Gefängnis-Ausbrecher beim Schwarzfahren erwischt

10. April 2003, 16:24
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Zwei Häftlingen gelang die Flucht aus der Justizanstalt Wien-Simmering -aber nicht vor den Schwarzkapplern

Wien - Mit Hilfe eines Winkelschneiders und einer Eisensäge gelang zwei Häftlingen der Justizanstalt Wien-Simmering am 24. Oktober 2002 die Flucht.

Sie sägten zu nächtlicher Stunde vier Gitterstäbe durch und setzten sich über einen angrenzenden Tennisplatz und eine Gärtnerei ab. Weit kamen die beiden Männer aber nicht: Siebeneinhalb Stunden später wurden sie in einer Schnellbahn beim Schwarzfahren erwischt.

"Das hat sich nicht wirklich ausgezahlt", bekannte Gernot Z. (25) am Donnerstag, im Wiener Straflandesgericht. Dort musste er sich gemeinsam mit seinem Komplizen Mario M. wegen schwerer Sachbeschädigung verantworten. Gernot Z. wiederum sitzt nach einem Raubüberfall sieben Jahre ab.

Ausbruchsplan

Als er auf brieflichem Weg erfuhr, dass es seinem Kind gesundheitlich schlecht ging, "habe ich geschaut, dass ich rauskomm'. Ich sehe meine Leute schon lange genug nicht", sagte Z. Beim Vorarbeiter besorgte er sich die Schlüssel für den gefängniseigenen Bauhof, und irgendwie gelang es ihm, das nötige Werkzeug in seinen Haftraum zu schaffen.

Sein Zellengenosse machte nach eigenen Worten mit, "weil ich einen Haufen Probleme mit der Freundin gehabt habe". Zunächst wurde der Winkelschneider in Betrieb gesetzt. "Aber der war zu laut", erzählte Gernot Z. Also wurde zur Eisensäge gegriffen. "Die quietscht aber auch," wusste Richter Gerhard Pohnert. "Schon. Aber nicht gar so laut", belehrte ihn der Angeklagte.

Kein Fahrschein

Hätten sich die beiden mit einer gültigen Fahrkarte in den Zug gesetzt, hätten sie sich wohl länger an der ungesiebten Luft erfreuen können. So aber klickten die Handschellen, noch ehe der besorgte Vater sein Kind gesehen hatte.

"Das war wohl nicht sehr intelligent", meinte der Richter etwas boshaft. Mario M. wurde zu neun, Gernot Z. zu sieben Monaten unbedingter Haft verurteilt. Die vom Pech verfolgten Ausbrecher waren damit eben so einverstanden wie Staatsanwältin Natascha Michel. Die Zusatzstrafen sind damit rechtskräftig.(APA)

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