Bush und Blair versprechen den Irakern eine neue Zeit

10. April 2003, 19:41
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"Eure Nation wird bald frei sein", kündigte US-Präsident Bush den Irakern an, während die Alliierten weitere Teile des Irak einnahmen.

Am Tag nach dem Fall Bagdads meldeten sich die Kriegsherren zu Wort. Vor unverfänglich rostbraunem Hintergrund, ohne Sternenbanner und Union Jack, aber mit arabischen Untertiteln, wandten sich nacheinander George W. Bush und Tony Blair an die Iraker und warben in einer Fernsehansprache für ein neues, ein demokratisches Regime. "Ihr verdient Besseres als Tyrannei und Korruption und Folterkammern", sagte also der US-Präsident, "ihr verdient es, als freie Menschen zu leben. Und ich versichere jedem Bürger des Irak, eure Nation wird bald frei sein."

Die Reden waren schon vergangenen Montag aufgezeichnet worden, als sich Bush und Blair in Nordirland trafen, um die Nachkriegsordnung für den Irak zu beraten. In einem neuen arabischsprachigen Programm der US-Armee wurde die Botschaft der Sieger am Donnerstag im Irak ausgestrahlt. "Nahwa Al-Hurriah" - "Auf zur Freiheit" - wird jeweils eine Stunde am Tag von einer Militärmaschine aus gesendet.

Unten am Boden versucht die Exilopposition Fuß zu fassen. Für kommenden Samstag hat Ahmad Chalabi, der Vertrauensmann des Pentagon und Chef des Parteienbündnisses "Irakischer Nationalkongress", die Saddamgegner nach Nasiriya einberufen. Dort, im Süden des Irak, hat der Geschäftsmann mit eigener Miliz und unter Schutz von Special Forces der US-Armee Stellung bezogen. Die USA hätten etwa 43 Iraker - davon 14 ehemalige Exil- iraker - bestimmt, die an dem Treffen teilnehmen sollten, gab Chalabi an.

Doch auf wie schwachen Füßen Chalabis politische Autorität derzeit noch steht, wurde im Lauf des Donnerstags klar: Zuerst ließ die schi- itische Oppositionsgruppe "Oberster Rat für die Islamische Revolution im Irak" (SCIRI) des Ayatollah Mohammad Bakir Hakim in Teheran - eine der Hauptgruppen der zerstrittenen irakischen Opposition - mitteilen, dass sie noch gar nicht entschieden habe, ob sie nach Nasiriya komme. Dann stritt US-Außenminister Colin Powell überhaupt ab, dass es schon Samstag ein Treffen gibt, bei dem man über die irakische Übergangsverwaltung berät.

Franks regiert

In einem langen Interview mit der Los Angeles Times mahnte er zur Geduld. "Natürlich wird es Chaos geben, Verwirrung, Feiern, Unordnung für einige Zeit", meinte Powell und nannte als Hauptverantwortlichen für den Irak den Oberkommandierenden der Alliierten, General Tommy Franks: "Er muss die Lage stabilisieren, für Sicherheit im Land sorgen, die Armee entwaffnen, nach Massenvernichtungswaffen suchen, mit der humanitären Hilfe für die Bevölkerung beginnen. Man braucht militärische Befehlsgewalt für so etwas, und genau das geschieht nun."

Als bisher einziges Mitglied der US-Regierung plädierte Powell zudem für eine neue UN-Resolution, die eine Übergangsregierung im Irak legitimieren soll. Hintergrund dafür ist wohl der neue beginnende Streit zwischen Washington und den Europäern über die Rolle der UNO im Nachkriegsirak sowie über die Wirtschaftspläne der USA, die gegen das Vierte Genfer Abkommen von 1949 (Rechte und Pflichten von Besatzungsmächten) verstoßen könnten.

Die Auflösung des irakischen Regimes ging indes international weiter. Nochmals 1,2 Milliarden Dollar Guthaben des Saddam-Regimes sollen die USA und einige ihrer Alliierten beschlagnahmt haben. "Das Spiel ist aus", hatte Iraks UN-Botschafter Mohammed al-Duri doch erklärt. (DER STANDARD, Printausgabe, 11. 04. 2003)

Die Ordnung des Nachkriegsirak steht noch lange nicht fest. Das Pentagon setzt auf einen Exiliraker, Powell bringt die UNO wieder ins Spiel.
Von Markus Bernath
  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Towards Freedom"-TV übertrug die Reden Bush und Blairs mit arabischen Untertiteln

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