Reporter ohne Grenzen kritisieren US-Armee

10. April 2003, 21:47
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Gezielter Angriff auf Hotel Palestine wäre grobe Verletzung der Genfer Konvention, so die Vorsitzende der Österreich-Sektion Möhring

In einem Brief an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld fordert die Vereinigung "Reporter ohne Grenzen" (Reporters sans Frontieres, RSF) Beweise dafür, dass das Büro des arabischen TV-Senders Al Jazeera und das vorwiegend von Journalisten bewohnte Hotel Palestine in Bagdad am 8. April nicht absichtlich ins Visier des US-Militärs genommen wurden. Zugleich äußert sich die Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit besorgt über die wachsende Feindseligkeit der US-Armee gegenüber Journalisten, ist in einer Aussendung der Österreich-Sektion zu lesen.

Keine Warnung

"Wir sind entsetzt über die schweren Attacken gegen Journalisten", erklärte Generalsekretär Robert Menard. "Nach unseren Recherchen war die Lage zum Zeitpunkt des Geschehens in der Umgebung des Hotel Palestine ruhig und die US-amerikanische Panzerbesatzung hat sich Zeit genommen, um die Kanone auf das Hotel auszurichten und schließlich zu feuern. Die Journalisten vor Ort erhielten unseres Wissens keine Warnung. Daher können wir nur schließen, dass das Gebäude absichtlich beschossen wurde. Die US-amerikanische Version eines Verteidigungsschusses ist wenig glaubwürdig", hielt Menard fest.

"Grobe Verletzung der Genfer Konvention"

"Ein gezielter Angriff auf das 'Journalisten-Hotel' Palestine enspräche einer groben Verletzung der Genfer Konvention", fügte die Vorsitzende der Österreich-Sektion von Reporter ohne Grenzen, Rubina Möhring, hinzu. "Denn auch internationale Kriegsreporter sind Zivilpersonen und als solche nicht einer kriegsführenden Seite bzw. Armee zuzuordnen. Dasselbe gilt auch für das Bombardement der Station des unabhängigen arabischen TV-Senders Al Jazeera", so Möhring.

Dokumentation seit Kriegsbeginn

Reporter ohne Grenzen dokumentiert seit Kriegsbeginn die Situation der Journalisten und Medien vor Ort. Nach den vorliegenden Berichten seien zahlreiche unabhängige Journalisten bei der Berichterstattung behindert und schikaniert worden. An der irakisch-kuwaitischen Grenze hätten Reporter nicht einreisen dürfen, einigen sei mit dem Entzug der Akkreditierung gedroht worden. Mehrere Reporter seien stundenlang festgehalten und verhört worden. Vier Reporter hätten von Schlägen und Misshandlungen durch US-Militärs berichtet.

Die Vereinigung Reporter ohne Grenzen hilft bedrohten Journalisten und setzt sich weltweit für die Verteidigung der Pressefreiheit ein. (APA)

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