Zwölfjährige in Wiener U-Bahn jahrelang sexuell belästigt

10. April 2003, 16:23
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Sieben Monate bedingt - 350 Euro Entschädigung - keine Therapie für 37-jährigen Akademiker

Wien - Wenn ein Mädchen in der Früh in der Station Philadelphiabrücke in die U6 einstieg, um in die Schule zu fahren, wurde es schon erwartet. Jahrelang passte ein heute 37-jähriger Akademiker die Schülerin ab, presste sich im Gedränge an sie, suchte Körperkontakt. Immer wieder versuchte er auch, sie am Aussteigen zu hindern, "damit sie mit mir zusammen stößt oder sich an mir vorbeiquetschen muss", wie er am Donnerstag, im Wiener Straflandesgericht darlegte.

Keine Erfahrung mit Frauen

Der bisher unbescholtene Mann wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen zu sieben Monaten bedingter Haft verurteilt (Vorsitz: Sonja Höpler-Salat). Der sehr klein gewachsene, extrem kurzsichtige Akademiker habe seit dem Studium keinerlei Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht erlebt. "Er lebt nicht gerade in einer glücklichen Situation. Er hat ein Problem damit", erläuterte der Anwalt.

Zunächst den selben Wagon benützt

Im Frühjahr 1999 fiel dem einsamen, allein stehenden Wiener die damals Zwölfjährige auf. Zunächst benützte er nur den selben Waggon und starrte sie an, "aber irgendwann hat er sich damit nicht mehr begnügt", sagte Staatsanwalt Josef Holzleithner.

Zudringlichkeiten erduldet

"Ich habe gewartet, bis sie gekommen ist und bin mit ihr gefahren. Ich wollte rein physisch in ihrer Nähe sein. Ich hatte gehofft, sie würde mich ansprechen", meinte der Beschuldigte. Jahrelang erduldete die Schülerin die scheinbar unabsichtlichen Zudringlichkeiten. "Es ist zu Berührungen gekommen, die sicherlich eine Belästigung darstellen", gab der Mann zu. Das habe ihn auch erregt.

Ein einziges Mal begleitete der Vater das Mädchen auf dem Weg in die Schule. An jenem Morgen war der lästige Unbekannte aber nicht zu sehen. Anzeige wurde erst am 22. Oktober 2002 erstattet: Der 37-Jährige soll da der Schülerin die Faust gegen den Bauch gedrückt haben, um sie zum Verbleiben in der U6 zu bewegen.

350 Euro Entschädigung - keine Therapie

Therapie habe er keine nötig, war der Beschuldigte überzeugt: "Dass Ganze war so ein Schock für mich, dass ich das sicher nie mehr machen werde." Um seinem Opfer "wenigstens einen schönen Urlaub zu ermöglichen", ließ er ihr über seinen Anwalt 350 Euro zukommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. (APA)

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