeit über 4.900 Mitarbeiter - als marktführend. Insgesamt werden rund 3 Millionen Kunden betreut. Bei den Privatkunden-Einlagen kommt die DSK auf einen Marktanteil von 25 Prozent, bei Privatkunden-Krediten sind es sogar 66 Prozent.

Mit einer Entscheidung der bulgarischen Regierung sei nach der heutigen Abgabe der Kaufangebote bereits in den nächsten Tagen zu rechnen, hieß es aus der Erste Bank. Ob damit die Erste oder die OTP den Zuschlag erhält, sei jedoch offen. Es könnte beispielsweise sein, dass sich beide Offerte zu ähnlich sind und die Regierung auffordert, sie nachzubessern. Für die DSK wird in bulgarischen Medien ein Verkaufserlös von 250 bis 300 Mio. Euro kolportiert.

Schlusspunkt in der Privatisierung der Banken

Mit dem geplanten Verkauf der DSK Bank setzt der bulgarische Staat einen Schlusspunkt in der Privatisierung der Banken. Einschließlich der DSK wären dann 80 Prozent des bulgarischen Bankensektors in ausländischen Händen.

Neben der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die im Frühjahr 2002 mit einer Tochterbank, der HVB Bulgaria, in Bulgarien startete und im Sommer vergangenen Jahres für 82,5 Mio. Euro dort die Bank Biochim gekauft hat, ist auch die Raiffeisen Zentralbank (RZB) in dem Balkan-Land präsent.(APA)

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