Sacher-Masoch-Festival in Graz

12. April 2003, 10:00
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Eine dem Namenspatron des Masochismus gewidmete Schau wird zur Ausstellung der Geschichte der Sexualität

Graz - Dem Mann, der schon zu Lebzeiten zum "Urtyp des Masochisten" erklärt wurde, ist im Rahmen von "Graz 2003" ab Ende April ein eigenes Festival gewidmet. Das "Sacher-Masoch-Festival" behandelt in der von Peter Weibel kuratierten Ausstellung "Phantom der Lust" sowie im Symposium "Rhetoriken und Szenarien" die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Schriftstellers, der lange Zeit in Graz gelebt hat. Ein Sammelband aus dem Grazer Droschl-Verlag mit literaturwissenschaftlichen Studien wurde bereits präsentiert.

Von Zeitgenossen wurde der 1886 in Lemberg (Ukraine) geborene und später in Graz lebende Leopold von Sacher-Masoch zuerst als "Turgenjew Österreichs" bezeichnet. Nach seinem Text "Venus im Pelz" (1869) und der "Psychopathia sexualis" (1890) von Richard Krafft-Ebing, in der der Grazer Psychiater eine Perversion mit Sacher-Masochs Namen belegte, erlebte die literarische Karriere des Autors einen jähen Einbruch. "Damit war Sacher-Masochs literarische Produktion endgültig abgestempelt und pathologisiert", so die Germanistin Ingrid Spörk, die im Grazer Droschl-Verlag gerade den ersten deutschsprachigen literaturwissenschaftlichen Sammelband zu Leopold von Sacher-Masoch herausgegeben hat, im Gespräch.

Begriff "Masochismus"

Während der Schriftsteller heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist, hat der Begriff "Masochismus" als Bezeichnung für eine sexuellen Vorliebe für die Verbindung von Schmerz und Lust weltweite Wirkung erlangt. "In weiterer Folge wurde der Masochismus in Film, Literatur, Philosophie, Musik und bildender Kunst Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Auseinandersetzungen, welche das Phänomen in seinen vielschichtigen sozialhistorischen Zusammenhängen reflektieren", so Ausstellungsmacher Peter Weibel.

In seiner Schau, die ab 25. April in der Neuen Galerie und im Stadtmuseum gezeigt wird, soll die Geschichte der Sexualität bzw. die Entfaltung des masochistischen Phantasmas vom Symbolismus über die Neue Sachlichkeit und den Surrealismus bis heute nachgezeichnet werden. Im Zentrum steht der Topos von der "Venus im Pelz" - Sacher-Masochs Erfindung der grausamen Frau. Aber auch Phänomene wie Autoerotik und Selbstzerstörung oder Fetische in der aktuellen Fashion-Szene sowie der Komplex Lust und Leid sollen Eingang in die Schau finden.

Symposium

Vom 1. bis 4. Mai läuft das Symposium "Rhetoriken und Szenarien" in der Neuen Galerie, das die gesellschaftliche und kulturellen Bedeutung des Masochismus verdeutlichen will. Als Referenten geladen sind u.a. Hubert v. Amelunxen, Peter Gorsen, Boris Groys, Catherine Robbe-Grillet und Elfriede Jelinek. Konzerte, Lesungen und Performances sowie eine Filmschau bilden das Rahmenprogramm. (APA)

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Das Sacher-Masoch Festival

Sammelband "Leopold von Sacher Masoch", Hrsg.: Ingrid Spörk u. Alaxandra Strohmaiersoch, Droschl-Verlag Graz, Nr. 20 der Reihe "Dossier", 280 Seiten, 31 Euro

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    Leopold von Sacher-Masoch

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