Kolportiert: Insolvenz steht kurz bevor

10. April 2003, 15:14
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Insolvenzantrag ist laut Informationen aus Branchenkreisen bereits am Freitag möglich - IG Metall fordert Rückverlagerung der TV-Produktion von Wien nach Nürnberg

Nürnberg - Die Insolvenz des überschuldeten Nürnberger Elektronikkonzerns Grundig steht nach Angaben aus Branchenkreisen kurz bevor. Beobachter rechneten am Donnerstag damit, dass der Antrag auf Einleitung des Insolvenzverfahrens bereits an diesem Freitag bei Gericht eingereicht werden solle. In Firmenkreisen wurde auch ein Termin Anfang nächster Woche als möglich bezeichnet. Die Konzernleitung hatte am Dienstag eine Entscheidung bis Ende der Woche angekündigt. Die deutsche Gewerkschaft IG Metall verlangt eine Rückverlagerung der Wiener TV-Produktion nach Nürnberg.

Ein Firmensprecher sagte lediglich, der neue Vorstandschef Eberhard Braun wolle sich zunächst ein umfassendes Bild von der Lage machen und sie gemeinsam mit dem Vorstand analysieren. Braun ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und ein erfahrener Insolvenzverwalter, der unter anderem den Betrugsfall FlowTex in Baden-Württemberg abwickelt. Er war am Dienstag als Nachfolger von Hans-Peter Kohlhammer zum Firmenchef berufen worden. Grundig strebt nach der geplatzten Übernahme durch den türkischen Beko-Konzern aller Wahrscheinlichkeit nach ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, das dem Vorstand größeren operativen Spielraum lässt.

Der deutsche Betriebsratsvorsitzende Thomas Schwarz sagte, die Hoffnungen, dass noch ein Retter auftrete, seien sehr geschwunden. "Uns liegt daran, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern." Nach Worten von Schwarz drohen dem Unternehmen Materialengpässe, da bereits die ersten Lieferanten nervös würden.

Die deutsche IG Metall in Nürnberg forderte ein Gesamtpaket zur Rettung von Grundig. Forschung und Entwicklung, der Markenname und das Vertriebsnetz seien es wert, erhalten zu bleiben, sagte ein Sprecher den "Nürnberger Nachrichten". Man müsse auch darüber nachdenken, ob die TV-Geräte-Fertigung von Wien nach Nürnberg zurückgeholt werden könne. (APA/dpa)

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