Die Kurden: seit Jahrhunderten ein Volk ohne Staat

11. April 2003, 09:50
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Volksgruppe umfasst über 25 Millionen Menschen

Sulemaniya - Schon oft haben sie einen eigenen Staat versprochen bekommen, doch darauf warten die mehr als 25 Millionen Kurden bis heute vergebens. 1514 teilten sich Perser und Osmanen erstmals die Herrschaft über Kurdistan. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde den Kurden 1920 ein Staat zugesagt; im Lausanner Friedensvertrag 1923 nach dem griechisch-türkischen Krieg gaben die Siegermächte diese Idee jedoch auf. Stattdessen wurde der einst osmanische Teil des Gebietes Irak, Syrien und der Türkei zugeschlagen.

Sunnitische Moslems

Die meisten Kurden sind sunnitische Moslems. Als Nachfahren der aus der Antike bekannten Meder zählen sie zur gleichen Familie der indoeuropäischen Völker wie Perser und Afghanen. Mit 13 bis 19 Millionen Kurden (nach amtlichen oder kurdischen Angaben) lebt heute gut die Hälfte in der Türkei, wo sie offiziell "Bergtürken" heißen. Sechs bis acht Millionen Kurden leben in Iran, vier bis fünf Millionen in Irak und mehr als eine Million in Syrien. Das gesamte Siedlungsgebiet umfasst rund eine halbe Million Quadratkilometer. Bedeutende kurdische Gemeinschaften gibt es auch in Aserbaidschan, Armenien, Libanon und in einigen europäischen Ländern - vor allem in Deutschland.

Unabhängigkeitsbestrebungen immer wieder niedergeschlagen

Kurdische Unabhängigkeitsbestrebungen reichten von Forderungen nach einem eigenem Staat bis hin zu kultureller Autonomie. Sie gelten als einer der zahlreichen Unruheherde in der Nahost-Region und wurden immer wieder niedergeschlagen. Allein in der Türkei kamen bei Auseinandersetzungen zwischen Armee und Aufständischen unter Führung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zwischen 1984 und 1999 schätzungsweise über 30.000 Menschen ums Leben. Auch der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini richtete seinen "Heiligen Krieg" zeitweise gegen die kurdische Bevölkerung im eigenen Land.

1988: Irak setzt Kampfgas gegen Kurden ein

Im irakisch-iranischen Krieg (1980-1988) unterstützten irakische Kurden dennoch eine iranische Offensive in ihrem Gebiet. 1988 setzte die irakische Armee in Halabja Kampfgas ein; etwa 5000 Menschen starben. Nach dem Golfkrieg 1991 erhoben sich die irakischen Kurden erneut erfolglos gegen die Führung in Bagdad. Saddam Hussein ließ wieder Giftgas einsetzen. Hunderttausende Zivilisten flüchteten in den Iran und in die Türkei.(APA)

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